Eine neue Ära.

Es gibt keinen schönen Satz für dieses Statement, also sage ich es einfach: Ja, S und ich sind getrennt.

Vor einigen Monaten, zu Beginn meiner Zeit in der Kanzlei, ist er ausgezogen. Es war nicht einvernehmlich und nicht friedlich. Es war eine grausame Zeit. Ich stolperte schon über den neuen Alltag mit dem Pendeln, der Einarbeitung, dem Lektorat für mein Buch und der Sehnsucht nach Zuhause. Dass mir in genau dieser Zeit noch das Herz zerriss, ließ mich am Rande des Erträglichen taumeln.

Und wisst ihr, was? Eigentlich wollte ich das hier nicht besprechen. Gar nicht. Doch wie soll man einen ehrlichen Alltagsblog führen, ohne entweder die knallharte Wahrheit zu sagen, oder einen auf heile Instawelt zu machen, obwohl es hinter den schönen Bildern ganz anders aussieht?

Dennoch fiel es mir lange schwer, diese Zeilen zu verfassen.

Zunächst, weil es mir unerträglich war darüber nachzudenken, geschweige denn, zu sprechen.

Es gab natürlich eine Menge umzuorganisieren. Nach einem 11-Stunden-Tag wartet nun nach Feierabend wieder der Haushalt auf mich. Und vor allem mein kleiner Fuchs, der mich vermisst und braucht. Ich habe erst kürzlich meine Arbeitszeiten so angepasst, dass ich an zwei Tagen noch früher beginne (wenn Nikolai bei Papa schläft) bis zum frühen Abend arbeite und dafür an drei Tagen die Woche so gehe, dass ich Niki von der Kita abholen kann. Ich muss präsenter sein, sagt die Erzieherin. Und damit hat sie natürlich Recht! Also nehme ich auch dieses zusätzliche Päckchen des Noch-früher-Aufstehens auf mich, selbst wenn das den Feierabend und die Nächte noch mehr abkürzt.

Zu guter Letzt kommt hinzu, dass mir nicht nur Menschen hier folgen, die mich mögen. Auch solche, die mir nichts Gutes wünschen, können meine Texte lesen. Ich war und bin nicht bereit für böse Zungen. Leute, die es womöglich lächerlich finden werden, dass wir es nach der Trennung damals nochmal versuchten und gescheitert sind. Doch es war wichtig, DASS wir es versucht haben. Ich hätte mich sonst stets gefragt, was gewesen wäre, wenn. Wir haben absolut alles an einen Neuanfang gesetzt- und sind doch gescheitert.

Das ist okay. Es ist okay, weil Nikolai ganz sicher unbeschwerter mit getrennten, aber zufriedenen Eltern aufwächst, als mit einem unglücklichen Paar. Ja, gerade in der Bloggerwelt ein unansehnliches Bild: getrennte Eltern. Und das, wo wir so schön zusammen aussahen und so witzig waren…

Ihr bekommt hier von mir IMMER die Wahrheit. Ich hätte mir nichts Schöneres vorstellen können als den Traum der kleinen Familie mit S zu leben! Mit ihm mehr Babies zu bekommen und das Reihenhäuschen zu beziehen. Nächstes Jahr die Rollen zu tauschen. Doch manchmal bleiben Träume unerfüllt, und das aus gutem Grund. Dieses Bild der Kinderpingui-Familie- das sind wir einfach nicht. Egal, wie sehr wir uns das einmal gewünscht haben.

Sicher haben wir beide Fehler gemacht. Doch am Ende war der Grund schlichtweg, dass wir uns in einer Beziehung gegenseitig nicht geben können, was der andere braucht. Unsere Bedürfnisse und auch die Kompromissbereitschaft sind, und das haben wir nun in den letzten 5 Jahren immer wieder erlebt, einfach zu verschieden.

Heute bin ich endlich wieder an einem guten Punkt. Wir beide sind es. Ich habe wirklich allerbeste Menschen in meinem Leben, die mir unglaublich geholfen haben und nicht von meiner Seite weichen. Ich bin wieder glücklich, und es passieren gerade so schöne Sachen in meinem Leben.

S und ich beginnen, uns wieder zu verstehen. Ich sage Nikolai täglich, dass wir Freunde sind. Dass Papa der Stärkste ist, und er gleich ganz viel Spaß mit ihm haben wird. Es ist so wichtig ihm zu zeigen: Wir sind ein gutes Team. Nikolai braucht Stabilität genau wie ich. Und ihm die zu geben, ist wichtiger als alle Unannehmlichkeiten. Etwas Gewohntes zu zerbrechen kann einem das Herz zerreißen, bis hin zum körperlichen Schmerz über den Verlust. Einen langjährigen Weggefährten zu verabschieden ist eine der schlimmsten Veränderungen, die es für mich gibt. Den Menschen, der so viele Höhen und Tiefen mit einem erlebt hat, der dich kennt wie kein anderer. Doch nach dem Sturm und all dem Regen im Kopf folgt die Klarheit. Man beginnt, die Dinge neutraler zu sehen.

