Oberflächlichkeit.

Erinnerst du dich an die Folgen in Sex&the City, als die Mädels in L.A. mit den „Tan, fit, happy People“ konfrontiert werden? (Zu deutsch: Gebräunte, fitte, fröhliche Leute). Und als Miranda rasch Einblick hinter die glatte, schöne Kulisse erhält? Falls Du die Serie nicht kennst, hier ein kurzer Exkurs: Die New Yorker Freundinnen stellen bei einem Besuch in Los Angeles schnell fest, dass sie mit ihrem Sarkasmus, fehlender Sonnenbankbräune und ohne Silikonbrüste nicht so recht in die Stadt der Engel passen. Ein Bekannter von Miranda, der früher übergewichtig und unglücklich war, beeindruckt bei einem Treffen auf den ersten Blick mit Top-Figur, gesundem Essen und Zen-mäßiger Laune. Doch bald entdeckt sie, dass der Typ keineswegs geläutert und plötzlich „one of those tan, fit, happy people“ ist. Sondern eine Essstörung entwickelt und sein unzufriedenes Inneres keineswegs abgelegt hat.

Zurück zum Thema: Mich erinnert diese Episode sehr an Instagram und die Bloggerwelt. Die scheinbar perfekte Fassade wohlhabender schöner Menschen mit putzigen Kindern, heißen Ehepartnern und beneidenswertem Besitz. Einige Tage lang habe ich mich sehr darüber geärgert, dass diese App, die mir eine Zeit lang so viel Positives gab, beinahe nichts mehr ist als oberflächliche Schönwettermacherei. Und ich war traurig, dass ich da nicht (mehr) hinein passe. Denn die „lohnenswerten“ Themen auf Instagram sind zumeist nicht die meinen: Fitness, Luxus, süße Kinder, Makeup, Outfits. Ja, ich spreche mal über Essen, zeige kleine Ausflüge und erzähle, wie man mit einem minimalistischen Kleiderschrank jeden Tag gut angezogen sein kann. Doch ich rede ebenso über Themen, die nicht leicht zu konsumieren sind. Über die man nachdenken müsste, und welche dadurch nicht in die rosarote Blogger-Seifenblase passen: Depression, Mom-Guilt, die Arbeit die in einer Beziehung steckt, und was einem ein Kleinkind neben all dem Glück abverlangen kann. 

Und während ich darüber nachdachte einfach alles bleiben zu lassen, weil mich die ganze Oberflächlichkeit so nervt, versuchte ich Empathie für die zahlreichen Liebhaber der Schönwetter-Blogs zu empfinden. 

Auch ich folge einigen davon, wie Amber Fillerup oder Rachel Parcell. Deren Welten liegen fernab von meiner: Sie sind reich, besitzen einen Haufen Zeug, trainieren täglich und wenn man ihnen Glauben schenkt, ist das Muttersein ein Klacks. Wieso folge ich solchen Mädels, obwohl sie so ganz anders sind als ich? 

Weil es ein Stück Urlaub vom Alltag ist. Weil es manchmal Spaß macht und motiviert, sich diese rosarote Welt anzuschauen. 

Und ich denke, so geht es vielen Benutzern der Instagram App. Viele Leute haben keinen Bock, sich näher mit schwereren Themen zu befassen. Sie wollen einfach nette, helle Bilder von lachenden, gut angezogenen Menschen in aufgeräumten Häusern und aufregenden Urlauben sehen. Eben ein Stück Mini-Urlaub im oft tristen, eintönigen Alltag. 

Nein, ich bin nicht so. Ich passe mit all den Gedanken die ich mir mache und dem Weltschmerz nicht in die Seifenblase- obwohl mein Blog die Grundmessage „Mach das beste draus!“ hat. 

Wie also damit umgehen? Ich kann nicht mehr so mitspielen wie vorher. Doch bei einem so großen Organismus gilt das Motto: Change the Player, not the Game. Nein, ich kann mein Kind nicht mehr guten Gewissens zeigen. Und ich fühle mich unwohl angesichts der Gefahr, erneut Opfer von Fotoräubern zu werden. 

Für mich habe ich folgende Entscheidung getroffen: Ich werde mein Instagram in Zukunft so frisch und glatt halten wie möglich. Nikolai möchte ich definitiv nicht mehr zeigen, weil ich es unfair finde ihn zur Grundlage meiner Beliebtheit zu machen und somit den Perversen des Internets auszusetzen #sorrynotsorry Schwere Themen werden nur noch auf dem Blog besprochen. Mir geht es nicht darum, möglichst viele „Follower und Likes“ zu kassieren, weil ich nach wie vor keinen „Werbung/Ad/Kooperation“-Account will. Doch all das Herzblut das in meinen Accounts steckt, soll eben nicht umsonst gewesen sein. Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass eine Foto-App nur dann Sinn macht, wenn man auch anständige Fotos postet. Die Leute wollen nichts von den Gefahren hören, die das mit sich bringt (kaum jemand hat meinen Artikel zu dem Thema gelesen! Ähnlich wie bei der Massentierhaltung. #rosarotewelt). Und nur ein Drittel klickt aufs Herzchen, wenn ich ein Wasserzeichen nutze. 

