Durchschlafen.

Unser Nikolai war schon immer ein unruhiger Schläfer, genau wie ich. Es war nie so, dass ich ihn einfach ablegen konnte- schon gar nicht in seinem Bettchen. Viele von Euch wissen, dass er acht Monate lang nur schaukelnd im Maxicosi oder an der Brust einschlafen konnte. Ich habe mich stets nach meinem Baby gerichtet. Weil ich schon vor seiner Geburt davon überzeugt war, dass man so ein kleines Menschlein (vor allem in seinem 1. Lebensjahr) nicht mit Liebe „verwöhnen“ kann, und dass es mich auch ganz sicher nicht „manipuliert“. Bis er knapp zwei Jahre alt war, hat Nikolai mich zwischen drei und fünf Mal jede Nacht geweckt. Ohne Brust, Schnuller und Daumen blieb mir nur das Fläschchen zu seiner Beruhigung, da ich ihn nicht mitten in der Nacht aus seinem Bettchen hole (außer natürlich, er war krank, aufgebracht oder hatte schlecht geträumt).
Kurioserweise schlief unser Wutz am Wochenende bei Papi stets durch. Lag es an einer anderen Raumtemperatur? Daran, dass S dort mit ihm im Zimmer schlief? Ich kann es nicht beantworten. Aber ich möchte Euch gern einige begleitende Worte mit auf den Weg geben, wieso ich denke dass Niki zur Zeit (wer weiß, ob das von Dauer ist!) durchschläft.
1) Ruhe und Geborgenheit.
Als ich noch mit Nikolai zuhause war, hielt ich es für meine Hauptaufgabe für ihn da zu sein- und das hat mich komplett gefordert. „Mutter& Hausfrau“ ist definitiv ein Vollzeitjob, der mir körperlich und seelisch einiges abverlangt. Ich wollte Nikolai von Beginn an ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Dazu gehören für mich körperliche Nähe, genauso wie das Hören auf sein Weinen. Ich habe ihn niemals schreien lassen, auch wenn ich müde war oder ihn nicht verstand. Mein Sohn sollte merken: „Da ist jemand, der mich hört. Mama hält mich fest.“ Keine Frage, man opfert sich für sein Kind auf. Aber ich merke immer wieder: Je ruhiger ich bleibe, desto schneller beruhigt sich auch mein Kind. Versuch daher, tief durchzuatmen. Ich bin auch keine Mutter Teresa, die alles immer lächelnd wuppt. Auch ich habe schon erschöpft geweint, nicht verstanden was Nikolai will und erleichtert geschluchzt als er endlich schlief. Das ist normal! Aber ich wollte kein Schlaftraining an meinem Kind erproben, damit ich selbst meine Ruhe habe.
2) Verlass Dich auf Dein Kind.
Immer wieder merke ich, dass es richtig ist dem Nachwuchs die „Führung“ in manchen Dingen zu überlassen. Sei es beim Abstillen, bei den Zu-Bett-Geh-Zeiten oder hier beim Durchschlafen. Je mehr Ruhe, Ausgeglichenheit und Sicherheit das Kind gewinnt, desto besser geht das alles. Von allein regulierte Nikolai die Schlafenszeiten. Waren es als Säugling 22:00 am Abend, schraubte er sich immer weiter bis auf heute 20:00 herunter. Und auch wenn ich ihn nie nachts habe schreien lassen und immer seinem Ruf nach einem Fläschchen nachkam, hat er vor knapp zwei Monaten von allein nachts durchgeschlafen. Ich habe nicht anders gemacht.
3) Tagesprogramm.
Ich habe immer wieder beobachtet, dass manche Dinge an der Qualität von Nikis Schlaf etwas ändern, und andere nicht. So macht es KEINEN Unterschied, ob er vor dem Schlafengehen fernsieht, badet oder spielt. Vielleicht liegt es daran, dass hier kein TV-Verbot herrscht, dass unseren Sohn die bewegten Bilder NICHT nachts wachhalten. Natürlich wählen wir bedacht die Sendungen aus, die Niki sehen darf (zur Zeit ist es Mama Muh). Aber er schläft genauso ruhig, wenn er um 19:30 noch Couchpotato spielen darf.
Auch frische Luft versus Zuhausebleiben ändert den Schlaf nicht. So gab es Nächte, in denen er nach der Abendrunde mit Flocke super unruhig schlief, und in anderen ganz friedlich. Genauso wie Tage, an denen Kita ist oder Wochenende.

Fazit: Was also macht den Unterschied? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich denke, dass es in jedem Heranwachsen eine Stufe gibt, ab der die Nächte von allein ruhiger werden. SO berichten es mir meine Freundinnen mit älteren Kindern, so erinnern sich meine Eltern. Und auch, dass es eine Charakterfrage ist, wie sehr einen Menschen (egal, wie jung!) der vergangene Tag beschäftigt. Wenn euer Leben grade aufregend und im Umbruch ist, seid ihr- ebenso wie Kleinkinder- nachts entweder besonders erschöpft, oder besonders wach. S kann zum Beispiel mitten in einem abendlichen Streit seelenruhig einschlafen, während ich dann noch stundenlang mit rauchendem Köpfchen wach liege.
-> Ich möchte wie immer mit größtem Bedacht auf die Frage antworten, wie ein Kind endlich durschläft. Ich kenne weder Eure Art der Erziehung, noch Eure Situation. Der Charakter und Alltag Eures Kindes kann sich vollkommen von Nikolai unterscheiden, oder auch nicht. Ich finde es sehr schwierig anderen ins Elternsein reinzureden, und möchte das auch andersherum nicht. Was ich aber jedem mit auf den Weg geben kann der fragt: Ruhe, Zuhören und Vertrauen in Euer Kind. Je ruhiger ihr seid, desto ausgeglichener ist das Kleine. Je mehr ich Nikolai das Gefühl gebe, beschützt und verstanden zu werden, desto besser meistern wir jede denkbare Situation, vom Wutanfall übers Autofahren bis hin zum Schlafen. Das ist vielleicht kein Geheimrezept, aber unser Band wird von dieser Grundlage Tag für Tag gestärkt.

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