Kein Neid.

Neid.

Genau wie Eifersucht ist es eine der Emotionen, die häufig ungewollt (wie auch unweigerlich) an die Oberfläche blubbern und dort hässliche Spuren hinterlassen. Aber wir sind alle nur Menschen, und der Impuls liegt in unserer Natur. Es kommt nur darauf an, wie man selbst mit Neid umgeht, und ihm entweder erliegt oder ihn erlegt. Immer wieder begegnen uns Menschen die neidisch sind, und ihre Unzufriedenheit auf die Umwelt übertragen. Neid auf das Hab und Gut des Nachbarn. Auf Job/ Beziehung/ Singleleben/ Figur/ Frisur/ Auto/ Alltag eines anderen. Und, wo wir uns hier auf einer sozialen Plattform befinden: immer wieder Neid auf Follower/ Likes/ Leser/ Kooperationen anderer Blogger.

Mit Neid ist es wie mit der Eifersucht oder Alkohol: Ein bisschen davon schadet nicht. Ein bisschen Eifersucht zeigt uns und dem anderen, wie wichtig er/sie für uns ist. Solange sie nicht ausartet und krankhaft wird, macht uns dieses Gefühl vorsichtig und wachsam. Genauso kann ein bisschen Alkohol entspannen und fröhlich machen, während zu viel davon schwächt und die Sinne raubt.

Dieses Verhältnis sehe ich auch beim Neid. Dessen (einzige) Rechtfertigung liegt für mich darin, uns anzuspornen.

Ich verstehe, dass man nicht sofort alles in seinem Leben auf das Level des Nachbarn hochschrauben kann, auf dessen vermeintlich grünere Wiese man blickt. Nur weil einen sein tolles Haus/ Auto/ Job etc. motivieren, kann man noch lange nicht gleich morgen genauso leben. Vielleicht hat er einen höheren Abschluss, eine reiche Familie oder gute Beziehungen, die ihm/ihr zur beruflichen Position verholfen haben. Aber was wir selbst tun können ist, stets das Beste aus uns selbst herauszuholen. Aus der eigenen Intelligenz, den eigenen Talenten. Wer am Ende des Tages von sich weiß, der beste Mensch zu sein der man sein kann (oder das eben konsequent versucht), wird aufhören neidisch auf Nachbars Wiese zu schielen.

Fleiß, Konsequenz und ein reines Herz sind die Grundlage für die eigene Zufriedenheit. Anstatt ständig nach dem zu schauen und (oft vergeblich) zu streben was die anderen haben: Mach Dein eigenes Ding!

Bemühe Dich in deinem Job, und fall dort positiv auf. Hasst du deinen Beruf, plane sorgfältig eine Veränderung und trau dich, zumindest Deine Fühler nach etwas Neuem auszustrecken. Niemand kann in einem Bereich sein Bestes geben, wenn man jeden Tag verabscheut den man dort verbringt. Ich weiß, dass es offene Stellen nicht gibt wie Sand am Meer! Und, dass Miete und Rechnungen sich nicht von Träumen bezahlen lassen. Aber gutes, motiviertes Personal findet sich heutzutage ebenfalls nicht an jeder Ecke.

Bist du unglücklich mit Deiner Figur, ändere etwas daran. Was bringt es, die attraktive Kollegin/Nachbarin/Bekannte zu hassen, während du eine Packung Milka-Herzen verdrückst? Wird davon dein Bauch straffer, dein Kopf freier? Nein! Nehme ich in einer stressigen Woche mal wieder ein Pfündchen zu, fahre ich halt danach mehr Fahrrad und ernähre mich gesund (anstatt hasserfüllt Victoria’s Secret-Models anzustarren). Ja, das kostet Zeit und Muße. Aber zumindest zu meiner Selbstzufriedenheit gehören auch regelmäßige Beauty-Rituale: Glätten, Radeln, Zupfen, Rasieren, Kalorienzählen, Mani-/Pediküren, Schminken, Zähne-Bleachen, Cremen etc. Das nervt an so manchem Tag wirklich, und ich kann mich auch nicht immer dazu aufraffen! Doch wenn ich mich in meiner Haut wohl fühle, BIN ich zufriedener. Und das geht sicherlich den meisten Menschen ähnlich.

