Lieben, nicht Erwarten.

Eines der größten Probleme zwischen uns Menschen sind die Erwartungen, die wir an die andere Person haben. Sei es, dass wir erwarten der andere möge so handeln wie man selbst. Oder wir meinen das Gegenüber so gut einschätzen zu können, dass wir dessen Verhalten orakeln können.

Dabei machen Erwartungen alles schrecklich kompliziert, vor allem in der Liebe. Werden sie enttäuscht, macht uns das traurig oder gar wütend auf den anderen. Und der/diejenige versteht in dem Moment oft gar nicht, woher das Problem gekommen ist.

Wie die meisten Menschen in einer Liebesbeziehung, so haben auch S und ich das Problem mit den Erwartungen. Hinzu kommt, dass ich Streits und Diskussionen verabscheue und ihnen so lange wie möglich aus dem Weg gehe. Da ich aufgrund dessen oft meinen Mund halte wenn mich Kleinigkeiten nerven, sammeln sich natürlich die Punkte auf der „Wir müssen reden“-Liste. Und: Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Geht ergo nicht, wenn man alles herunterschluckt.

Wie also geht man mit den Erwartungen und persönlichen Unterschieden in einer Beziehung um, OHNE zum ständigen Nörgler zu werden und das Klima zu vergiften? #jawohlichbinharmoniebedürftig

Gerade weil wir ja schon einmal als Paar gescheitert sind, ist es uns sehr wichtig alte Fehler und Verhaltensmuster nicht zu wiederholen. Darum haben Serghei und ich uns viele Gedanken gemacht und geredet. Hier unsere zwei besten Lösungsansätze:

  1. Erwartungen aussprechen, anstatt im Stillen von etwas auszugehen.

Wer seinen Partner noch nicht so gut kennt hilft damit dem anderen, sein Gegenüber besser einzuschätzen. Und wer seine(n) Liebste(n) schon lange an der Seite hat, geht womöglich zu automatisch von einem bestimmten Verhalten aus.

Beispiel > S und ich haben oft folgendes Problem: Ich habe in unserem Haushalt eine bestimmte Ordnung und Routine entwickelt, in die sein Alltag oft unbewusst eingreift. Natürlich habe ich ihm nicht angefangen zu erklären, wie jedes Zimmer sortiert ist. Es führt aber auf meiner Seite zu Unzufriedenheit, wenn nicht mehr alles wie vorher am Platz liegt, wenn er mein Duschhandtuch benutzt oder nicht gründlich genug abwäscht.

Impulsive Reaktion: Ich räume wie ein Eichhörnchen im Sammeltrieb ständig hinter S her und bin genervt. Um Hilfe bitte ich auch nicht, weil er die Aufgaben ja anders erledigen könnte als ich, und mir dann die Kontrolle entgleitet (wie zum Beispiel, wenn zu wenig Waschpulver in der Maschine war und die Kleidung nach nichts duftet). Ich könnte meiner Genervtheit ständig Ausdruck verleihen und nörgeln (Klima-Gift!), oder meine wachsende Überforderung hin mich hinein fressen. Denn ja, ich finde es schon anstrengend, nach Büro- und Kita-Schluss noch mehr Zeit als ohnehin schon im Haushalt zu verbringen.

Vernünftiger:  Aber das ganze Problem entsteht ja nur aus MEINER Erwartung heraus, dass S den Haushalt genauso führt wie ich. Also setzen wir uns zusammen (wie gestern erst) und sprechen darüber. Ich sage ihm, dass ich zu viel Arbeit im Haushalt habe. Dass ich ihn aber aus Kontrollsucht (ja, ich gebe es zu, ich bin Kontroll-süchtig) nicht einbeziehe weil ich befürchte, dass er den Boden schlechter wischt/das Fläschchen falsch zubereitet/nicht die richtigen Dinge einkauft usw.

FAZIT

Ich muss meine Kontrollsucht in den Griff bekommen. Und Kompromisse eingehen. Denn wir sind nicht mehr zu zweit in der Wohnung, sondern zu dritt. Und da soll sich jeder Bewohner wohlfühlen.

2. Erwartungen reduzieren.

Es ist einfach Fakt, dass Menschen unterschiedlich sind. Dass wir eine andere Wahrnehmung derselben Sache haben und oft unbewusst erwarten, der andere betrachte die Welt aus der gleichen Perspektive. Es löst viele kleinen Streitigkeiten, wenn man seine Erwartungen reduziert und vor allem nicht davon ausgeht, dass der andere so handelt wie man selbst es tun würde. Unterschiede sind gut! Sie machen ein funktionierendes Team aus (zumindest bei uns beiden). Wäre S genauso sensibel und vergluckt wie ich, wäre das nicht gut. Und würden wir beide das Leben so auf die leichte Schulter nehmen wie er, ginge unser Projekt Kleine Familie ebenfalls schief. Es ist also gut, dass wir die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Es ist gut, dass sich unser Verhalten und unsere Wahrnehmung ergänzen. Realist und Träumerin, Spaßvogel und Kontrollfreak, Bodenständigkeit und Lebensgenuss.

Es ist vollkommen okay (und irgendwie selbstredend) Dinge wie Aufmerksamkeit, Kompromissbereitschaft und Treue von seinem Partner zu erwarten. Doch die Unterschiede im Charakter und in der Art die Dinge anzugehen, die muss man akzeptieren und darüber reden. Unsere Liebe von früher zerbrach an einer großen Distanz, geschaffen durch ein Meer unausgesprochener Dinge. Und erst wenn man alte Fehler anerkennt, kann man aus ihnen lernen.

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