Qualität für kleines Geld.

Die Begriffe Minimalismus und Nachhaltigkeit stoßen in meiner Umgebung vorwiegend auf neugierige Skepsis, bis hin zum Belächeln. Der Großteil meiner Freunde und Kollegen achtet weder auf die Menge an Müll die sie tagtäglich produzieren, noch darauf, ihren Konsum von Nahrung, Kleidung und Unterhaltungsartikeln zu überdenken.

Ja, manchmal fühle ich mich wie ein kleiner Don Quichote, der gegen Windmühlen kämpft und für die anderen der spleenige Geselle ist.

Und auch ich stehe manchmal mit meinem Konzept vor einer Hürde: dem lieben Geld. Ich habe bereits über meinen durchdachten Kleiderschrank gesprochen. Dass sich nicht besonders viel Kleidung darin befindet, und ich jedes Stück tatsächlich wöchentlich benutze (oder in der kommenden Saison definitiv brauchen werde).

Nun verhält es sich so, dass für die Übergangs-Jahreszeiten wie Frühling und Herbst tatsächlich kaum etwas Nützliches vorhanden ist. T-Shirts sind dann zu kühl, und ich kann zur Zeit genau zwischen zwei langärmligen Blusen wählen: eine weiße, und eine etwas zu große babyblaue. Das stellt dann auch mich doch vor ein kleines Problem. Denn auch wenn im Büro niemand weiß, dass ich die immer selbe weiße Bluse trage, möchte ich doch selbst ein wenig Abwechslung im Alltag. Da wären dann noch meine fünf Pullover. Aber die sind eigentlich nicht dazu geeignet in einen meiner zwei Büroröcke gestopft zu werden, und kombiniert zu den zwei bürotauglichen Hosen ist mir das für die Arbeit zu leger.

Was macht der gewiefte Minimalist in so einer Situation? Er kauft wenige, hochwertige Kleidungsstücke dazu, die ihn/sie vorzugsweise in den nächsten drei bis fünf Jahren begleiten. In meinem Fall wären das unifarbene, leichte Pullover oder zwei schöne neue Blusen von guter Qualität. Wieso ich letzteres so betone? Weil es gegen das Prinzip der Nachhaltigkeit und des bewussten Konsums spricht, zum Kleidungsdiscounter um die Ecke zu rennen und 10-€-Polyester in den Einkaufskorb zu knuddeln. Die billig produzierte und oft schlecht verarbeitete Massenkleidung ist oft nach wenigen Wäschen hinüber, fördert das Schwitzen und sieht oft auch nicht lange schön aus.

Aber: Mir fehlt zur Zeit das Geld für ein zünftiges, nachhaltiges Garderoben-Update. So geht es vielen anderen Menschen auch, und bei einem großen Teil ist das nicht bloß eine Phase wie bei mir, während ich mein Studium abstottere.

Was kann man also tun, wenn tatsächlich mal passende Kleidung für den Alltag fehlt und man dennoch (zumindest irgendwie!) bewusst und nachhaltig kaufen möchte?

Ich finde in dem Fall Second Hand Mode klasse und bin großer Fan der Seite „rebelle.com“. Dort kann man günstige, hochwertige Second-Hand-Mode finden, die noch lange halten und zu einem Bruchteil des Originalpreises verkauft wird. Mich persönlich stört es nicht, dass schon vorher jemand anders das Kleidungsstück getragen hat (und der Zustand der Kleidung ist immer gleich mit angegeben). In meiner Situation habe ich auch keine große Wahl, und ich finde das Prinzip toll. Anstatt für 40€ einen Blazer vom Mode-Discounter zu kaufen (der sehr wahrscheinlich rasch aus der Form gehen wird) kann ich Second Hand zum selben Preis ein tolles Stück erwerben, das klasse vernäht und aus einem hochwertigen Stoff ist.

Bin ich also anti-H&M, anti-Zara, anti-zalando? Nein! Natürlich nicht. Erst kürzlich habe ich für Nikolai etwas bei H&M bestellt, weil der aus seiner letzten Herbstjacke herausgewachsen ist. Und getragene Kleinkinder-Kleidung sieht ja tatsächlich zumeist auch getragen aus. Zum Toben absolut okay! Ich freue mich immer total, wenn meine Freundin mir getragene Kleidung ihres Sohnes überlässt. Aber ich würde gern auch einiges von Nikolais Kleidungsstücken aufbewahren, damit seine zukünftigen Geschwister sie nutzen können. Daher schaffen wir zur neuen Saison stets auch einige neue Stücke wie Jacken und gute Schuhe an (bei der Qualität von Schuhen kenne ich keinen Spaß!).

