Ohne Angst leben.

Angst ist wie Schokolade: im richtigen Maße durchaus gesund.

Angst macht vorsichtig, bewahrt uns oft vor Gefahr und Dummheiten. Man muss es aber, genau wie bei Schokolade, schaffen sie aus der Hand zu geben.

Ich selbst bin ein optimistischer Mensch, doch vor allem in meiner Rolle als Mama ständig von Sorgen, Zweifeln und Ängsten geplagt. Sie alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Zudem bin ich sehr sensibel, wenn man das auch oberflächlich nicht gleich erkennen mag. Kleine Bemerkungen, winzige Zwischenfälle und Fehlerchen können mich in tiefe Sinnkrisen stürzen und lange beschäftigen. In diesem Artikel geht es vorwiegend um Zukunftsängste, ich gehe aber auch auf Beziehungen und Alleinerziehen ein.

So warf mich ein entfernter Kollege erst kürzlich in einen Strudel. Er verteilte die neuen Parkausweise für die Firma und bei mir angekommen sagte er: „Ach, Sie sind ja auch nicht mehr so lange da, ne? Mutterschaftsvertretung, oder?“

„Ja, ähm.. Sechs Monate sind es aber noch. Und dann sehen wir mal, wie es hier für mich weitergeht“, antwortete ich, innerlich tief erschüttert.

Der Mann hatte mir eigentlich nur zeigen wollen, dass er sich mein Gesicht gemerkt hat und wollte mich nicht verunsichern. Doch in meinem Kopf begannen sich sogleich die Rädchen zu drehen! Was, wenn ich hier wirklich nach Vertragsende nicht bleiben kann? Oh Gott, ich muss doch die Uni noch abzahlen! Oh nein, ich will nicht stundenlang am Tag zur Arbeit pendeln. Wir müssen sofort umziehen..!!

Ja. Man merkt, ich neige dazu, Dinge zu überkompensieren und im Kopf durchzudrehen.

Wie durchbricht man diesen Teufelskreis?

Ich muss gestehen: Viel von meinem Optimismus und meiner Zuversicht sind meinem Charakter zuzuschreiben. Schon als Baby war ich glücklich und froh (wie der Mops im Haferstroh). Dennoch wende ich zusätzlich kleine Tricks an, wie ich der Angst nicht die Oberhand lasse

1. Das Gefühl zulassen.

Es geht nicht darum, ein Gefühl abzuwehren. Sondern darum, wie man damit umgeht! Egal, wie tough man in seinem Alltag sein muss, jeder Mensch hat Emotionen. Seien es Schmetterlinge im Bauch, Wut, Euphorie oder eben die Angst. Meine Zukunftssorgen habe ich genau einen Tag lang über mich schwappen lassen. Angst lähmt und verdrängt positiven Antrieb, sodass ablenkende Projekte schwerfallen. Ich weiß! Also schenke ich diesem wichtigen Gefühl einen Moment meiner Aufmerksamkeit.

Das ist natürlich wie immer keine Handlungsanweisung. Dein Charakter kann völlig anders sein als meiner, deine Ängste sich um etwas total anderes drehen. Da braucht man mal mehr, mal weniger Zeit und das ist okay. Doch irgendwann tut es gut auf den Tisch zu hauen und zu sagen: „Und jetzt geh ich raus in die Sonne!“

2. Mit jemandem sprechen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Mir persönlich hilft es immer, mit Mama oder Freunden über meine Gefühle zu sprechen (oder darüber zu schreiben! Wenn du niemanden zum Reden hast, schreib es Dir von der Seele. Hilft wirklich).

3. Frage dich: Ist meine Angst begründet? Und habe ich es in der Hand dagegen anzugehen, oder rollt da etwas Unausweichliches auf mich zu, dem ich mich stellen MUSS?

4. Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.

Wir können leider nicht alles im Leben beeinflussen. Oft hängt unser Schicksal von der Gunst anderer ab, und das ist gerade für kleine Kontrollfreaks wie mich schwer zu ertragen. Sollte da etwas auf dich zukommen, das unvermeidlich ist, sage dir: Danach hab ich es hinter mir.

Also: AKTIVIEREN. Produktiv sein, raus gehen, einen großen heißen Kakao trinken. Gerade beim Thema Zukunftsängste hilft es überhaupt nicht, den Kopf in den Sand zu stecken.

Was kannst du jetzt gerade tun, um in einem Jahr an einem Punkt zu stehen der dir gefällt?

Ich persönlich schlafe gleich viel beruhigter in dem Wissen, wie ein kleiner Hamster für meine Sicherheit zu arbeiten. Selbst wenn da kein kleiner Wutz wäre der mich stets antreibt, ist es ein verdammt gutes Gefühl für sich sorgen zu können.

Angst kann sich natürlich um alles mögliche drehen. Um die Beziehung, die Gesundheit, um andere Menschen. Kannst du sortieren, ob deine Angst begründet ist?

4. Glaube an Dich.

Hand aufs Herz: Mir ist klar, dass ich vom lieben Gott gesegnet wurde. Er gab mir ein freundliches Gesicht, Talent im Malen, Schreiben, in Sprachen und Kommunikation. Mir ist auch klar, dass nicht jeder so viele Geschenke bei der Geburt erhalten hat. Aber ich bin überzeugt, dass in jedem Menschen etwas Besonderes steckt. Was du aus Deinen Gaben macht, ist dir selbst überlassen. Ich habe lange, lange nach meinem Platz im Leben gesucht, und erst mein Überraschungsbaby Nikolai hat die Richtung an der größten Kreuzung auf meinem Lebensweg gewiesen.

