Leiden wie ein Tier.

Antworte spontan auf diese Frage:“Konsumierst du viele tierische Produkte?“ Vor einigen Jahren hätte ich selbst definitv „Ja“ sagen müssen. Zu meiner Single- und Studentenzeit habe ich zwar auch auf Kalorien geachtet- aber nicht darauf, wo mein Essen herkommt. Auch während meiner Trainingszeiten gab es Huhn, Quark, Jogurt, Eier… eben die typischen Sportler-Gerichte mit hohem Proteingehalt.

Es ist schön, in der Coca-Cola-Welt zu leben. In einer unwissenden, sorglosen Blase, in der die Werbung uns nie etwas Ungesundes verkauft. Eine Welt, in der Steak und Milch von Weiderindern, und die köstliche Hühnchenbrust von glücklichen Hühnern kommt, genau wie das Frühstücksei. Brotaufstrich, der „das Beste aus der Milch“ enthält und Babynahrung die so Bio ist, dass man sie einem Säugling gleich nach der Geburt geben kann. Und natürlich stecken in Frühstücksflocken Getreidekörner, die von einem idyllischen Feld unter blauem Himmel stammen.

Leider sind diese Bilder heutzutage vor allem eines: Traum einer längst vergessenen Zeit. Selbst wenn man nur knapp unter die Oberfläche der Nahrungsmittel-Industrie schaut, verändert sich dieses idyllische Bild. Nicht nur genmanipulierter Mais, Weizen oder Reis, deren Konsum unerforschte Auswirkungen auf unser Immunsystem hat. Zur Zeit treibt mich vor allem das um, was ich in den letzten Wochen über Massentierhaltung und -Produktion gelernt habe.

1) Womit füttern wir unser Steak?

Ein DRITTEL des weltweiten Getreideanbaus gilt der Fütterung all der armen Tiere die, zusammengepfercht, gemästet und unglücklich, ein kurzes Dasein fristen um dann für kleines Geld auf unseren Tellern zu landen. In Afrika, wo die Menschen Land bräuchten um für den Eigenbedarf Gemüse anzubauen, werden Millionen Felder bestellt um Futter für die Massen an Hühnern, Schweinen und Rindern zu produzieren. Würden WIR also weniger Fleisch essen, könnten mehr arme Menschen dem Hunger entkommen. Die Qualität des Fleisches wäre besser, und die Auswirkungen des Konsums auf unser Immunsystem wahrscheinlich nicht mehr verheerend.

2) Wo kommt unser Fleisch her?

„In der Massentierhaltung leben und sterben allein in Deutschland etwa 753 Mio. Tiere.“

Also mich macht dieser Satz tieftraurig und entsetzt. Ist es wirklich notwendig, dass ein einziger Mensch pro Jahr im Schnitt 60 Kilo Fleisch konsumiert?!

Das meiste Fleisch, egal von welchem Tier, stammt heutzutage aus Massentierhaltung. Es ist von Medikamenten und dem Urin des verängstigten Tieres durchtränkt. Und das Schlimmste: Den meisten Menschen ist das egal. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, Aus den Augen aus dem Sinn.

Ich finde es ethisch nicht vertretbar, sich keine Gedanken darüber zu machen wo unser Essen herkommt. Selbst wen das Leiden der Tiere nicht interessiert, der sollte sich doch bewusst sein, was in Mund und Magen landet!

Das bedeutet: Hühner, denen man das Sättigungsgefühl abgezüchtet hat. Die innerhalb von 4 Wochen so rasant wachsen, dass man sie danach gleich schlachten kann (wie gesund soll dieses Fleisch sein?).

Arme, intelligente Schweine, die gerade einmal 6 Monate leben dürfen. Die Meisten, ohne jemals eine grüne Wiese besucht zu haben. Vollkommen überfettet, mit Antibiotika vollgepumpt und verängstigt.

Ähnlich geht es Rindern. Sensiblen, freundlichen Tieren, die ebenso wie ihre Leidensgenossen ein äußerst kurzes Leben in Ställen führen, um dann auf der Schlachtbank zu enden.

