Niki und der Fernseher.

Hand aufs Herz: Ich liebe es fernzusehen! Netflix und Prime begleiteten uns schon durch ruhige Momente der Schwangerschaft und leisteten mir „Gesellschaft“, als ich mit Baby Nikolai Tag um Tag allein zuhause und depressiv war. Ich liebe Serien, gute Filme und freue mich, nach Feierabend mit meinem Essen auf dem Sofa zu landen.

Immer wieder steht es in der Diskussion- und auch in der Kritik- Kinder fernsehen zu lassen. Als meine Schwester und ich noch klein waren, gab es sehr strenge Abendrituale: um 18:00 durften wir eine halbe Stunde fernsehen, um 19:00 ging es (Sommer wie Winter) ins Bett. Mehr TV gab es nicht, und das war unter der Woche auch okay. Wir waren in der Schule, und hatten die jeweils andere zum Barbiespielen. Aber wenn uns dann der Papa am Wochenende zu sich nach Düsseldorf abholte, saßen wir beinahe ausschließlich vor dem Flimmerkasten. Wir schauten alle Kinderserien die es gab, von den Kangoos über Power Rangers, Blinky Bill und auch den King of Queens. Fuhren wir im Sommer mit Papa in seine Heimat Kroatien, stellte die Familie die Satellitenschüssel schon auf uns ein. Natürlich verbrachten wir einen Großteil des Tages mit den Barbies am Strand, aber morgens, wenn Papa, sein Bruder und dessen Frau ausschlafen wollten, saßen meine Schwester und ich mit einer Schale Knuspermüsli vor dem Fernseher.

Das beschäftigte uns, und ließ den Erwachsenen ihre Zeit. Ich habe dennoch meinen Schul- und Uni-Abschluss geschafft, und weiß mich auch ohne TV sehr gut zu beschäftigen.

Will heißen: Ich habe Nikolai das Fernsehen nie verboten, seit er daran Interesse gezeigt hat (ca. mit einem Jahr). Und dadurch, dass es kein mystisches Gerät an der Wand ist, übt die Mattscheibe auch keine starke Faszination auf ihn aus.

Ja, ihr seht ihn des Öfteren in meinen Stories vor der „Biene“ (Honigkomplott) oder den „Wau Waus“ (Paw Patrol) sitzen. Aber nach höchstens einer halben Stunde verliert N die Lust daran, und geht von ganz allein zu seinen Duplos, Autos oder folgt mir ins Bad, um zu beobachten was Mama da macht. Ich halte das mit dem Fernsehen so, wie mit vielen anderen Dingen des Alltags auch: Was ich meinem Kind vorlebe, darf ich ihm nicht verbieten. Andersherum finde ich auch, dass man „ungesunde Angewohnheiten“ nicht vor Augen seines Sprösslings ausüben sollte. Bei mir sind das eine Handvoll Lakritz oder Chips, bei anderen womöglich ein Glas Wein oder eine Zigarette. Ist doch klar, dass die kleinen Menschen sich das von ihren Eltern abschauen! Und das möchte ich vermeiden. Ich kann Nikolai nicht abverlangen, keine Süßigkeiten/ Pommes/ Pizza zu essen, wenn ich so etwas vor ihm in mich hineinstopfen würde (und natürlich darf auch der Wutz einmal die Woche ein Händchen voll Chips oder einige Kekse schnabulieren).

Wie lang schaut Nikolai also am Tag fern? Ich würde sagen, insgesamt ist es eine Stunde, aufgeteilt in morgens und abends. Bei schlechtem Wetter am Wochenende sicher auch mal mehr, wenn man wirklich den ganzen Tag daheim verbringt. Dagegen passiert es bei so schönem Wetter wie in den letzten Tagen fast nie nach der Kita, denn da sind wir draußen unterwegs.

Niki hat auch noch nie nach dem Fernseher gejammert, gemeckert wenn ich ihn ausschalte oder spielt dadurch weniger. Ich führe auch das darauf zurück, dass es kein „Bonbon“ oder eine Besonderheit ist, sondern Normalität.

Mir verschafft das morgens zur „Rush Hour“ einfach mehr Zeit und Ruhe, während Niki eine Folge Mascha oder die Paw Patrol schaut. Er hat noch nie schlechter geschlafen, und, vielleicht auch wichtig zu erwähnen, wir haben kein Free TV. Hier läuft nie eine Gerichtsshow/Big Brother/Alarm für Cobra 11 und Konsorten. Schon beim Einzug in die Wohnung haben wir nie ein Kabel zum Empfang des leider immer schlechteren Fernsehprogramms verlegt. So habe ich auch die Kontrolle über das, was Nikolai sich anschaut. Er kann nicht zappen und auf verstörenden Bildern landen.

Zusammengefasst: Niki sieht gern fern, und finde ich ok. Es beschäftigt ihn, während ich anderweitig beschäftigt bin, aber schneidet ihn weder von der Außenwelt ab, noch verstört es. Mich und meine Schwester hat es nicht dümmer gemacht, und wir können uns auch ganz wunderbar ohne Flimmerkasten bespaßen. Der TV ist einfach ein Gebrauchsgegenstand, der uns beiden ohne Verbot (und daher auch ohne besondere Faszination/Streit) zur Verfügung steht.

Natürlich wird sich mit wachsendem Nikolai auch dieses Verhältnis ändern, und wir werden auch über TV-Zeiten streiten. Aber bevor hier Diskussionen über Smartphones für Grundschüler und Playstations geführt werden, vergeht hoffentlich noch ein wenig Zeit.

2 Comments

  1. Flunkeblunk sagt:

    Ein super Beitrag:-)
    Finde es auch total in Ordnung die Würmchen mal 30 min bis 1 Std. über den Tag verteilt ausgewählte Sendungen sehen zu lassen.
    Handhabe ich ähnlich und von strikten Verboten diesbezüglich halte ich nichts.

  2. Bianca sagt:

    Ich finde deine Einstellung dazu super und mache das ganz genauso. Gerade am frühen Morgen ist der Fernseher auch eine gute Hilfe für gestresste Mütter. Mein Sohn darf auch fernsehen. Wir machen allerdings fast immer Disneyfilme an, die wir aufgenommen haben. Da weiß ich aus meiner eigenen Kindheit, dass sie toll sind und vor allem weiß ich dann auch, was mein Sohn anschaut.
    Viele Grüße Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

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