Trau Dich!

Mut ist: etwas zu wagen, das Dir eine Heidenangst einjagt, und es trotzdem durchzuziehen.

Treffender kann ich meine Entscheidung, eine unbefristete Stelle (trotz Singlestatus und einem Haufen Rechnungen) zu verlassen, nicht beschreiben.

Dumme Gans! mag der eine rufen.

Krass! vielleicht der andere.

Als ausgesprochen durchgetaktete Organisatorin und Pläneschmiederin hat es mich eine Riesenüberwindung gekostet, von der Klippe zu springen und nicht zu wissen, wie die Landung aussieht. Aber das ist das Leben, oder? Ich habe schon immer viele sorgfältige Pläne gemacht. Zeitpläne, Wochenendpläne, Lebenspläne. Wollte meinem Freund die Gelegenheit geben, in Ruhe sein Studium zu beenden, und habe mich voll ins Workingmom-Dasein reingehängt. Bin bei 40 Grad im Schatten mit dem Zug gependelt, habe einen völlig fremden und schwierigen Job versucht zu lernen und unseren Lebensstandard bestmöglich zu erhalten.

Und was war‘s am Ende? Der Traumprinz verlässt mich und ich stehe da. 11 Stunden am Tag außer Haus, das kleine Kind in der Kita. Zu der ich ihn nie bringen und von der ich ihn auch nicht abholen konnte. Ein echt fordernder Job, Pendeln, Haushalt und Papierkram nach Feierabend. Und das schlimmste Mamagewissen seit Geburt meines Kindes. Ich hab ihn doch nicht bekommen, um ihn nie zu sehen…?!

Auf den 1. Zusammenbruch kurz nach der Trennung drohte bald ein zweiter. Die Kita sprach mich an und bat um mehr Präsenz. „Nikolai vermisst Sie sehr“, sagten sie und meinten es gut.

Ich musste einsehen: Du kämpfst auf verlorenem Posten. Meine Absichten waren ehrenwert, keine Frage. Ich wollte unser Zuhause, das alte Auto und somit den Alltagsrahmen bewahren. Und das um jeden Preis. Doch so ging es nicht weiter. Mein Körper versagte mir zum 2. Mal innerhalb von zwei Monaten den Dienst. Mein Kind litt unter den vielen Stunden der Trennung von mir und der zwischen Mama und Papa. Ich musste aufwachen und zog die Reißleine, bat meinen Chef, mich zu kündigen- und schlich zum Arbeitsamt. Mein Erspartes war für den Sprit zur Arbeit aufgebraucht worden, da das Zugfahren noch mehr Psychoterror war als mit dem Auto.

Wir lebten in den letzten neun Oktobertagen von 20 Euro- und es war egal!

Ganz ehrlich. Es war die richtige und beste Entscheidung, um die Kündigung zu bitten. Trotz der Aussicht auf einen unbefristeten Vertrag, mit dem ich mich „sicher“ gefühlt hätte. Alles andere sprach dagegen: die Entfernung, meine körperliche Verfassung und erst recht mein Sohn, der seine Mami vermisste.

Und das ist der Punkt: Kein Geld der Welt kann einem verlorene Zeit schenken. Oder Gesundheit.

Mir ist es sehr wichtig, dass wir ein stabiles Leben führen. Ein solides Leben. Immerhin hängt von mir und meiner Arbeit alles ab, und ich möchte meinem Kind eine sorgenfreie Kindheit ermöglichen.

Spät (zum Glück nicht zu spät!) verstand ich aber: Nikolais einzige Sorge war die, wo seine Mami blieb. Er sehnte sich und fragte nach mir. Ihm doch egal, ob wir hätten ausziehen oder ich das Auto hätte abgeben müssen, genau wie neues Spielzeug. Ein Kind verdient und braucht vor allem eines: gemeinsame Zeit. ICH bin seine Stabilität, sein Halt und seine beste Freundin.

Von 20 Euro kommt man übrigens ganz gut über die Runden, wenn es mal unvermeidlich ist! Solange man nicht tanken muss und einige Vorräte im Haus hat, lassen sich davon die nötigsten Nahrungsmittel bezahlen. Immer würde ich das nicht schaffen! Es kam einfach so, weil zwischen dem letzten Tanken zum letzten Arbeitstag und der letzten Gehaltszahlung eine Lücke von mehreren Tagen klaffte.

Geld wächst nicht auf Bäumen, klar. Rechnungen zahlen sich nicht von selbst, und mit den Jahren werden auch Niki Wünsche sicher größer. Also war ich natürlich motiviert, mir nur wenig Zeit zum Verschnaufen zu geben und einen neuen Job zu suchen. Doch das steht auf einem anderen Blatt.

Hier und heut will ich Dir sagen: Aufgeben ist keine Schande! Es ist nicht feige. Ganz im Gegenteil, es erfordert großen Mut, seinen eigenen Weg zu gehen und sich auf etwas vollkommen Neues einzulassen. Tu es!! kann ich nur sagen. Das Leben ist so kurz und so schnell vorüber. Ich will nicht auf ein Jahr zurückblicken (geschweige denn, noch länger!) und mir eingestehen, dass ich Zeit verschwendet habe. Dass ich in einer Situation erstarrt wäre, die mir zuwider und meinem Kind schädlich war. Nein! Das Leben ist ein Geschenk, und Zeit mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Mir gab diese Entscheidung die Gelegenheit zu regenerieren. Zeit, mit meinem Schatz aufzutanken und mich umzuorientieren. Es ist völlig okay und manchmal sogar nötig, aus dem Hamsterrad des Erwachsenenlebens auszubrechen, trotz aller Verpflichtungen und Ängste. Wenn du die Tür zu Stress, Sorgen und Widerwillen zugeschlagen hast, wird sich eine öffnen, die dir ganz neue Möglichkeiten bietet. Sei mutig und geh deinen Weg. Es ist DEIN Leben. Du schaffst das!

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