Nach einem Rückschlag weitermachen.

Nach meiner Erzählung über die Ungerechtigkeit der letzten Woche schrieben mir viele (sehr liebe!) Leser „Ich könnte das nicht einfach so wegstecken.“

Als ich da in dem Beratungsgespräch beim Anwalt saß der mir dazu riet „die Sache nüchtern zu betrachten“, wollte mir für einen kurzen Augenblick auch nicht einfallen, wie ich das ekelhafte Gefühl von Unrecht und den starken Drang abschütteln sollte, die lügende Profiteurin vor Gericht zu zerren wie Erin Brockovich. Doch mal abgesehen davon, dass das sehr teuer wäre und ich dann immer noch bei der Versicherung festsitze die mir in den Rücken gefallen ist: Ich will dieser schändlichen Geschichte keine weiteren bitteren Gedanken mehr schenken.

Auch wenn dieser Vorfall keine der üblichen Alltags- Jammerei ist (so wie Müdigkeit, oder dass der Partner sein Geschirr nicht abwäscht), so will ich dieser Negativität nicht den Platz einräumen, den gute Gedanken und Gefühle stattdessen in meinem Kopf einnehmen könnten.

Ich bin jeden Tag dankbar für

  • mein gesundes, glückliches Kind
  • meinen starken, loyalen Partner der mich liebt
  • meinen lustigen kleinen Hund
  • mein schönes Zuhause
  • den Job, der es mir ermöglicht unabhängig zu sein und für uns zu sorgen
  • den kleinen Kreis des Vertrauens in meinem Leben
  • meine Gesundheit
  • Und ja, mein altes, immer noch fahrendes Auto

Doch im Alltagstrott und bei derlei Ärgernissen vergesse ich schon mal, mir das verdammte Glück ins Gedächtnis zu rufen das ich habe. Wie also nach einem Rückschlag weitermachen, trotz Wut/Enttäuschung/Traurigkeit/Rachegelüsten/Unrecht? Sicherlich ist Optimismus zum Teil dem eigenen Charakter geschuldet. Es gibt Träumer und Realisten, Pessimisten und Optimisten, Pedanten und Menschen die alles locker sehen. Einem Pessimisten wird es schwer fallen, das Gute zu sehen. Einem leidenschaftlichen, feurigen Menschen wird es schwer fallen, nicht an Vergeltung und den Ausdruck der eigenen Gefühle zu denken. So, wie es lieben Kuscheltypen wie mir schwer fällt, nach einem Unfall aus dem Auto zu springen und als allererstes Beweise zu sammeln.

Dennoch die Frage, wie ich das „einfach wegstecken kann“, sei es in der Liebe, im Job oder aktuell ein dummer Streit mit jemand Gemeinem:

Das Gefühl zulassen.

Es nutzt meiner Meinung nach nichts, Gefühle in eine Kiste zu packen und zu unterdrücken. Wenn man wütend ist, ist man wütend. Oder traurig, enttäuscht, fassungslos. Wir sind Menschen und haben Emotionen. Mir tut es dann gut, allein zu sein. Ich bin nach dem Termin beim Anwalt langsam nach Hause spaziert und habe tief durchgeatmet. Zuhause wollte S natürlich wissen, wie das Gespräch gelaufen war. Ich bat darum, noch eine Zeit lang nicht zu reden, weil ich das brauchte.

Runterkommen und ablenken.

Wäre ich gern zu der blöden Kuh hingefahren und hätte wie ein Rohrspatz am Ast gerüttelt? Auf jeden Fall! Würde ich gern das Fenster runterkurbeln wenn ich ihr an der Kita begegne und schimpfen? Klares Ja. Doch zum Glück flaut bei mir die Wutflamme immer schnell ab. Wenige Tage danach wünsche ich ihr zwar aus der Ferne einen Herpes, doch ich würde niemals dem Impuls nachgeben die Haltung zu verlieren. Sicher irgendwo Charakter (danke, Papa!) aber auch meine Art, mich damenhaft zu verhalten. Was würde Bree Van de Kamp tun? Genau. Sich mit sinnvollen, konstruktiven Projekten ablenken und das negative Gefühl in positive Taten umwandeln. Aktuelle Projekte für mich:

  • Mich in meiner Zeit mit Nikolai so intensiv wie möglich mit ihm beschäftigen, und den TV nur im absoluten Notfall einschalten. Farben üben, lesen, spielen, schmusen, spazieren.
  • Buch schreiben.
  • Ernährung nach 80/20 kontrollieren und Sport.
  • Mit S an unserer Beziehung arbeiten.
  • Haushalt führen wie ein General.