Ich verstehe jetzt, dass wir als Freunde weitaus besser sind als als Paar. Dass wir so wirklich für Nikolai da sein können, ohne die Alltagsstreitereien und die Suche nach etwas in der Seele des anderen, das da nicht ist. Es ist okay das zu akzeptieren, sogar wichtig.

Wir sind immer noch Weggefährten, und bleiben es dank Nikolai bis zum Schluss.

Doch das Neue ist trotz allem Schmerz gut für uns. Es musste etwas kaputt gehen, um Platz für etwas Heiles zu schaffen. Das alte Gerüst ist abgerissen, und wir bauen an dem Häuschen unserer Zukunft. Nein, es sind zwei Häuser, in unmittelbarer Nachbarschaft. Erfüllt von Frieden und Zuversicht.

6 Comments

  1. A. Ronstadt sagt:

    Liebe Madline,
    Ich bin nur eine stille Mitleserin und kommentiere höchst selten, aber Ihr habt meinen grössten Respekt dafür, dass Ihr versucht habt es als Paar und als Familie zu schaffen. Scheitern gehört zum Leben dazu aber Ihr habt es wenigstens versucht. Ich bin überzeugt, dass Ihr weiterhin für Euren Fuchs die besten Eltern sein werdet. Alles Weitere wird die Zeit mit sich bringen. Von Herzen alles Liebe und Gute. Anja

  2. Bianca sagt:

    Das sind sehr ehrliche Worte und ich finde es sehr mutig, diese so offen auszusprechen. Das Wichtigste ist euer Sohn und auch für ihn war die zweite Chance auf Mama und Papa zusammen sicher sehr wichtig. Ich finde es bewundernswert, wie ihr zusammen für euren Kleinen da sein wollt. Das bekommen längst nicht alle hin. Ich wünsche euch alles Gute!
    Liebe Grüße Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

  3. Sevcan sagt:

    Wie sehr hatte ich mich für Euch gefreut als ihr wieder zueinander gefunden hattet… genauso macht es mich traurig diese emotionalen Zeilen zu lesen… Ich wünsche Euch weiterhin alles erdenklich Gute für die Zukunft… du bist so eine starke kleine Frau, die auch diesen Abschnitt meistern wird 💕 Liebe Grüße Sevcan

  4. Svenja sagt:

    Liebe Madline,

    es ist wirklich schade und macht mich ein wenig traurig, das Alles zu lesen. Ich hatte mir so sehr eine glückliche Zukunft für euch 3 als Familie gewünscht…
    Dafür gebührt euch und vor allem dir umso mehr Respekt! Du bist so ein tapferes Stehaufmännchen! Wahnsinn, dass du all diese Dinge unter einen Hut bekommst und dabei noch so toll für Niki da bist. Ich wünsche dir nur das Allerbeste für deine Zukunft und alles Glück auf Erden!!! <3
    Schön, dass auch S weiterhin so toll für euren Fuchs sorgt.

    Alles Liebe

  5. Ramona sagt:

    Liebe Madline

    Deine Zeilen rühren mich zu Tränen.

    Zum Einen, weil es mich traurig stimmt, dass eure Liebe nicht für ein Leben in einem Häuschen gereicht hat. Denn ich habe mich so sehr für euch gefreut, habe euch alles Glück der Welt gewünscht. Eure Geschichte war irgendwie das Happy End in dieser oft zu realen Welt, eine Geschichte mit Liebe die Hoffnung schenkt.

    Zu Anderen, weil deine Worte so real und authentisch sind. Du nimmst uns mit in dein Leben und zeigst uns, dass es nicht immer ein Happy End braucht um sein Leben zu leben und glücklich zu werden. Du strahlst soviel Kraft und Mut aus, ordnest die Dinge und packst sie von neuem an.

    Ich wünsche euch ganz viel Zuversicht, Energie, Liebe und Glück, damit ihr weiter an EUREM Leben arbeiten könnt und euer ganz persönliches Happy End findet.

  6. Clara sagt:

    Deine ehrlichen Worte rühren zu Tränen.
    Und ich möchte nicht mehr dazu sagen als „Du schaffst das!“. Du schaffst das, und es wird besser werden.

    Ich wünsche dir viel Glück und eine Zukunft mit Häuschen und wunderschönem Garten, in dem du sitzen und seien Bücher schreiben kannst.

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