Liebe.

In den vergangenen fünf Jahren habe ich eine Reise mit vielen Berg- und Talfahrten auf der Suche nach dem Sinn der Liebe durchgemacht. Aufgewachsen in einem beschaulichen Dorf in der Voreifel, zog ich zum Beginn meines Literaturstudiums blauäugig und unvoreingenommen in die Welt. Bis dahin hatte ich drei feste Beziehungen geführt; die kürzeste davon 2 Jahre, die längste fünf. Diese Jungs waren allesamt ehrlich, treu und haben mich aufrichtig geliebt. Doch wie das in jungen Jahren meistens ist, weiß man diese Werte oft nicht genug zu schätzen, und lebt sich nach einiger Zeit auseinander. Ich suchte stets nach den Schmetterlingen im Bauch, wollte etwas von der Welt sehen. Und nicht mein Leben in dem Dörfchen verbringen, ohne zu wissen das da draußen noch auf mich warten könnte.

So zog ich also nach Düsseldorf, wo man mir eine Stelle als Kellnerin in einem großen Hotel anbot. Zwar befand sich meine Universität in Aachen, aber in dem Jahr meiner Singlezeit, das ich dort verbringen sollte, sammelte ich wenige Teilnahmescheine in meinem Studienbuch. Stattdessen arbeitete ich hart, lernte viele nette und aufregende Menschen kennen, und tanzte durchs Düsseldorfer Nachtleben. Es sei dazu erwähnt, dass ich mich nie nach „lockeren Geschichten“ oder One Night Stands gesehnt habe, und das auch bei jeder neuen Bekanntschaft von Beginn an klarstellte. Doch in meinem Jahr in Düsseldorf kam es nie zu einer Beziehung.

Heute bereue ich es, diese Zeit nicht ohne solche Gedanken genossen zu haben. Hätte ich in mir selbst geruht und mich an meiner Freiheit erfreut, wäre das Jahr weitaus weniger tränenreich verlaufen. Wer weiß, wie viele schöne Unternehmungen und Momente ich dadurch verpasst habe. Ein junges, nettes Mädel Anfang 20, das etwas im Kopf hat und dem die Welt offen stehen sollte. Naja. Ich war noch recht jung, und kam aus behüteten Verhältnissen. Ich war es gewohnt, den Mann zu erobern der mir gefiel. Und es war eine harte, aber sehr wichtige Lektion dass man es manchmal einfach nicht ist. Man kann nicht für jeden Mann auf der Welt zur perfekten Partnerin werden. Du kannst so hübsch, klug, humorvoll, weltoffen und charmant sein wie Du willst. Wenn er sein Herz an jemand anders verliert, dann ist das einfach die Chemie. Schicksal, die Natur, man weiß es nicht. Und das ist in Ordnung! 

Das, und dass man zuerst sich selbst lieben und mit sich glücklich sein muss um eine gesunde Beziehung führen zu können, sind die wichtigsten Lehren aus meiner Zeit in Düsseldorf.

Diese endete, als ich eines Abends S begegnete. Er feierte den Geburtstag eines Freundes in der Altstadt, und sie fragten mich nach dem Weg zu einer Bar. Wir verbrachten den Abend gemeinsam auf der Party, und wenige Tage später lud er mich zum Essen ein. Diese Begegnung gab meinem Leben eine völlig neue Richtung. Ich säße nicht an dem Schreibtisch in genau diesem Städtchen mit genau diesem Baby für das ich lebe und in der Wohnung, die wir bewohnen.

Auch wenn wir gar nicht mal so viele Interessen teilen, so fand ich es einfach schön, dass er mir sein Interesse zeigte und mich respektvoll behandelte. Dass er Verabredungen einhielt, mein Zuhause sehen wollte und ehrlich war. Ich hatte in dem Jahr zuvor so viele bindungsunwillige, unzuverlässige Egoisten getroffen, dass S mit seiner Freundlichkeit rasch zu einem wichtigen Teil meines Lebens wurde.

Die Gründe dafür, sich vier Jahre später zu trennen, klingen in meinen Ohren heutzutage so unwichtig. Ich fand, dass er gleichgültig war und zu wenig am Familienleben teilnahm. Er war irgendwann unendlich genervt von meinem Genörgel, den ewig gleichen Diskussionen und meinen (hohen) Erwartungen an unseren Alltag. Ja, ich wollte die idyllische kleine Familie aus der Kinder Pingui Werbung sein. Aber das ist einfach nicht die Realität. Damals jedenfalls zog ich den Schluss, dass wir einfach nicht zusammen passen und es besser und fairer sei, die Wege wieder zu trennen. Ich wollte Komplimente, Blumen (selbst wenn diese vom Wegesrand abgerupft sind), Kuschelzeit mit einem Glas Wein und süße Ausflüge mit unserem Sohn.

Das enttäuschende und schockierende Verhältnis, in das ich nach der Trennung hineinstolperte, lehrte mich meine bisher wichtigste Lektion: Was wirklich in der Liebe zählt.

Es kommt am Ende nicht auf zuckersüße Komplimente, dieselben Interessen oder gern geteilte Flaschen Wein an. Vernarrtheit vergeht. Der Kern einer gesunden Beziehung besteht für mich aus Ehrlichkeit, Vertrauen und Vertrautheit. Wenn man einen Partner an seiner Seite hat der einen liebt wie man ist, mit allen Marotten, sollte man um ihn kämpfen. Wenn diese Person es ehrlich mit Dir meint und Du demjenigen hundertprozentig vertrauen kannst, dann kämpfe um Eure Liebe.

Ich ändere meine Meinung nicht, was das Thema funktionale Beziehung angeht- ich habe aber meine Ansicht dazu erweitert, was in der Liebe für mich zählt. Ich sage Euch immer, dass kein Fall, keine Liebe und kein Mensch ist wie der andere, und dass ich nie von mir auf Euch schließen möchte. Selbst wer in einer Beziehung steckt die durch Untreue, Respektlosigkeit oder Lügen belastet ist (und dennoch bleibt), den darf ich nicht verurteilen.

Möchte ich das für mich selbst? Auf keinen Fall! Beinahe wäre ich in genauso ein Verhältnis gerutscht, und aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. 

Klar kann es sein, dass Ihr jemanden habt der Euch ein guter Partner ist- und trotzdem hat man sich entliebt, vermisst den Sex oder ist von einer bestimmten Eigenschaft so genervt, dass es nicht mehr geht. Ich möchte nicht sagen, dass diese Werte Garanten für lebenslange Verknalltheit sind. Aber genau das ist der Punkt- die Schmetterlinge im Bauch sind irgendwann still. Aber wenn die Liebe im Herzen bleibt, ist es jede Mühe wert.

4 Comments

  1. Luci_ani sagt:

    Wow, mir kullern die Tränen vor Berührung. So schön geschrieben… wünsche dir und deine Familie alles gute und Liebe.

  2. Linda sagt:

    Bin gerade auf deinen Blog aufmerksam geworden und über diesen Beitrag als erstes gestolpert. Wow. So offen. So ehrlich und so viel wahres dran!

    Alles liebe für euch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.