Umdenken.

Madline, wo soll ich nur anfangen?, werde ich zur Zeit oft gefragt. Wo anfangen mit dem Ausmisten? Wie sich vom Konsumzwang und gesellschaftlichen Druck befreien, stets höher/ schneller/ weiter zu kommen als der Nachbar?Schritt für Schritt! Es erfordert Zeit, Muße und Entschlossenheit, sich einem neuen Lebensstil hinzugeben. Nicht zuletzt ist es eine Frage des Selbtbewusstseins, sich von unserem konventionellen Denken zu befreien. Dass man nicht glücklicher in einer großen Villa, einem fetten Auto und mit einer florierenden Firma ist. Die traurigsten Gestalten die ich bisher kennengelernt habe, sind reich. Kleine Leute, kleine Sorgen- große Leute, große Sorgen! Klar verdient es Respekt, wenn jemand aus dem Nichts ein kleines Imperium aufbaut, aufgrund von Fleiß und Kompetenz. Aber diese Menschen machen sich dafür auch viel mehr Gedanken darum, was andere über sie denken. Wie sie sich möglichst erfolgreich präsentieren, und haben schlaflose Nächte in der Überlegung, was als nächstes in der Firma zu tun ist. 

Das ist ein wahnsinniger Druck und Stress, es lockt unzählige falsche Freunde an und raubt die Freude an dem, was wirklich zählt.

Vielleicht ist auch dieses Wissen für mich ein Faktor, mich verglichen damit hundertmal lieber dem Minimalismus zuzuwenden. Mich mit Menschen zu umgeben, die ich wegen ihres Charakters interessant finde, und nicht wegen ihrer Habseligkeiten/Connections. 

Minimalismus bewahrt nicht nur vor Opportunismus und dem Verlust der Bodenhaftung. Er nimmt zugleich auch die Sorgen darüber, wie man die immer größeren Häuser/Autos/teureren Klamotten und Haushaltsgeräte bezahlen soll. Minimalisten konzentrieren sich aufs Wesentliche, und lassen den weltlichen Ballast los. Das fasziniert mich so daran!

Ich habe Raum für Raum aussortiert, bevor es an den Keller ging. Bei meinem Kleiderschrank fing die Reise an. Ich dachte: „Für wen besitze ich diese Handtaschen? Ich lebe in einer Kleinstadt, in der mich zudem niemand kennt. Ich bin (zu dem Zeitpunkt) Vollzeit-Mama. Niemanden würde es stören, wenn ich keine Designer-Kleidung trage.“ So versteigerte ich die Taschen bei eBay. Verschenkte gute Kleidung (wie Abercrombie-Shirts, meine alten UGG Boots, Cocktailkleider etc) an Freundinnen und gab den Rest in die Spende. 

Genauso rigoros mistete ich Nikolais Zimmer aus, inklusive Spielzeug. Den Badschrank, die Küchenvorräte und zu guter Letzt den Keller. Dann bestellte ich den Sperrmüll und schleppte schnaufend all den Krempel an die Straße, der ungenutzt herumgestanden und sich immer wieder in meine Gedanken geschlichen hatte. Meine Nachbarn müssen ähnlich empfunden haben, die stellten nämlich gleich eine Menge Sachen mit an den Bürgersteig.

Es war unglaublich befreiend! Und ich habe das System beibehalten. Erwische ich ungenutzte Kleidung oder Spielzeug, wird aussortiert. Ich kaufe nur, was nötig ist (und von angemessener Qualität) und informiere mich neben meinem Beruf immer mehr über Minimalismus, Zero Waste und Nachhaltigkeit.

Es trifft mich dass man als Mensch, der über diese Dinge nachdenkt, von der Allgemeinheit belächelt und als „Öko“ abgestempelt wird. Als Nischen-Aktivist in Schlappen, als Sonderling. Dabei geht uns dieses Thema alle etwas an! Ob wir Eltern sind oder nicht. Es kann nicht sein, dass wir unseren Planeten egoistisch ausbeuten und zumüllen, weil wir nicht auf Billigkleidung und -Essen verzichten wollen. Wie sollen unsere Kinder später leben? Und macht ihr euch zumindest einmal im Monat Gedanken über die ausgebeuteten Menschen in den Entwicklungsländern? Die würden sicher lieber Nutzpflanzen für Menschen auf ihren Feldern anbauen, anstatt Tierfutter zum Hungerlohn zu züchten. Um die Millionen von armen Schweinen, Kühen und Hühnern zu füttern, die in unserer 1. Welt zum Spottpreis auf den Tellern landen. (70% des geernteten Getreides wird zur Fütterung von Tieren benötigt, also nur 30% gehen an die Menschen!)