Ja, in meiner akuten Kleidungs-„Not“ habe ich mir auch eine günstige Bluse mit bestellt, einfach weil das Blumenmuster so schön und der Stoff in Ordnung war. Ich fühle mich ein bisschen mies wenn ich sie trage, weil ich dieses System weniger unterstützen möchte. Doch wenn ich darüber nachdenke, woher unsere Basics stammen, bekenne auch ich mich der Sparfüchsigkeit schuldig. Und mal ehrlich: Unterwäsche und Socken kaufe ich natürlich NICHT Second Hand, weder für mich noch für Nikolai. Wollsocken hasse ich, Selbermachen wird da also schwierig. So stammen meine Unterkleider ebenfalls von Hunkemöller, wie beim Großteil der deutschen Mädels. Deren Socken, BHs , Schlafanzüge und Höschen sind nun mal erschwinglich, und halten ein bis zwei Jahre. Bodies, Pyjamas und Socken für Niki? H&M oder next. Er wächst rasch heraus, macht immer mehr Sachen beim Spielen kaputt. Da lohnt sich bei unserem Budget kaum Steiff-Ralph-Lauren-Hilfiger Kleidung. Mal „für Gut“, okay. Aber zu unserem Alltag passt das nicht.

Es ist also nicht immer leicht, mit kleinem Geldbeutel dem Minimalismus gerecht zu werden. Und das muss ich ja auch nicht. Ich übertrage einfach so vieles von diesem Lebensstil auf unseren Alltag, wie es mir möglich ist.

Und die Lösung für bewussten Konsum mit kleinem Geldbeutel ist (zumindest für mich) Second Hand Ware. Outlets, Webseiten, Flohmärkte, Tauschen mit Freundinnen. So schnell werde ich mir keine günstige Bluse mehr kaufen! Während es bei Unterwäsche, Pyjamas und Socken vorerst bei günstigen Anbietern bleiben wird, lege ich bei meinen Schuhen, Blazern, Röcken, Pullovern, Jacken und Blusen doch Wert auf Qualität. Und bei Engpässen wie jetzt: lieber getragen, dafür gut (außer bei Schuhen!), als billig verarbeitet und rasch kaputt. Ich kaufe selten Muster oder knallige Farben, sodass alles leger elegant und vielfach kombinierbar bleibt. Bei Nikolais Kleidung, auch wenn sie mal aus Massenmodehäusern stammt, achte ich auf einen 100-prozentigen Baumwollanteil und vernünftige Schuhe. Die sind nicht günstig, aber die kleinen Füßchen brauchen vernünftigen Halt. Und da kann man auf Baby-Flohmärkten, in Outlets oder zum Beispiel bei „kleiderkreisel“ tolle Schnäppchen machen, ohne 80€ aufwärts für Schuhe zu zahlen, die die Zwerge nur eine Saison lang tragen.

Was Dir mein Artikel sagen soll: Minimalisten leben nicht automatisch günstiger. Sie besitzen zwar weitaus weniger als der Durchschnittsbürger, aber dafür soll der kleine Besitz auch lange halten. Und wie das auch mit kleinem Budget geht, wollte ich Dir erzählen. Das fördert nämlich Nachhaltigkeit- und einen aufgeräumten Kleiderschrank 🙂

 

[Keine der hier genannten Firmen oder Webseiten hat diesen Artikel gesponsert. Lediglich die ehrliche Meinung einer Mutter, die sich manchmal zu viele Gedanken macht.]

 

2 Comments

  1. Julia sagt:

    Der Beitag ist super! Bin genau deiner Meinung. Toll, wie du das umsetzt 🙂

  2. Sweetana sagt:

    Ich finde deine Einstellung super.👍🏻 bzw. ich bewundere dich, dass du es als ,,immer gut gekleidete Frau“schaffst, in der City an den ganzen Geschäften vorbei zu laufen und nichts für Dich kaufst. Ich habe einen 3 Jährigen Sohn für den ich Anziehsachen kaufe und wenn ich dann etwas für mich ,,entdecke“ schnappe ich meistens zu🙈
    Klar, wäre ich jetzt auch allein erziehend, würde ich bestimmt mehr auf das liebe Geld achten. Aber oft ist es so, dass ich mir dann auch etwas für mich kaufe und gar nicht so drüber nachdenke ob ich das jetzt wirklich brauche , oder ob es mir einfach nur gefällt. Mir gefällt deine Denkweise, dass es besser ist ein paar gute Teile im Schrank zu haben, als produzierte Massenware die nach paar Wäschen eh nicht mehr schön aussehen.. nur ich bin halt der Typ der immer gerne was anderes anzieht. Ich wechsle gerne meine Outfits, nicht nur anders kombiniert mit einer Bluse..Welche Marken kannst du wirklich empfehlen, z.b. Für Pullis oder Strickjacken? Wo man wirklich merkt, dass sich der höhere Preis gelohnt hat? Hosen kaufe ich mir meistens eh nur von LTB oder G-Star…

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