–> Da bleibt definitiv keine Zeit für unproduktives „Herumsumpfen“ !

Dinge in die richtige Perspektive rücken.

Ja, die Sache war blöd. Aber die Floskel „Schlimmer geht’s immer“ ist nicht zu verachten. Niemand ist verletzt worden, mein Auto fährt noch. Während die Dame in einem Leben herumsumpft, das ich nicht geschenkt haben möchte, bin ich so zufrieden mit mir und meinem Leben wie nie zuvor. Woanders auf der Welt müssen Menschen hungern, Familien werden auseinander gerissen, Diktatoren machen ihrem Volk das Leben schwer. Und da jammere ich darüber, dass meine Versicherung und jemand, der mir ins Auto gefahren ist, sich unfair verhalten hat.

Dankbarkeit.

Das ist keine Floskel von mir, sondern ein sehr wichtiger Bestandteil meines Alltags. Ich BIN dankbar. Für all das, was der liebe Gott mir geschenkt hat.

Wie immer sind das keine Handlungsanweisungen. Ich maße mir nicht an, Dich, Dein Leben oder Deine Probleme zu kennen und darüber urteilen zu können. Ich möchte lediglich erzählen, was MIR immer und immer wieder hilft weiterzumachen wenn mich jemand (oder auch ich mich selbst!) in den Dreck geschubst hat. Kurz liegen bleiben und bemitleiden – aufstehen – weitermachen.

5 Comments

  1. Carmen sagt:

    Liebe Madline, ich bin da vollkommen bei dir. Man kann sich ewig ärgern und sich damit aufhalten negative ‚Energien‘ zu verbreiten. Der einzigen Person, der es damit wirklich schlecht geht und die davon runtergezogen wird, ist man jedoch selbst bzw. die eigene Familie/ Freunde.
    Ich mag deinen Blog genauso wie er ist. Deine Texte… weil sie eben anders sind. Und immer mitten ins Herz treffen… hab eine tolle Woche. Herzliche Grüße sende ich dir…

  2. Carmen sagt:

    Liebe Madline, ich bin da vollkommen bei dir. Man kann sich ewig ärgern und sich damit aufhalten negative ‚Energien‘ zu verbreiten. Der einzigen Person, der es damit wirklich schlecht geht und die davon runtergezogen wird, ist man jedoch selbst bzw. die eigene Familie/ Freunde.
    Ich mag deinen Blog genauso wie er ist. Deine Texte… weil sie eben anders sind. Und immer mitten ins Herz treffen… hab eine tolle Woche. Herzliche Grüße sende ich dir…

  3. Derya sagt:

    Toll geschrieben, ich bin auch so ein STEH AUF MÄNNCHEN und es hat mich immer sehr weit gebracht. Für unsere Kinder sollten wir besonders so dankbar wie nie sein

  4. Adtrid sagt:

    Hallo meine Liebe, was du schreibst ist so wahr! Ich liebe deine Artikel! Sei froh, das du gesund bist! Das du so ein süsses Kind hast und solch einen tollen Partner! Wie du weisst, sitze ich seit Jahren im Rollstuhl, ich habe immer nur an alle anderen Menschen gedacht, nur nie an mich selbst. Und irgendwann bekommt man die Quittung dafür, doch dann ist es meistens zu spät. Ihr seid so eine wahnsinnig tolle Familie

  5. Jennifer sagt:

    Super schön geschrieben! Versuche das im Alltag genauso zu sehen/anzugehen. Aber vorübergehend muss man Gefühle tatsächlich (kurz) zulassen damit sie sich nicht aufstauen. Und sonst immer wieder an das alltägliche Glück erinnern!

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