Manchmal wünschte ich, es gäbe ein Gesetz das den Fleischkonsum einschränkt. Für jede Familie 2 Packungen pro Woche, oder so ähnlich. Anstatt einer Zukunft entgegen zu blicken, in der wir Krieg wegen Nahrung führen, anstelle von Öl. Oder dass man bewusster mit seinem Energieverbrauch umginge. In dem Film „Tomorrow“ wird gesagt, dass SECHZIG Prozent des Energieaufwands vermeidbar wären, die jetzt in Stand-By-Modus, unnötige Beleuchtungen oder Heizung/ Kühlung/ Transport fließen. Das ist doch Wahnsinn! Sowas kann niemandem egal sein, denke ich mir. Ist es aber, und das leider immer noch so vielen Menschen. Das macht mich sehr traurig.

Meine Überlegungen mögen „Öko“ klingen und träumerisch. Aber selbst wenn aufgrund meiner Texte nur fünf Menschen umdenken, ist ein Anfang geschaffen.

Ich beschäftige mich als nächstes mit dem Thema Müll-Reduzierung. Und mit dem Konzept von regionaler/solidarischer/ökonomischer Landwirtschaft. Bei der man Bauern und den Anbau von Nutzpflanzen in der eigenen Stadt/Region unterstützt und fördert. Anstatt weiterhin mit dem massenhaften Konsum von Billiglebensmitteln (und Kleidung) den globalen Erdrutsch voranzutreiben. 

Ja, auch wir tätigen den Wocheneinkauf beim Discounter. Weil wir, wie viele andere Menschen auch, ein festes Budget im Monat haben. Aber selbst mit kleinerem Portmonee kann man umdenken. Vielleicht nicht täglich, auch nicht alle zwei Tage Fleisch essen. Sondern ein, zweimal die Woche, und dann ein hochwertiges Produkt. Man kann ohne großen Aufwand den Speiseplan umstellen und weniger Milch- und Fertigprodukte konsumieren, WENN MAN WILL. Der Rewe hier im Ort führt beispielsweise Milch, die von einem Bauernhof gleich um die Ecke stammt. Und da ich sie nur noch für meinen Kaffee brauche (und Niki gar nicht) gebe ich gern etwas mehr aus. Zur Unterstützung eines regionalen Landwirts und auch meiner Gesundheit. Ich weiß, dass viele Menschen ihre Gewohnheiten haben und nicht bereit sind, davon abzurücken. Getreu dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ In wenigen Jahren wird aber das geliebte, billige Schnitzel eine Rarität sein. Dann ist es vielleicht schon zu spät für einen Wandel, und die Gewohnheitstiere werden gezwungen sein, pflanzliche Alternativen auf den Teller zu bekommen. Ich würde mir sehr wünschen (auch für deren Gesundheit) dass schon jetzt ein Umdenken in den Köpfen stattfinden möge. Denn diese Missstände, der Klimawandel, die Ausbeutung von Menschen, Tieren und unserem Planeten sind real. Das ist kein Öko-Geplapper.

Darüber zu schreiben ist der Anfang meines Beitrags zu diesem Umdenken. Danke für Eure Aufmerksamkeit! 

1 Comment

  1. Monschimoon sagt:

    Sehr schön geschrieben liebes !
    Ich finde du hast mit jedem Satz Recht !
    Es geht nicht darum das nun alle Menschen von heute auf morgen Veganer Werden sondern einfach nur darum das die Menschen Nachdenken ! Umdenken ! Mitdenken .
    Die Länder werden ausgebeutet und wir verschließen die Augen . So lange bis es zum absoluten Chaos kommt …

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