Die Fotos, die ich in Zukunft poste, muss ich also angstfrei auswählen und mit dem Risiko leben, dass jemand wieder hingehen und sich für mich ausgeben könnte. Mein Kind entziehe ich dieser Gefahr. Und ich werde meine Mühe am Schreiben ab sofort endlich in meinen Roman stecken, an dem ich bereits begonnen habe zu arbeiten. Vielleicht ist die Welt der Literatur eine bessere Plattform für meine Ansichten zu unserer heutigen Welt.

Und wenn ich gar nicht mehr mit der Oberflächlichkeit des Bloggens leben kann, dann wird mein Account stillgelegt. Ich fände das sehr schade, doch habe auch verstanden, dass ich mich entweder anpassen- oder es bleiben lassen muss. 

11 Comments

  1. Diana sagt:

    Liebe Madline, ich sehe Instagram mittlerweile auch mit anderen Augen. Ich hatte mein erstes Negativ-Erlebnis, in dem ein anderer Account mich schlecht machte und über mich her zog und einfach Unwahrheiten bei ihren Followern verbreitete. Ich war echt verletzt und konnte einfach nicht verstehen wie man über eine fremde Person so sprechen konnte. Ich habe mir eine Insta-Auszeit genommen und es tat so gut. Mittlerweile bin ich wieder aktiv aber mit angezogener Handbremse. Ich merke meine Euphorie ist eine andere – ich habe diese schöne Blase platzen lassen und sehe alles nun mit realistischeren Augen. Auch hat sich die Community irgendwie verändert. Wie du sagst: die Likes werden anders vergeben, die Aktivität der anderen des eigenen Account gegenüber ist auch etwas zurück genommener…. irgendwie stecken nicht nur wir scheinbar im Wandel.

    Ich mag dich und deinen Account sehr und genau die Themen, die nicht um den aalglatten Körper und die stylischsten Kinder gehen wecken mein Interesse! ❤️

    Alles Liebe
    Diana alias deijana

  2. Nad sagt:

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Aber bitte hör nicht auf. Du bist beinahe die Einzige, deren Posts ich komplett lese und genauso deine Blogeinträge. Wenn nur die oberflächlichen Instagramer übrig bleiben, wäre es wirklich zu Schade und auch für mich nicht mehr lohnenswert auf dieser Plattform zu bleiben, obwohl ich hauptsächlich nur Mitleserin bin. Ich bin auch eine arbeitende Mama von einem 2-jährigen Sohn und du inspiriert mich jeden Tag!

  3. Levundleo sagt:

    Ein Bikinibild posten und dann über Bilderaub im Internet und über keine likes bei ernsten Themen zu schreiben finde ich ehrlich gesagt sehr irritierend.Mit solchen Bilder bekommts du bestimmt mehr likes,also liegt dir anscheinend sehr viel daran likes zubekommen.Und ist das nicht so,dass gerade freizügige Bilder eher zum Bilderraub führen,das sind so die Fragen,die sich mir stellen bei diesem Post

    • NikiMami sagt:

      Liebe Lev, Danke für dein Feedback und deine Kritik. Offenbar war es die sehr wichtig, dass das gezeigt wird und das ist in Ordnung für mich. Ich verstehe deinen Einwand. Mir war es heute aber sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen meinen Beitrag sehen und informiert sind. Und der Instagram Logarythmus zeigt dem Zuschauer nur Fotos, die denen ähnlich sind die er/sie üblicherweise liked. Das bedeutet, ein Bild wie gestern wird viel weniger Menschen gezeigt und noch weniger beachtet. Wer gehört werden möchte, muss beim Foto-Karussell mitspielen. Das soll aber nicht die neue Art werden meinen Account zu führen! Alles Liebe für Euch.