Ein weiteres Beispiel, über das ich leider oft stolpere: Wieso ist es Menschen ein Ärgernis, dass Blogger(in) XY mehr Follower, Likes und Leser hat? Gibt einem das mit dem eigenen Blog ein mieses Gefühl? Es kann doch auch Ansporn sein, jeden Tag sein Bestes zu geben. Gerade das Bloggen ist (ursprünglich) ein soziales Netzwerk. Ein Gebilde der unterschiedlichsten, kreativen Menschen, die ihre Botschaft hinaus in die Welt tragen. Da kann man sich unterstützen und kommunizieren, statt zu lästern und zu trachten. Ist doch EGAL, ob jemand, dessen Texte/Fotos/Videos Du persönlich nicht gut findest, eine größere Plattform hat als Du, oder sogar sein Geld damit verdient. Dann verfolge diese Person einfach nicht. So jedenfalls praktiziere ich es. Bin ja auch keine Mutter Theresa, die alles toll findet was die Menschheit im Internet hochlädt. Doch: leben, und leben lassen. Geht sicher genügend Menschen auch so mit MEINEN Inhalten, und von denen will ich auch nicht angefeindet werden. Ich stehe stattdessen hinter meinem eigenen kreativen Werk und ja, ich bin stolz darauf! Für mich steht die Kommunikation auf meinen Kanälen im Vordergrund. Es macht so viel mehr Spaß mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, als permanent nach rechts und links zu blicken. Viel lieber treffe ich auf Menschen, die angeregt mit mir über Attachment Parenting, Minimalismus etc. plaudern, als Taktiken zum „Wachstum“ meiner Seite auszuarbeiten. Das sollte nicht das Ziel sein! Ein eigener Blog ist wie eine eigene Zeitung. Es geht (mir) darum, eine Botschaft in die Welt zu tragen, und qualitativ hochwertige Inhalte zu produzieren. Sachlichkeit, d.h. Meinungen niemals persönlich anzugreifen. Mich nicht über andere zu stellen und Fakten zu recherchieren. Klar ist es toll, wenn immer mehr Menschen meine Zeitung lesen. Wenn Werbepartner auf einen zukommen und man für etablierte Blogs wie die „eltern“ schreiben darf. Aber für mich geht Authentizität vor Profit, und die Zufriedenheit mit mir selbst vor Neid auf Kollegen.

Genauso halte ich es auch in den anderen Bereichen des Lebens. Klar würde ich gern einen neuen Pullover für den Herbst kaufen, oder meine kaputten Fellstiefel ersetzen. Aber es geht nicht, weil Nikolai neue Winterschuhe braucht und ich (noch anderthalb Jahre lang) mein Studium abbezahlen muss. Das macht mich keineswegs neidisch auf die Freundinnen, die das können. Wer sagt denn, dass die glücklicher sind als ich? Ich bin nicht neidisch auf Leute, die mehr verdienen oder von Haus aus mehr haben. Kleine Habe, kleine Sorgen, große Habe, große Sorgen. Ich bin vielmehr stolz darauf, für uns aufkommen UND mein Studium ganz allein abarbeiten zu können. Wisst ihr, was DAS für ein gutes Gefühl ist? Und wie ich mich erst freue, wenn meine Schulden getilgt sind und der Sparstrumpf wieder gefüllt ist!

Es gibt für mich keinen Grund, nach irgendetwas zu trachten das meine Mitmenschen haben. Denn innerhalb meiner realistischen Grenzen kann ich selbst noch so vieles auf die Beine stellen.

Natürlich ist mir dabei klar, dass es mir sicher besser geht als vielen anderen Menschen. Aber ich habe mich auch angestrengt, um es hierher zu schaffen. Wenn auch das Studium oft nebenher lief (was ich heute bereue), so hat mir das- sowie meine breit gefächerte berufliche Erfahrung aus Studentenjobs- meine jetzige Stelle eingebracht. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, Plan B und C geschmiedet- und dann stimmte das Timing. Fleiß plus Glück gleich Erfolg (Ja, auch das leider nicht bei jedem. „Glück“ ist auf jeden Fall ein gewichtiger Faktor).

Was ich abschließend und zusammenfassend sagen möchte: Es ist sicherlich eine Glückskeks-Weisheit, dass absolut jeder absolut alles sein kann, was er will. Das ist schlicht und einfach nicht möglich. Aber aus der Situation heraus, in der Du steckst, solltest du stets versuchen, das Beste zu machen. Dazu gehören ein möglichst objektives Selbstbild, Fleiß und Zuversicht. Und frage Dich bei der nächsten Neid-Attacke: Wieso macht mich das neidisch? Hat diese Person es tatsächlich „nicht verdient“? Strenge ich mich wirklich so sehr an, wie mir das möglich ist? Macht mich das gerade wütend, weil mir dieser Mensch unbewusst das Gefühl vermittelt unzulänglich zu sein? Kann ich vielleicht etwas aus ihrem/seinem Erfolg für mich mitnehmen?

Selbstzufriedenheit. Wir stehen uns nur selbst im Weg, diese zu erreichen. Geh Dir aus dem Weg, und schmeiß den Neid über Bord. Du brauchst ihn nicht, denn Du hast DICH. Und das ist gut so.

 

1 Comment

  1. Tatjana sagt:

    Einfach toll geschrieben.
    Ich liebe echt deinem Blog und auch wenn ich mich nicht mit allen Themen identifizieren kann, so schreibst du einem aus der Seele

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.