Wie schreibt man ein Buch?

Ein Buch schreiben.

Das ist für viele Menschen ein Traum, ein Ziel, etwas kaum Greifbares.

Ich wurde von Klein auf immer wieder dazu ermutigt zu schreiben. Schon meine Grundschullehrerin, die mich liebevoll „Maddi“ nannte, förderte mein Talent und las meine Aufsätze gern der Klasse vor.

Neben dem Literaturstudium arbeitete ich als Zeitungsreporterin, gründete im Jahr 2015 meinem Blog und bereitete mich so (eher unbewusst) auf das größte Schreibprojekt meines Lebens vor: meinen ersten eigenen Roman.

Der Weg von der Idee im Kopf zum Buch in der Hand dauerte ziemlich genau 1 Jahr. Und weil auch andere Menschen sich immer wieder mit dem Vorhaben befassen, ein eigenes Werk zu Papier zu bringen, hier meine persönliche Landkarte. Vom Gedanken zum Buch.

1. Üben, üben, üben.

Es war mir über die Jahre gar nicht so bewusst, aber das Schreiben für die Zeitung und dann für meinen Blog hat mich wirklich geschult. Themen auf den Punkt zu bringen, sich vielfältig und eloquent ausdrücken zu können und den roten Faden nicht zu verlieren- für all diese wichtigen Kompetenzen waren die Texte der letzten Jahre eine großartige Übung. Und das Feedback meiner Leser stets eine große Hilfe. Sowohl, was meinen ganz eigenen Schreibstil, als auch die Sensibilität für aktuelle Themen angeht.

Und es sei natürlich erwähnt, dass fortgeschrittene Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik dein Grundhandwerk sind! Es ist völlig okay, zwischendurch mal im Duden nachzuschlagen. Aber ein Manuskript voller Flüchtigkeitsfehler wird kaum eine Chance haben.

2. Idee& Muße

Ich bin keine von den Autoren, die sich zu festen Zeiten hinsetzen und auf Kommando tippen können. Ich brauche einen freien Kopf, Ruhe und genau die richtige Grundstimmung zwischen Stress und Konzentration- kurzum, Muße. Und um die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählen zu können ohne eine Schreibblockade zu erleiden, muss die Idee schon länger in deinem Kopf gereift sein. So war es zumindest bei mir! Das Thema Materialismus und Glück beschäftigte mich schon eine ganze Weile. Und eines Tages fiel mir Sofia Fitz ein. Es ist in diesem Genre (Belletristik) sicher leichter eine gute Story zu entwickeln, wenn du deinem Werk eigene Erfahrungen und Interessen zugrunde legst (anders als zB beim Krimi oder Thriller).

3. Mindmap

Ich habe mir wenige Stichworte beim Schreiben gemacht. Da es in meinem Buch eine Rahmenhandlung sowie Zeitsprünge gibt, habe ich aber hin und wieder einen Zeitstrahl gezeichnet, um nicht die Orientierung zu verlieren. Je nachdem, wie komplex deine Geschichte ist, hilft es natürlich enorm, Stichworte zu Personen, Eigenschaften und Orten zu machen. Es kann nämlich echt anstrengend sein, ständig in eine früheres Kapitel zu scrollen, weil du nicht mehr weißt, an welche Situation etwas später anknüpft.

Die Figuren, ihre Namen und Eigenschaften, das fiel mir wirklich ständig von selbst ein. Ich musste fast nie überlegen: Wie geht es hier weiter? Die Geschichte war einfach in meinem Kopf. Dennoch war es neu für mich, Situationen wirklich ausschweifend und so zu erzählen, dass sich der Leser „abgeholt“ fühlt, sich in die Lage hineinversetzen kann. Grade bei den Sexszenen musste mich meine Lektorin erst einmal ermuntern, doch bitte ein wenig ausführlicher zu werden XD

4. Die Normseite

Wenn du dein Manuskript an eine Agentur schickst (wir kommen gleich noch zum Unterschied zwischen Agentur und Verlag), dann wird der Lektor erwarten, dieses Werk in sogenannten Normseiten zu bekommen. Das ist eine gängige und angenehm zu lesende Formatierung, von der ich bis dato nie gehört hatte.

Eine Normseite enthält (in meinem Manuskript) Kopf- und Fußzeile, in die Arbeitstitel, Autorenname, Seitenzahlen und gegebenenfalls deine Kontaktdaten gehören. Die Normseite besteht aus 30 Zeilen mit 1,5-fachem Zeilenabstand. Die erste Zeile eines neuen Kapitels wird eingerückt. Ein neues Kapitel beginnt auf einer neuen Seite, auch wenn das Ende des vorherigen Kapitels nur drei Zeilen hatte.

5. Wie veröffentlichen?!

Es erschien mir als große und unglaublich aufregende Aufgabe, jemanden zu finden, der mein Literaturbaby veröffentlichen wollte. Ich begann, mir im Internet Literaturagenturen zu suchen, die renommiert und seriös sind (d.h., du zahlst denen NICHTS im Voraus!). Auf den Webseiten der Agenturen steht immer genau, auf welchem Wege sie deine Bewerbung möchten. Meist digital, klar. Aber es gibt noch mehr zu beachten. Wollen sie das komplette Manuskript oder nur eine Leseprobe? Gibt es ein Formular mit gezielten Fragen, das man ausfüllen muss? Oder erwarten sie eine freitextliche Vorstellung von Autor und Werk?