All diese Tiere müssen aufgrund des Platzmangels und der Krankheitserreger auf engstem Raum ständig mit Antibiotika versorgt werden. Auch das konsumieren letztendlich wir, die Verbraucher.

3) Eier, Milch, Käse& Co.

Auch die Eier von glücklichen Hühnern und die Milch von grinsenden Weidekühen sucht man im Supermarkt zumeist vergeblich. Allein bei uns in Deutschland leben 39 Millionen Legehennen in Batteriebetrieben. 48 Millionen Küken werden durch Gas oder einen Häcksler gleich vernichtet, weil sie für die Industrie nutzlos sind.

Das schöne Frühstücksei ist häufig mit Dioxinen, manchmal sogar mit Salmonellen belastet.

Auch Milch enthält Antibiotika. Denn der Prozess der Kuhmilch-Produktion läuft genauso ab wie bei uns Menschen. Eine Kuh ist neun Monate lang schwanger. Sie produziert nach der Geburt, genau wie wir Frauen, Milch für ihr Baby. In den meisten Betrieben wird ihr dieses entrissen, sobald der Milcheinschuss erfolgt. Und ja, genau wie es uns gehen würde: Kuh und Kälbchen leiden schrecklich unter dieser Trennung. Die Antibiotika kommen ins Spiel, weil sie Euter-Entzündungen (entspricht unserem Milchstau bis hin zur Mastitis) vorbeugen und diese bekämpfen sollen.

Ich habe bereits früher Artikel zu der Grausamkeit des Milchkuh-Business verfasst. Das war auch ein großer Grund, wieso Nikolai seit dem Abstillen Hafermilch trinkt anstelle von Milch (-Pulver).

4) Mein Umgang mit Tierprodukten

Fleisch essen wir so gut wie nie. Selbst mein Bofrost-Hühnchen landet kaum noch auf dem Teller. Wenn ich wirklich mal Lust auf Hackgerichte oder ein Steak habe, gehe ich zu einem guten Metzger (selbst das ist heute keine Garantie mehr. Viele kaufen bei Metro& Co. zu anstatt selbst zu schlachten). Mangelernährung? Weit gefehlt! Einige Gemüsesorten weisen sogar einen beachtlichen Anteil an Protein auf: Linsen und Erbsen ganze 23%, Kidneybohnen 24%. Und wisst ihr was? Das ist genauso viel wie bei der normalen Hühnerbrust! Nur ohne Medikamente und ohne ein gequältes, armes Huhn in der Kette.

Milch nutze ich ausschließlich im Kaffee, und die kommt von einem Bauern aus dem Ort. Jogurt setze ich selbst an, ebenso wie ich Nikolais Hafermilch.

Eier kaufe ich kaum noch. Wenn ich einen Bauernhof finde auf dem ich die Hühner vor dem Kauf inspizieren kann, werde ich mich darauf beschränken. Da wir in der letzten Zeit selten Brot und Brötchen gegessen haben, war Aufschnitt kein Thema. Es gibt aber köstliche vegane Aufstriche, die man auch selbst herstellen kann (bspw. aus Linsen und getrockneten Tomaten). Oder man kauft den Aufschnitt zumindest an der Frischetheke, anstelle von eingeschweißter Ware, deren Herkunft beinahe undefinierbar ist.

Einiges an Gemüse möchte ich im Übrigen bald selbst anbauen, das geht sogar in der Wohnung (Dokumentation folgt!).

5) Fazit

Ich habe aus all dem, was ich in der letzten Zeit gelernt habe, vor allem ein Fazit gezogen: Möglichst viel selber machen, und regionale Produkte einkaufen.

Ich weiß, dass es ein wenig umständlicher und gegebenenfalls auch teurer sein kann, sein Kaufverhalten in diese Bahn zu lenken.