  4. Caro sagt:

    Das hast du sehr schön geschrieben und ich kann deine Ängste und Sorgen gut nachvollziehen! Wie du sagst, Instagram ist eine gewisse Scheinwelt und ich denk man muss sich immer bewusst machen dasaß Leben der Personen die sich mit viel Besitz, einer tollen Partnerschaft, Kind und Co schmücken auch nicht immer perfekt ist sondern als solches inszeniert wird.
    Ich finde es toll das du so ehrlich und authentisch bist, kein Profil wo alles nur Werbung ist sondern deine eigene Meinung und Ansichten schreibst, auch über Themen die viele erschrecken aber die einfach super wichtig sind. Ich lese gerne deinen Blog und sehe in dem was du schreibst oft meine eigene Meinung wieder. Auch wenn du nicht, wie bestimmt 99,9% aller Nutzer von Instagram diese Scheinwelt hast finde ich hast du so eine tolle Familie mit N und jetzt auch S wieder wo du sehr glücklich drüber sein kannst und ich finde das ist was zählt! Wir müssen uns einfach klarmachen kein Leben ist immer rosig und perfekt. Das du N nicht mehr zeigen möchtest kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hoffe du machst dir nicht zu viele Gedanken über Instagram und Co, das reale Leben ist schließlich das was zählt und ich denke die meisten folgen dir weil du so bist wie du bist, authentisch und sehr sympathisch! 😊❤️

  5. Dalali9806 sagt:

    Du wunderbare und wunderschöne! Der vorangegangene Satz ist es aber nicht, was dich ausmacht! Du bist so viel mehr, weil du mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehst. Den kleinen Wutz nicht irgendwie darstellst sondern offen sagst wie er ist…Mamasein ist nicht immer perfekt und oft wie eine nie endende Prüfung. Ich danke dir…nicht zum 1. Mal für deine Worte. Du wirst den richtigen Weg für dich gehen! 🍀

  6. Natalia sagt:

    Ich bin eine stille Leserin und habe auch deine kritischen Themen sehr gerne gelesen und finde diese toll. Ich lasse aber leider zu wenig Herzen und Kommentare da. Finde deinen Account auf Instagram ganz ganz toll und stalke diesen auch regelmäßig. Ich werde versuchen, in Zukunft dir meine Begeisterung über deine Themen und Bildet viel öfter zu zeigen. Mach weiter so

  7. Svenja sagt:

    Liebe Madline,

    ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.
    Ich persönlich gehöre nicht unbedingt zu der Sorte, die sich nur nette Bilder anschauen möchte. Ich bin eine Zeit lang wirklich vielen dieser Sorte gefolgt, muss aber sagen, dass es mich irgendwann soooo angenervt und gelangweilt hat! In jedem Insta-Neubau steht die gleiche weiße grifflose Küche, jeder Insta- Neuankömmling bekommt ein Kinderzimmer in leichtem Pastell-Rosa oder zartem Blau, verziert mit kleinen goldenen Punkten,dazu weißen Möbeln, einen Joolz oder Bugaboo, usw. und sofort. Mittlerweile könnte ich echt k🤢…
    Dafür liebe ich „kleine“ feine Accounts, wie deinen, Theresas‘, Queens‘ und ähnliche. Herzchen verteile ich eigtl regelmäßig , Kommentare würde ich gerne sehr viel öfter und vor allem ausführlicher schreiben, jedoch fehlt hierfür oft die Zeit 🙁
    Ich mag deine Stories wirklich sehr und ich freue mich stets, wenn du einen neuen Post oder Blogbeitrag schreibst und uns daran teilhaben lässt.
    Vielleich ist es ja nur ein kleines Insta-Stimmungstief, das dich mometan alles Überdenken lässt. Ich hoffe es sehr, denn ich mag deinen Account jenseits von Werbung, stattdessen mit ehrlichen, unverblümten Beiträgen und allem voran deiner tollen Persönlichkeit. Du kannst dich einfach nicht verstellen, man merkt sofort, ob du dich gerade herzlich freust, ein wenig traurig oder nachdenklich bist oder manchmal auch völlig sachlich über Themen sprichst. Danke für dein oui la vie ❤ Mach bitte weiter so!

  8. Isa sagt:

    ××××××
    unterschreibe ich so. Weil ich diese Gedanken kenne.

  9. Kadiriye sagt:

    Ich kann Deine Gedanken und Überlegungen sehr gut verstehen. Ich habe Deine Artikel mit der ’schwierigen Kost‘, wie Du es nennst, gerne gelesen und froh darüber mehr zu lesen und zu sehen als das Oberflächliche.
    Ich gehöre wohl nur zu denen, die nicht immer Zeit finden zu kommentieren oder besser gesagt: ich denke oder dachte, dass eine kleine Meinung wie meine, kein Blog oder grosser Account, gar keine Relevanz hat. Ich finde es grossartig, dass Du auch tiefer schaust. Genau das wünscht man sich doch.

  10. Tatjana sagt:

    Ich bitte dich auch, hör nicht auf weiterzumachen .
    Ich liebe deine Postings und ich liebe deinen Blog .
    Du bringst mich zum Lachen, weinen und zum nachdenken.
    Deine Rezepte machen Spaß nachzulocken und ich liebe deinen mütterlichen und menschlichen Charakter .

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