Jede Agentur hat andere Vorgaben. Doch wie gesagt, es wird stets irgendwo genau aufgeführt, was sie wollen.

Bewusst wählte ich nicht den Weg, meine Seiten klassisch direkt an einen Verlag zu senden- die meisten unerwünscht eingereichten Manuskripte landen dort nämlich leider gleich ungelesen im Müll! Viele Verlage weisen sogar extra drauf hin, bitte nichts ungefragt einzusenden.

Eine Literaturagentur erschien mir als große Hilfe. Diese Menschen kennen den Markt, die Branche und vor allem andere Menschen, die darin arbeiten.

Ja, die Agentur macht ihren Schnitt und erhält einen großen Anteil am Gewinn. Dafür bekommt man aber auch viel geboten! Sie bietet dein Werk passenden Verlagen an und hat Kontakte in die Welt der Worte. Sie übernimmt das Marketing, den Vertrieb und erklärt grade einem Frischling wie mir genau, was wann als nächstes passiert.

6. Wenn jemand dein Buch will

Herzlichen Glückwunsch! Fantastisch! Du hast es geschafft, und das Interesse von Profis geweckt, die dein Wortbaby berühmt machen können.

Die Entscheidung, ob du der ersten interessierten Agentur zusagst oder auf weitere Antworten wartest, liegt bei dir. Hast du ein gutes Bauchgefühl bei der Stimme am Telefon? Hat die Agentur einen guten Ruf? Mit welchen Verlagen arbeitet sie zusammen?

Auf einige Absagen folgte eines Tages eine E-Mail meiner jetzigen Agentur: „Wir mögen Ihr Werk. Könnten Sie sich vorstellen, bei einem Digitalverlag zu veröffentlichen?“

Digitalverlag? Was ist das? Auch als Bloggerin war mir dieser Begriff fremd und ich begann zu recherchieren. Ist das seriös? Werde ich mein Buch trotzdem auch ins Regal stellen können?

Nachdem ich mich eingelesen hatte, verabredete ich einen Telefontermin mit der Agentin. Sie klang super sympathisch und beantwortete all meine Fragen. Ich Frischling empfand es als große Chance, auf diesem Wege in der Literaturwelt Fuß zu fassen.

Denn: das Risiko für einen Verlag, einen vollkommen unbekannten Autor unter Vertrag zu nehmen, ist natürlich deutlich geringer bei einem E-Book als im Druck. Und mir gibt es die Möglichkeit, mich zu profilieren und zu testen, ob die Menschen meinen Stil überhaupt mögen.

Ob Digital oder gleich im Druck- es ist ein Riesending, wenn jemand Fremdes, der sich wirklich damit auskennt, an dein Werk glaubt!

Rein technisch habe ich also zwei Verträge für „Glitzer im Kopf“ abgeschlossen: einmal mit der Agentur, und einmal mit dem Verlag. Die Agentur nahm mich für zwei Jahre unter Vertrag. In diesen zwei Jahren läuft alles, was ich Neues veröffentlichen möchte, zuerst über ihren Schreibtisch. Sie sucht dann für den zweiten Teil auch wieder den Verlag (ich gehe davon aus, da bereits darüber gesprochen wurde, dass ich auch hier wieder zu meinem aktuellen Verlag komme).

Wenn der Vertrag mit dem Verlag steht, ist die Agentur raus. Dann ist dein Verleger solange Ansprechpartner, bis man Dir einen passenden Lektor zuteilt. Meine Lektorin rief mich bspw. kurz nach der Zuteilung an und erklärte mir, wie Lektorat und Korrektorat ablaufen würden. Wir standen regelmäßig in E-Mail- oder Telefonkontakt, und ich durfte bei allen Anmerkungen ihrerseits das letzte Wort haben.

Das Cover wurde mir irgendwann zur Absegnung gemailt, und ich durfte zwischen zwei Varianten wählen.

Kurzum: Der Verlag nahm mich wirklich an die Hand und begleitete den Werdegang meines Buchs Schritt für Schritt.

7. Wird man damit reich?

Das fragen mich die Leute tatsächlich immer wieder. Die Antwort ist: Nein! Wenn du nicht Selena Gomez bist und deine Memoiren veröffentlichst, ist es sehr unwahrscheinlich, mit dem Erst-, Zweit- oder gar Drittwerk zum Star zu werden. Möglich, klar!

Aber ganz realistisch: Rechne nicht damit. Das war für mich überhaupt kein Ansporn und ich habe mir auch keine Illusionen darüber gemacht, von jetzt auf gleich J.K. Rowling zu werden!

Ich bin im Herzen eine Künstlerin und meine Ausdrucksweise ist das geschriebene Wort. Also ehrt es mich einfach zutiefst, dass mein Talent sowohl von einer Agentur als auch einem Verlag anerkannt wurde und wird. Das ist es, was einen zum Autor macht, wenn du mich fragst. Veröffentlich zu werden.

Ja, ich möchte unheimlich gern die Vollzeit-Autorin im Gemüsegarten werden! Aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Es ist kein Meister vom Himmel gefallen, und der Weg bis zu diesem Ziel ist sicher noch lang.

Doch ich habe den Anfang gemacht und eine Riesenhürde genommen, den Einstieg in die Literaturwelt. Und das macht mich viel glücklicher als alles Geld der Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu