DiY 1: Kleiderschrank.

Ich empfinde es als befreiend, Dinge auszusortieren die ungenutzt herumliegen. Da bin ich wohl das Gegenteil meiner Mutter, deren ganzes Haus voller Möbel, Kleidung, Erinnerungsstücke und Antiquitäten ist. An einigem hängt man, und das ist okay. Ich selbst habe auch noch Mini-Nikolai-Kleidung, der mein Herz gehört. Aber neben kostbaren Erinnerungen gibt es in den meisten Haushalten unzählige Gegenstände aus der Kategorie „Kann man vielleicht noch brauchen“ oder „Zu schade zum Wegwerfen“.

Ganz ehrlich: Wie oft kommt es vor, dass Dir das Top in einem Jahr dann doch gefällt? Oder die Schuhe, die schon von Beginn an unbequem waren. Die überflüssigen Töpfe in der Küche und ungeliebte, aber dennoch verwahrte Kosmetika im Badschrank. Findet man wirklich öfter als ein-, zweimal im Jahr etwas tief im Schrank vergraben, das man plötzlich „brauchen kann“?

Ich jedenfalls nicht.

Ich hatte einen kuschligen, aber viel zu warmen und schlecht sitzenden Pullover mit dem Berliner Bär drauf. Ein „Chill“-Pulli. Den ich sogar zum „Chillen“ nie anzog, weil er zum Einen an mir aussah wie ein ausgebeulter Sack, und zum anderen sogar im kältesten Winter für drinnen viel zu warm war. Aber- ich hatte ihn auf einer schönen Berlinreise gekauft, und verwahrte das Teil Jahreszeit um Jahreszeit. Letztlich nahm er nur Platz weg und lag herum.

Als S auszog, bin ich jeden Schrank und Raum durchgegangen, um seine Habseligkeiten auszusortieren. Das war der Anfang meiner Bestandsaufnahme, und ich stolperte mehr als einmal am Tag über Krempel, den kein Mensch braucht (wie den Pulli). Im Winter, als man ohnehin wenig unternehmen konnte, begann ich also damit meine Wohnung systematisch auszumisten. Heute spreche ich über das Ausmisten von Kleidung. So habe ich das gemacht:

Schritt für Schritt.

Es ist toll, dass Du jetzt motiviert bist Dein Zuhause zu lüften und Dich von ungenutzten Gegenständen zu befreien. Aber nimm dir Zeit! Geh Raum für Raum durch, und arbeite Dich erst dann zu Großem vor (wie Speicher/Keller/Gartenhäuschen/Garage). Vielleicht machst du an jedem Wochenende ein Zimmer. Nimm Dir am ersten Samstag deines Projekts zum Beispiel den Kleiderschrank vor.

Ja, deinen Kleiderschrank. Du kannst es.

Ich verstehe, dass es eine Vielzahl an Argumenten für einen gut gefüllten Kleiderschrank gibt. Man möchte eine Auswahl und individuelle Stücke à la Rote Lederjacke haben, ein paar nette Statussymbole wie Designer-Schuhe und –Handtaschen. Wir möchten gut angezogen sein, für jeden Anlass etwas Passendes zum Anziehen finden und unsere Persönlichkeit mithilfe unseres Kleidungsstils unterstreichen.

Das kann ich vollkommen verstehen, und sehe das genauso wie Du.

Folgende Fragen waren beim Aussortieren für mich essentiell:

Wie sieht Dein Alltag aus? Hast Du einen Job, und wenn Ja, welche Kleidung brauchst du dafür? Wer Vollzeit in einem Büro arbeitet wie ich, verbringt den Großteil seiner Woche in der Firma. Das bedeutet also, ich brauche die meiste Kleidung für die Arbeit. Vielleicht arbeitest du in einer Firma, die Uniformen stellt. Dann sind Blusen, Businessröcke und –Kleider eher unnötig.

Oder bist Du eine Vollzeit-Mama, und wenn Ja, was für eine? Verbringst du die meiste Zeit mit Deinen Kindern zuhause/im Freien? Oder triffst du Dich oft außerhalb mit Freunden, gehst aus, bewegst Dich in einem bestimmten Umfeld?

Bist Du Schülerin oder Studentin? Und so weiter und so fort. Frage Dich, für welchen Anlass Du dich am häufigsten kleiden musst. Alles, was dann unter „Besonderes“ fällt (wie bei mir Disco-Kleidchen oder Sport-BHs) sollte Deinem kritischen Blick nicht standhalten. Behalte ein, zwei Teile für diese besonderen Gelegenheiten. Der Rest fliegt raus!

Brauche ich Statussymbole? Eine gigantische Industrie, genannt Mode, möchte uns suggerieren dass Konsum glücklich macht. Dass man erst dann „jemand ist“, wenn man auf den Kö’s dieser Welt mithalten kann. Ich habe jahrelang beobachtet (und bewundert!) was die Menschen ausmacht, deren finanzieller Wohlstand Dir einfach entgegenströmt. Hübsche Mädels mit Seglerbräune, tollem Haar und Perlenohrringen, im Sommer in luftigen Kleidchen, im Winter in einen namhaften Parka mit Pelzkragen gehüllt. Stets mühelos toll angezogen und aus der Ferne bewundert. Ein elitärer Club, zu dem so viele gehören wollen. Eine ganze Sub-Industrie stellt billige Fake-Designerkleidung her, um es Dieter und Inge von nebenan zu ermöglichen, gefühlt auch einmal zur Hautevolee zu gehören.

Andere sparen auf ein schönes Designerstück hin, weil es Glück und Belohnung suggeriert. Kann ich total nachvollziehen! Ich habe mir selbst die ein oder anderen Paar-Hundert-Euro-Schuhe und schönen Handtaschen zusammengespart. Und es machte mich glücklich, damit herumzulaufen. Auch heute noch schwärme ich für die tolle Cartier-Uhr im Schaufenster, oder die Chanel Timeless-Tasche. Doch wofür?

Rasch nach Nikolais Ankunft kam ich zu dem Schluss, dass es in meinem eigenen Umfeld niemanden schert, von welcher Marke meine Handtasche ist oder welche Uhr ich trage. Ich muss mit niemandem „mithalten“ und bin auch ganz froh darüber, denn ich könnte es nicht! Und muss das auch nicht nach außen hin vorgeben. Nein, ich habe keine paar Tausend Euro für eine Armbanduhr übrig. Natürlich gibt es Mädels aus guten Verhältnissen, die sich eine Louis nicht vom Munde absparen müssen. Und sich in Kreisen bewegen, bei denen es den anderen ähnlich geht. Aber da gehöre ich eben nicht zu. Das macht keinen von uns zu einem schlechteren Menschen!

Frage Dich einfach bei jedem einzelnen Stück: Brauche ich das wirklich und wenn Ja, wofür?

Wohin mit dem aussortierten Kram?

Besagte Designerstücke habe ich bei ebay immer gut verkauft. Startpreis 1€, und stets ohne Wertverlust. Handtaschen haben immer Saison. Getragene Schuhe sollten in einem Top Zustand sein, da sind die Leute verständlicherweise empfindlich. Sonnenbrillen verkauft man natürlich am besten im Frühjahr. Usw.

Was zu schade zum Wegwerfen war, aber bei ebay (oder gar Kleiderkreisel) weit unter Wert weggegangen wäre, habe ich an Freundinnen verschenkt. UGG-Boots und – Schuhe, Abercrombie Shirts, Kaschmirpullover oder Cocktailkleider. Meine Mädels haben sich sehr gefreut, und ich wusste die Teile in guten Händen. Ich finde es auch schön, diese Dinge zu tauschen oder sich gemeinsam aus Spaß auf einen Flohmarkt zu stellen.

Der Rest wurde gespendet. Es gibt zahlreiche Organisationen und Container, in denen man gut erhaltene Bettwäsche, Berlin-Pullover und Co. Abgeben kann. Dabei hat man ein gutes Gefühl, und ist endlich von dem ganzen Unnutz befreit!

 

Je nach Größe deines Kleiderschranks mag diese Aktion mehrere Wochenenden lang dauern (man hat schließlich noch ein Privatleben!). Es wird bei manchen Dingen schwer fallen, diese wegzugeben. Aber brauchst du es wirklich? Frage Dich das immer wieder!

Ich selbst besitze noch:

3 Jeans, 2 Lederleggings, 2 Büroröcke, 1 Stoffhose und 2 Paar Shorts. Jeweils 1 schwarze, weiße und hellblaue Bluse, 6 Pullover, 2 „Chill-Pullis“ (der aus Berlin ist weg!), 6 Tops, 2 Jogginghosen, 3 weiße T-Shirts, 5 Kleider (inkl. Ausgeh-Teil), 2 schwarze Strickjacken, 1 Daunenjacke, 1 Jeansjacke, 2 Mäntel, 2 Blazer, je 1 langen und kurzen Jumpsuit. Das Meiste von guter Qualität und alles wird getragen.

Hinzu kommen Socken, Unterwäsche, Badekleidung, 12 Paar Schuhe und einige Schlafanzüge. 1 schwarze, 1 Taupe-farbene Handtasche, und 1 Rucksack (alle aus Leder, da lange haltbar).

Ich kann mich damit Sommer wie Winter stets klassisch und gut anziehen, ohne langweilig auszusehen. Bin ich zu etwas Besonderem eingeladen, kann ich zur Not etwas von meinen Freundinnen leihen. Nur wenn absolut keines ihrer Stücke passt (mir oder dem Anlass), wird etwas Neues gekauft. Und dann drängt es mich innerlich schon wieder, etwas anderes rauszuschmeißen.

Ja, Kleider machen Leute. Aber Qualität vor Quantität. Und Lebensqualität hat nichts mit Marken und Mengen zu tun.

1 Comment

  1. Irene sagt:

    Heute mache ich mein Schrank … Obwohl ich den öffters mache ! Das gleiche mache ich übrigens mit essen damit nie zu viel gekauft wird !!!!

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