Allein, nicht einsam.

Mich erreichen immer wieder Nachrichten zum Thema Trennung (mit Kind).

Ich sage oft, dass das Leben einfach zu kurz ist um Jahre davon zu verschwenden. Daran glaube ich, und das leben wir auch.

Ich bin der Meinung, man ist nicht besser damit bedient in einer Beziehung zwar mit jemandem zusammen, aber unglücklich zu sein. So viele Leute sind mit einem Partner liiert, der gar nicht zu ihnen passt. Seien es Vorstellungen vom Leben, Werte, Erwartungen an den anderen oder die Beziehung. Dennoch bleiben sie zusammen, und das aus verschiedensten (nur allzu menschlichen) Gründen: Angst vor Einsamkeit, vor finanziellen Einbußen, Angst überfordert zu sein, ausziehen zu müssen, den anderen zu verletzen oder einfach, dass man das (unpassende) Gegenstück entgegen aller Fakten verzweifelt liebt. Ja, ich habe es selbst erlebt und nehme mich da keinesfalls raus.

Es kostet viel Kraft, Selbstreflexion und Mut, sich aus so einem Verhältnis zu befreien. S und ich wussten schon lange, dass sich die Mauer nicht einreißen ließ die jeder um sich aufgebaut hatte. Die immer selben Gespräche, Kompromisse die nichts als Floskeln blieben. Irgendwann fuhren wir immer vor dieselbe Wand, und keiner war mehr bereit auf den anderen zuzugehen. Es dauerte Monate bis ich mir eingestand, dass es so nicht ein Leben lang weitergehen konnte. Dass wir uns gegenseitig einfach nicht gerecht werden würden, weil der Partner sich das Leben und auch eine Beziehung vollkommen anders vorstellte. Letztendlich geschah die Trennung im Affekt, während eines Streits den wir schon so oft sinnlos geführt hatten. Er kämpfte nicht darum zu bleiben, und wir waren im Grunde genommen beide erleichtert.

Diese Entscheidung brachte so viel Gutes mit sich. Wir sind beide heutzutage allein, aber weit entspannter. Er hat eine intensive Beziehung zu Nikolai aufgebaut und verbringt weitaus mehr Zeit mit ihm. Ich habe mir einen tollen Job gesucht, zu dem es mich womöglich nicht getrieben hätte wenn S noch daheim wäre und arbeiten ginge. In der Vergangenheit hab ich auch offen darüber gesprochen was geschehen wäre, hätte das mit dem Job nicht so rasch funktioniert. Ja, dann wäre ich zum Amt gegangen. Für mein Kind bin ich stark, und hätte jederzeit meinen Stolz für ihn hinuntergeschluckt. Es ist keine Schande sich vom Staat unter die Arme greifen zu lassen, wenn das für eine Zeit lang nicht anders geht. Dann hätte ich jetzt mehr Zeit mit Niki und irgendwann später eine Arbeitsstelle gefunden.

Der Punkt ist: Es geht immer weiter. Menschen fallen hin und rappeln sich wieder auf. Manchmal bleiben wir einen Moment länger im Staub liegen. Bemitleiden uns, sind verzweifelt, verletzt oder wütend. Doch irgendwann ist es Zeit, den Dreck abzuklopfen. Sich von Freunden und Familie hochhelfen zu lassen und das Geschenk des Lebens niemals zu verachten. Unsere Zeit auf Erden ist begrenzt. Und auch wenn die Zukunft manchmal noch so trist aussehen mag, hält das Leben immer wieder Überraschungen bereit.

Das kann aber nicht passieren, wenn wir im Unglück verharren und uns die Bettdecke über den Kopf ziehen!

Gerade liege ich selbst wieder im Staub und muss mich aufrappeln. Ich habe im Winter mein Herz neu verschenkt. Habe nicht einmal „gesucht“, es passierte einfach und der Mann eroberte mich im Sturm. Ich dachte, dass mein mutiger Schritt im Hoffnung letzten Jahr jetzt belohnt werden würde. Leider hat er mir stattdessen das Herz gebrochen, und Ja, das tut weh. Ja, ich hab das Wochenende durchgeheult, eine Serie geschaut, Pizza gegessen und das Sofa kaum verlassen. Aber wieder einmal bin ich fest entschlossen, durch diese Erfahrung weder zu verbittern noch im Dreck liegen zu bleiben.

Gestern hat eine neue, saubere, frische Woche begonnen und ich habe meinen Nikolai, der sich auf mich verlässt. Ich suche keinen Partner, so sehr ich mich nach einem sehne. Unser Alltag ist schön und geregelt. Ich kann allein für uns sorgen, habe einen guten Job mit netten Kollegen. Niki ist kerngesund und fühlt sich in der Kita wohl. Ich habe wunderbare Freunde und Familie, die für mich da sind. Der Sommer steht vor der Tür. Und wenn ich nach Feierabend mit meinem Wichtel bade, hinterher auf dem Sofa essen und im TV schauen kann was immer ich will, geht es mir gut.

Das gebrochene Herz wird die Zeit heilen. Den Schmerz nehme ich an, denn es bringt nichts ihn zu verdrängen. Es fühlt sich an wie ein Stein in der Brust, und in den bescheuertsten Momenten muss man heulen. Geht wieder und wieder im Kopf durch, was man dem Typ eigentlich noch alles sagen will- aber lässt es, weil das zu nichts führt. Jeder gute Mensch hat es verdient, geschätzt und umworben zu werden. S und ich haben uns nicht getrennt, um vom Regen in die Traufe zu kommen. Sondern um ein Leben in Ruhe und Frieden zu führen. Klar wird mit Alter (und im besten Falle gewonnener Weisheit) die Liste der „Ansprüche“ an einen Partner länger- und die Auswahl damit immer kleiner. So viele Menschen heutzutage sind bindungsunfähig, unehrlich, kommen nicht aus dem Quark (in die Gänge, auf Gutdeutsch!). Meine schlechten Erfahrungen haben mir aber gezeigt, was mir an einem Mann wichtig ist: Respekt, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Loyalität. Wenn das utopisch ist, okay. Dann lieber allein mit meinem Wichtel, als verzweifelt Frösche zu küssen.

Unser Leben ist schön so wie es ist.

6 Comments

  1. Tini Busch sagt:

    Oh ist das schön geschrieben ♡
    Ich habe das alles auch erlebt und bin mittlerweile wieder richtig glücklich! Das wünsche ich Dir auch! Tini ♡

  2. Mama mit Herz💕 sagt:

    Du gibst einem unglaublich viel Kraft und Hoffnung! Das muss ich immer wieder sagen. Wirklich Wahnsinn, danke! 🌸
    LG

  3. Melli sagt:

    Da kann man nicht mehr viel zu sagen, denn du machst und siehst das alles genau richtig! Jetzt einfach weiter auf die positiven Seiten konzentrieren, stark bleiben und der Rest wird sich fügen. ❤😘

  4. Teresa sagt:

    Ich kann mich Melli nur anschließen! Du bist so liebenswert und taff. Dieses passiert jedem und auch vielleicht sogar nochmal. Mir müsste es dreimal passieren, bis mir das Schicksal den richtigen Mann zugespielt hat! ❤️

  5. Maria sagt:

    Ich beneide Dich. Wie du alles meisterst. Ich wünschte, ich hätte auch so viel Mut wie du!

    Du machst das toll. Weiter so 💗

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