Kleines Life-Update.

Ich finde es gerade während meiner intensiven Beschäftigung mit dem Minimalismus schrecklich, wie wir uns täglich abrackern „nur“ um unsere Rechnungen zu zahlen. Ohne Extras wie Urlaub, Restaurants oder schicke Klamotten! Bei mir sind es diverse Posten, die den Großteil meines hart erarbeiteten Einkommens verschlingen: Miete, Auto, Versicherungen, Stadtwerke. Essen, Pampers, Kita und Nikolais Mittagessen dort. Und nicht zuletzt das Abstottern meines Bafögs/Studienkredits. So gut er kann, hilft S mir natürlich was Kita und Nikolais Unterhalt angeht. Auch hier habe ich großes Glück was unser freundliches Verhältnis betrifft.

Aber manchmal lasse auch ich das Köpfchen hängen wie eine Tulpe ohne Wasser. Ich mag meinen Job gern und er ist absolut notwendig. Hält mich aber auch den Großteil der Zeit von meinem kleinen Sohn fern. Dass zum Lohn für meine Mühe am Ende des Monats alle Rechnungen bezahlt sind, macht mich froh. Wenn aber von dem Krümel, der für Essen/Sprit/Freizeit übrig bleibt, auch das Bafög-Amt etwas abhaben will, könnte ich (zumindest mal für fünf Minuten) ein bisschen weinen. Oder dass die blöde Kuh, die mir ins Auto gefahren ist, den Rechtsweg beschreiten will, um die Schuld von sich zu weisen. Unnötiger Mist, der einem den geregelten Alltag verhagelt.

Klar ist es nur rechtens, das Geld zurückzuzahlen das mein Studium gekostet hat. Und je schneller, desto besser- dann bin ich mit 30 praktisch schuldenfrei.

Doch als die Ankündigung vom doofen Bafög-Amt (eigentlich ist es ja die Bundeskasse) diese Woche einflatterte, war ich doch erst einmal geschockt. Die ziehen das Geld nämlich nicht monatlich ein, sondern einen kleinen, fetten Batzen alle drei Monate. Dass ausgerechnet jetzt auch die halbjährliche Rate für meine Autoversicherung anfällt, ist schlechtes Timing.

Da fühlt man sich wie ein Hamster im Rädchen. Strampeln, strampeln, nur um keuchend kein Stück weitergekommen zu sein.

Natürlich ist das nicht so. Natürlich trägt mich jede Rate ein Stück näher in die „Freiheit“. Aber im kommenden Jahr sind auf diese Weise nicht einmal minikleine Luftsprünge drin.

Und während ich darüber nachdachte mein Auto zu verkaufen und Samstags putzen zu gehen, fiel mir ein was Minimalisten an unserer Gesellschaft bemängeln: Dass die Menschen sich abrackern, nur um das zu halten was sie haben. Den Großteil ihrer Zeit in Jobs investieren anstelle von Familie, immer neue Sachen kaufen die sie oft überhaupt nicht brauchen. Anstatt ihr Zuhause zu verkleinern und zu teure Gegenstände abzuschaffen, sich zu befreien.

Der Haken bei mir ist- ich führe ja schon kein luxuriöses Leben. Es gibt kaum noch Bereiche, die ich kappen kann! Ich gehe fast nie mehr aus. Shoppe nicht, war vor knapp einem Jahr das letzte Mal bei Friseur und Maniküre. Meine Designerkleidung habe ich schon im Winter verkauft, und vor Supermarkt-Gängen wird eine Liste geführt. Ohne mein Auto wären wir weit weniger flexibel. Es hat auch schon einige Hunderttausend Kilometer auf dem Tacho und würde wenig einbringen. Das abzuschaffen wäre also unsinnig. Unsere Wohnung ist schön und Ja, sie könnte ein Zimmer weniger haben. Aber dafür liegt sie drei Gehminuten von meiner Arbeitsstelle entfernt und sie ist unser Zuhause und Zufluchtsort.

Gäbe es hier eine Minihaus-Siedlung, wäre ich sofort dabei. So aber muss ich einfach die Zähne zusammenbeißen und zum Supersparfuchs mutieren.

Ja, während ich das hier schreibe, fühle ich mich tatsächlich ein bisschen wie die klischeehaft verarmte, einsame Single-Mom. Bloß ohne Amt, ohne Plattenbau oder Arbeitslosigkeit. Dafür mit einem wundervollen Sohn, dessen Papa unser bester Freund ist. In einem schönen Zuhause mit einem treuen alten Auto und einem tollen Job. Das macht mir dann wieder bewusst, dass auch diese Situation noch Jammern auf hohem Niveau ist. Bloß ist diese blöde alte Floskel „Schlimmer geht’s immer“ auch nicht immer ein Trost.

Werde also dieses Wochenende meine Wunden lecken, ein Schaumbad nehmen und versuchen, mich weniger aufzuregen. Ich hab ja alles im Griff. Und dann werde eines Tages in meinem Gemüsegarten sitzen, stolz-sentimental auf diese eigentlich schöne Zeit zurückblicken und darüber ein Buch schreiben.

5 Comments

  1. Petra sagt:

    Schöner Blogeintrag, ich kann mich damit momentan gut identifizieren.

    Auch wenn du ein Sparfuchs sein musst, ist es klasse, dass du das auch sein kannst! All die Rechnungen selbst zahlen zu können, ist nicht selbstverständlich und wenn du so weiter machst, wird es dir finanziell bald besser gehen. Dann ist das Bafög zurückgezahlt, vielleicht ein Karrieresprung oder eine Gehaltserhöhung drin, ein neuer Partner könnte mit seinem Gehalt aushelfen,… ich sehe dich auch in einem Gemüsegarten! Das Zauberwort lautet hier: Geduld.

  2. Alexandra sagt:

    Du bist einfach so eine super Motivation in dunklen std wo auch mir als Alleinerziehende alles über dem Kopf wächst. Aber wie du so schön schreibst, auch das geht alles rum. Du bist eine tolle Mama, mach weiter so.

  3. Irene sagt:

    Aller liebste Madline ! Du sprichst mir aus de Seele ! Ich mach so etwas seit Jahren mit. Als ich in Spanien gewohnt habe war das Geld so knapp das die Idee mit meinen damaligen Freund zu ziehen eine Utopie war. Als ich nach London ging trenten wir uns und ich rede mir noch imner ein das wir auf dies verzichtet haben für ein besseres Leben. In Frankreich war es nicht besser. In Luxemburg ja, aber a hasste ich den Job und b, musste so weit weg fahren das ich viel Lebensqualität verloren habe . Jetzt in de ist es ein bisschen besser , aber zB ich habe auch eine entrechnung der Nebenkosten von letzten Jahr bekommen und das hat mir auch gerade ein Strich durch die Rechnung gemacht . Ich habe sogar in meinen freien Wochenende ( das einmal jede tausend Jahren kommt ) im Altstadt fest gearbeitet für extra Geld das jetzt so investiert wird … Man sieht einfach nicht das Licht an Ende des Tunnels! Noch dazu überlege ich mir ein rententöpfchen zu öffnen weil man nie weiß ob es reicht :$ alles gute euch !!!

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