MinimAlltag.

Minimalismus bedeutet für mich nicht, all seine Besitztümer zu veräußern und in einem Zelt am Rande des Waldes zu wohnen. Man muss auch nicht in einer fast leeren Wohnung ohne Deko sitzen. Es geht mir darum, alles von unserem Zuhause (inklusive des Kellers!) fernzuhalten, was wir nicht brauchen. Ich fühle mich innerlich viel ruhiger mit dem Wissen, dass kein Raum mit ungenutztem Kram gefüllt ist. Dass wir nur Kleidung besitzen, die wir mögen und gebrauchen. Dass unsere Küchenvorräte nicht verderben, weil ein so großer Überfluss herrscht.


Manchmal fällt es auch mir schwer, nicht wieder in die Kauffalle zu tappen. So ist kürzlich meine Uhr kaputt gegangen. Ich suchte bei einem namenhaften Online-Portal nach Ersatz, rechnete meine Monatsausgaben durch, verglich Modelle und Preise. Am Ende war ich dann zu geizig für eine neue, und werde mich zunächst bemühen die alte doch noch einmal reparieren zu lassen. Ja, es wäre einfacher eine neue zu kaufen. Aber ich brauche nicht zwei verschiedene, und spare dann lieber das Geld. Es stimmt, hätte ich doppelt so viel im Monat zur Verfügung, würde ich nicht so lange überlegen. Aber ich würde auch dann nicht mehrere Armbanduhren „zur Auswahl“ kaufen, wenn man ohnehin nur eine braucht.

Oder mein „Problem“, dass ich nur zwei Sommerkleider fürs Büro besitze. Natürlich möchte man nicht die Mitarbeiterin sein, die im Sommer immer dasselbe trägt!


Das ist auch nicht so, denn ich habe ebenfalls zwei Bleistiftröcke (grau und schwarz) die wiederum mit vier Blusen und drei verbliebenen Tops zu kombinieren sind. Sagen wir mal, für eine Woche bis zehn Tage hätte ich also für jeden Tag etwas anderes anzuziehen. Würde ich dann rotieren, fiele es wahrscheinlich kaum jemandem auf. Aber ich selbst möchte nicht alle sieben Tage dasselbe anziehen. Dafür bin ich dann doch ein richtiges Mädchen, das gern gut angezogen ist. So habe ich online nach zwei weiteren Kleidern für meinen Schrank geschaut, und etwas Farbenfrohes gefunden. Es ist tatsächlich schwer, die anderen drei oder fünf Stücke aus dem Paket wieder zurückzuschicken! Aber ich brauche keine zehn Kleider im Schrank. Ein kleines Schwarzes habe ich schon wieder aussortiert und werde es zum Oberteil umfunktionieren. Ist mir als Kleid einfach zu kurz, und auf diese Weise habe ich gleich ein neues Top fürs Büro. Oder: seit Jahren hängt ein wunderschönes rotes Seidenkleid bei mir an der Stange. Es ist ganz toll- aber ich habe es nicht ein Mal getragen! Zu Hochzeiten passt es nicht, zum Restaurantbesuch ebenso wenig. Würde ich in die Oper oder ins Theater gehen, hätte ich einen Anlass (mach ich aber nicht). Es ist tatsächlich das einzige Stück, das ungenutzt und dennoch geliebt rumhängt. Ich werde auch das bald zum Oberteil umnähen. Dann passt es zu mehr Gelegenheiten und kann bleiben.


Zur Not kann man auch immer mal mit Freunden Dinge tauschen oder etwas aus-/ verleihen. Wie oft ziehst Du die flippige rote Lederjacke oder die Fetzenjeans wirklich an? Muss man wirklich „für den Fall dass ich es irgendwann nochmal trage“ ganze Schrankabteile belagern? Ich möchte das nicht.

Natürlich macht mir meine verhältnismäßig eingeschränkte Situation das Einhalten minimalistischer Prinzipien leichter. Es wäre definitiv schwerer, mit doppeltem Einkommen weiterhin so wenig zu konsumieren. Irgendeine Saison oder ein Event ist ja immer, selbst ohne verlockende Free TV Werbung (wir haben hier nur Netflix/Prime). Aber ich finde, dass wir tatsächlich nicht mehr brauchen und erinnere mich täglich daran.

Sei es, dass ich am Wochenende nur wegen Wassereis zum Rewe fahren wollte. Ich hatte die Befürchtung, dass N nach „Ei [s]“ fragen und nichts mehr da sein würde. Dann fiel mir das unberührte Jogurt-Quetschie im Kühlschrank ein. Kurzerhand habe ich es in ein Selbstmach-Eis-Förmchen gefüllt und unser eigenes Eis „hergestellt“. Problem gelöst und Konsumfalle Rewe erfolgreich umgangen. Denn sind wir mal ehrlich- in den seltensten Fällen kauft man ausschließlich das, was man braucht. Und es summiert sich. Mal hier 20€ im Supermarkt, mal dort in der Drogerie. Hafermilch, Pampers, Putzmittel, Rohkost, Milch für Kaffee, Kaffeepulver…all diese Dinge werden laufend verbraucht und müssen nachgekauft werden. Und schon landen nebenher Vanille-Duftkerzen, Chips, Fruchtriegel, Eiskaffee, Saft und ähnliche Unnötigkeiten im Einkaufswagen. Es ist nicht so, dass ich mir diese Artikel vom Mund absparen müsste! Es geht uns gut. Aber hundert Euro mehr oder weniger im Monat machen sich auf unserem kleinen Sparkonto dann doch bemerkbar. Und man kann so vieles entweder selbst machen, oder darauf verzichten.


Die Gründe für meinen großteils minimalistischen Lebensstil sind also ein festes Budget, Zweckmäßigkeit und innere Ruhe. Ich fühle mich tatsächlich weitaus mehr in Balance wenn ich weiß, dass kein unnützer Krempel in unserem Zuhause herumliegt. Und miste regelmäßig (ca. alle drei Monate) den Badschrank, Kleidung, Spielzeug und Vorräte aus, selbst wenn nur ein halber Bananenkarton an Dingen zusammenkommt. Irgendwas bekommt man immer geschenkt, hat einen Duschgel-Fehlkauf getätigt oder Niki ist aus seinen Sachen rausgewachsen.

Was ich als Nächstes reduzieren möchte, ist der Müll den wir produzieren. Ich finde es oft erschreckend, wie viel Altpapier, gelber Sack und Restmüll in einem „Anderthalb-Personen-Haushalt“ wöchentlich entstehen kann. Allein durch die Windeln, aber auch Altpapier, Biomüll und Plastik. Klingt vielleicht „Öko“, ist aber wirklich nicht nötig. Ich werde mir da Lektüre zu suchen und Euch auf dem Laufenden halten!

 

4 Comments

  1. Sarina sagt:

    Hallo,
    toller Artikel, wir handhaben das hier genauso! Leider hab ich noch zwei Zimmer vor mir die entrümpelt werden müssen, aber danach bin ich dann auch „ruhiger“ 😁. Als Buch kann ich dir Zero Waste empfehlen, das hatte ich auch, online empfiehlt sich smartikular.net ! Mach weiter so, ich mag deinen Blog und deine natürliche Art. Liebe Grüße und einen sonnig Tag.

  2. Noraaniktuana sagt:

    Ich find du bist so eine wundervolle Sympathische Frau und mit dem was du sagst hast so recht. Hast mich zum nachdenken gebracht. Ich muss unbedingt auch ändern. Ich hab soviele sachen die ich gar nicht brauch . Danke für diesen tollen Beitrag .

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