Nikolai ist Zwei.

Wow, ich bin zwei Jahre alt! Die vergangenen 12 Monate waren wohl die aufregendsten, lehrreichsten und Achterbahn-ähnlichsten Wochen meines Lebens.Dieses Jahr war für mich so anders als das erste, denn da erinnere ich mich nicht so gut dran. Kann nicht so aufregend gewesen sein.

Kurz vor meiner Taufe im letzten Jahr hat mein Papa mich nur noch am Wochenende besucht. Mama und er haben sich vorher oft traurig gemacht, und nachdem ich allein mit Memi im Schlafzimmer schlief, wurde die Stimmung zuhause viel besser. Mamas Freundinnen waren ganz oft zu Besuch, und sie brauchte auch ein wenig Hilfe. Ganz oft fuhr meine Mama in den Wochen vor Weihnachten weg. Sie hat mir erklärt, dass sie auf dem Weihnachtsmarkt arbeitet, um Geld für uns zu verdienen.

Ich glaube, dass Mama jetzt anders über Geld denkt als früher. Als Papa noch hier gewohnt hat, wollte sie immer ausgehen, in den Urlaub fahren und ganz schnell ein Reihenhaus, obwohl Papa kaum genug verdient hat um Essen und Miete zu bezahlen. 

Silvester war auch neu für mich. Es war ein Wochenende, also schlief ich an dem Abend bei Papa. Er nahm mich nachts aus dem Bett, und wir sahen uns das bunte Feuerwerk in der Stadt an.

Mir war das total recht so, an den Wochentagen meine Mami für mich zuhaben, und am Wochenende meinen Papi. Ich bekam die volle Aufmerksamkeit, und das war cool. Wir haben gekuschelt, gespielt und ich habe gelernt zu klettern. Am liebsten auf den Küchentisch, um da aus dem Fenster zu schauen. Das einzige was mich zunehmend nervte war, dass die beiden mich immer noch nicht verstehen. Ich versuch ja schon, ihnen so deutlich wie möglich meine Anfragen mitzuteilen. Und trotzdem kapieren sie es nicht! Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, wie wütend mich die Erwachsenen manchmal machen. Einmal hat Mama mir ernsthaft eine heile Orange weggenommen, und mir traurige Bruchstücke zurückgegeben! Habt ihr sowas krankes schon mal erlebt?! 

Mama hat sich dann ein Lexikon gekauft, und seitdem klappt das hier besser. Mir wird viel mehr erklärt was passiert, und wieso wir etwas machen. Ich verstehe schließlich schon lange das Geplapper meiner Eltern. Die haben es vor dem Buch nur nicht für nötig befunden, unseren Alltag näher zu erläutern. Auch sehr schön, dass ich inzwischen getröstet werde wenn ich traurig oder frustriert bin. Ich fühle mich besser verstanden. Das mit der Orange hat sie sich seitdem auch nicht nochmal getraut.

Was ist noch neu?

Ich schlafe schon seit Januar in meinem eigenen Zimmer. Zuerst war es nur, weil Mama ganz viel ausgemistet und umgeräumt hat bei uns. „Minimalismus“ nennt sie das. Da hat sie auch mein Bettchen aus ihrem Zimmer in mein eigenes gestellt, um „mehr Platz“ im Schlafraum zu haben. Ich fand das in Ordnung. Bekomme meine gewohnte Einschlafmusik und mein Fläschchen- eigentlich alles wie immer. Wenn ich nachts rief, kam Mama wie immer zu mir. Deshalb hab ich am Wochenende bei Papa auch immer nachts durchgeschlafen. War ja müde davon, Mama wochentags in der Nacht zu unterhalten. Seit einigen Wochen schlafe ich übrigens auch bei ihr durch- hab einfach nicht mehr so viel Hunger nachts. 

Dann schickten sie mich vor einigen Monaten in einen Ort namens Kita. Das hat mir zu Beginn gar nicht gefallen und ich hab viel geweint. Was sollte ich da? Wer waren all die großen und kleinen fremden Menschen? Ich war es gewohnt, Mama stets um mich zu haben und es war sehr befremdlich, dass sie plötzlich beinahe den ganzen Tag weg von mir war. Ich glaube, für Mama war das auch sehr schwer. Aber sie muss arbeiten, damit wir unser Zuhause behalten können. Und damit ich mein Eis, meine Mi und Kartoffeln bekomme. 

Inzwischen klappt das ganz gut. Mama und ich sind zufrieden und immer satt. Ich mag Fernsehen, spiele aber genauso gern mit meinen Autos und Duplo. Und Schwimmen, das finde ich total toll! Gut, dass die das kapiert haben und mich jetzt ganz oft mit ins Schwimmbad nehmen. 

Und das Neuste: Papa ist zurück! Seit ein paar Wochen ist er ganz schön oft hier. Das hat am Anfang vielleicht genervt! Ich seh meine Mama doch schon selten genug. Da kann ich es echt nicht brauchen wenn sie von Papa abgelenkt wird. Habe mal wieder versucht, mit denen zu kommunizieren und die Haustür aufgemacht. Hab dem Papa gewunken und Tschüs gesagt. Das war ja wohl deutliche genug, oder? Denkt ihr, die haben das kapiert? Nein! Papa ist immer geblieben, sogar irgendwann ÜBER NACHT. Gut, dass ich jetzt durchschlafe, dann muss mich das wenigstens da nicht beschäftigen.

Jedenfalls sind sie dabei geblieben. Papa kommt jetzt ganz oft hier her, und es scheint ihnen gut zu gehen. Ist ja ok für mich, solange das Baby weiter der Mittelpunkt ist! Ich setze mich am liebsten dazwischen, oder hole Mama aus der Küche damit sie mit uns spielt. Es ist jetzt richtig schön, wenn wir zusammen sind. Wir toben im Bett, malen, bauen Duplohäuser, gehen spazieren, schwimmen und Fahrrad fahren. Das ist auch so eine Sache, die ich inzwischen super finde, wenn Mama mich auf dem Fahrrad mitnimmt. Es gibt so viel zu sehen: Felder, Pferde, Kühe, Autos. 

Meine Vorsätze für mein drittes Lebensjahr? Vielleicht fang ich bald mal an, mit ihnen zu sprechen. Würde die Dinge zwischen uns ja erheblich vereinfachen. Und ich möchte lernen Dreirad zu fahren. Das sieht aus, als würde es wirklich Spaß machen. Ich liebe meine Familie. Auf Bald, Euer Nikolai!

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