Aber es gibt so viele Studien die beweisen, dass eine auf Pflanzen basierte Ernährung zahlreiche Krankheitsrisiken minimiert. Dass die Massentierhaltung grausam ist, vielen Menschen das Essen wegnimmt, und es weitaus gesünder wäre, sich auf regionale Produkte zu beschränken. Leider geht die Welt genau in die andere Richtung: Hauptsache billig. Qualität ist so vielen egal, ebenso wie Ausbeutung von Menschen, Tieren und Erde. Im Jahr 2050 wird mehr Plastik im Meer sein als Fische. Das ist doch krank! Es muss sich etwas ändern. Und das kann nur der Mensch, das grausamste Raubtier von allen.

Ich kann das aus meiner Position heraus sagen. Bin ich doch ein guter Beweis, dass man auch als vielbeschäftigte Mutter mit (zeitweise) geringem Auskommen bewusst und gesund leben kann. Man muss sich diese „Umstände“ einfach machen. Wie Eigenanbau, Umstellung der Gewohnheiten und Einkauf regionaler Produkte.

Das ist mir unsere Gesundheit wert. Und wenn ich dadurch auch aufhöre, die grausame Massentierhaltung und -Produktion zu unterstützen, ist das ein tolles Plus. Ich wünsche mir, dass zumindest EINER von euch diesen Artikel liest, und etwas für sich ändert. Jeder einzelne, der sich bewusst über den Abwärtskurs unserer Konsumwelt wird, ist wichtig.

Quelle: https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/tipps-fuer-den-einkauf-von-eiern-buntes-aus-der-legehoelle-1.1624399-3

5 Comments

  1. Nadine sagt:

    Liebe Madline,
    ich lese deinen Blog zur Zeit sehr gerne und mag die Themen, mit denen du dich und damit auch uns, deine Leser, beschäftigst!

    Der Konsum von tierischen Produkten ist eine heikle Sache und definitiv etwas, mit dem sich eigentlich jeder auseinandersetzen sollte. Ich selbst schaffe es nicht, gänzlich auf Fleisch, Eier und Milchprodukte zu verzichten (will ich auch nicht, halte ich auch nicht für sinnvoll), aber ich machen mir oft Gedanken, welchen Herstellern/Siegeln/Produkten ich vertrauen schenke.

    Es stimmt mich auch optimistisch, dass viele in meinem Umfeld und ich selbst zunehmend bereit sind mehr zu verzichten und mehr nach ggf. teureren und dafür ethisch vertretbare(ren) Tierprodukten zu greifen! Wenn man den Konsum entsprechend einschränkt,

    Für deinen Artikel hätte ich mir zu den Zitaten und „Behauptungen“ (z.B. wann mehr Plastik als Fische im Meer sind) noch die Angabe von Quellen gewünscht. Zum Einen zum Nachlesen und selbst informieren und zum Anderen, weil es mich nervt, dass insbesondere bei den Themen Ernährung, Umwelt und Gesundheit so viele Dinge behauptet werden, bei denen ich mich frage, wie das erhoben/gemessen wurde bzw. worauf das basiert.

    Viel Grüße,
    Nadine

  2. Nadine sagt:

    Ohje tut mir leid, hab grad gesehen, dass die Quellen ja dabei sind unten!! Sorry!!

  3. Laureen sagt:

    Liebe Madline,
    vllt solltest du dir das hier mal vorab durchlesen, bevor du über so ein heikles Thema urteilst!
    http://www.bauerwilli.com/lieber-verbraucher-machs-doch-selbst/

    • NikiMami sagt:

      Liebe Laureen, ich kenne die Seite von Bauer Willi! Das bestätigt aber doch genau das, was ich schreibe: Dass man die regionale Landwirtschaft unterstützen soll. Und in dem verlinkten Artikel spricht Willi auch nicht von Massentierhaltung, sondern vol Gemecker unwissender Verbraucher über die deutsche Landwirtschaft. Das hat ja nichts mit Monsanto& Co. zu tun? Daher weiß ich jetzt nicht genau, was du meinst 🙂

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