Will sagen: Kenne deine Stärken und Schwächen, und arbeite damit. Glaub an dich, sei fleißig und zuversichtlich. Das hat mir bisher immer geholfen und mich an ein wirklich schönes Plätzchen gebracht.

Zugegeben, die meisten Fragen um Rat die mich erreichen, drehen sich um Beziehungen und um das Alleinerziehen. Daher möchte ich auf diese beiden Punkte kurz konkret eingehen.

Die Angst vor dem Alleinsein.

Liebt er mich noch? Hat er eine andere? Wieso interessiert er sich nicht mehr für mich? Woher wusstest du, wann du Schluss machen wolltest?

Das sind nur einige der Fragen, die mich wöchentlich erreichen. Ich sage dann immer als erstes, dass ich die beiden Partner der Beziehung nicht persönlich kenne, nicht beide Seiten der Geschichte gehört habe und deshalb versuche, möglichst neutral zu antworten.

Probleme in der Beziehung verrennen sich ganz schnell in einen Teufelskreis und es gilt, dass einer der beiden Partner diesen Kreis irgendwann durchbrechen muss. Bei S und mir war das so:

  • Er braucht wenig Zweisamkeit und ist viel mit sich und seinem Computer beschäftigt (sei es die Uni, YouTube o.ä.).
  • Das nervte mich so sehr! Ich erwartete, dass er nach Feierabend im Haushalt mithilft, sich auf die kleine Familie freut und abends mit mir einen Film schaut.
  • Dadurch, dass das nie passierte, meckerte ich immer mehr und schob ihn somit noch weiter von mir weg.
  • Er suchte nur noch mehr Einsamkeit und der Teufelskreis begann von vorn.

Ein klassischer und leider weit verbreiteter Fall von Alltagstrott. Bei uns war irgendwann durch meine Unzufriedenheit und S‘ Ignoranz eine solche Kluft entstanden, dass die Trennung der einzige Ausweg war. Wir sprachen oft darüber, aber es änderte sich einfach nichts.

Ich will damit niemandem zur Trennung raten! Ich will damit sagen: Habt keine Angst davor, dass es so kommen KÖNNTE. Jeder gute Mensch verdient einen anderen guten Menschen, der nur das Beste für einen will. Und keinen Partner der die Stimmung drückt, einen kleinmacht und sich nicht um den kleinsten Kompromiss bemüht. Dann lieber allein und zufrieden, als zusammen unglücklich.

Die Angst vor dem Alleinerziehen.

Nein, es ist nicht leicht alleinerziehend zu sein. Ich kann jeden verstehen, der lieber unglücklich mit seinem Partner zusammen bleibt, als zufrieden allein, aber überfordert zu sein. Es IST unkomfortabler, allein mit dem Nachwuchs zu wohnen. Keine Frage!

Aber man schafft es, weil man es für sein(e) Kind(er) tut. Mir gab es einen nie gekannten Aufwind zu wissen, dass es um das Glück meines Babys ging. Ich wollte nicht, dass mein Nikolai mit ewig zankenden Eltern aufwächst, die sich verabscheuen.

Auch da hatte ich natürlich Glück, weil S wirklich ein aktiver Papa ist, der sich immer um die Beziehung zu Niki gekümmert hat. Er nahm ihn beinahe jedes Wochenende, und wir konnten unsere Zeitpläne gut miteinander abgleichen. Ich kenne einige Fälle, in denen die Väter weitaus passiver und abwesender sind (und das tut mir so, so leid!).

Doch Kern meiner Aussage: Egal, wie viele Hürden auf dem Weg zum neuen Nest oder den zweiten Elternteil liegen, du schaffst das. Für dein Kind.

Egal, ob das einen Gang „zum Amt“ erfordert (hab ich auch hinter mir), eine neue Wohnung und das Aufteilen von Besitztümern. Das Leben ist verdammt kurz, und jeder sollte so viel Glück spüren dürfen wie nur irgend möglich!

Alles hat seinen Preis, das stimmt. Es kann kräftezehrend und traurig sein, doch ebenso ein ganz wichtiger Schritt in deinem Leben.

Fazit: Ich bleibe bei meinem Schokoladenvergleich. Angst ist wichtig und kann gut für uns sein. Doch sie sollte kein Dauergast in unserem Zuhause bleiben. Wie auch immer deine Persönlichkeit gestrickt ist, worum auch immer sich deine Angst dreht: Problem objektiv betrachten – Schlachtplan erstellen – aktivieren – ruhiger schlafen.

1 Comment

  1. Cilla Tatjana sagt:

    Den Vergleich mit der Schokolade hast du sehr gut beschrieben .
    Schlimm ist es , wenn man noch dazu ein Kopfmensch ist und aus einem kleinen banalen Satz ein verwirrtes Konstrukt strikt, wo man am Ende selbst nicht net rausfindet und das Tag für Tag.
    So ging es mir seit 14 Jahren und ich dachte , ich komme aus diesem Konstrukt selbst raus . Letztendlich geht es aber nicht, den man braucht jemanden, mit dem man über diese komplizierte Konstrukt aus Angst, sorgen und Zuviele Gedanken sprechen kann.
    Mein Ausweg führt in eine Gruppentherapie , da aus Meiner Angst eine mittelschwere Depression entstanden ist 🙁
    Ich rate jedem , spreche offen über sorgen, Ängste und suche dir Hilfe , wenn du merkst, es geht nicht mehr voran.

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