Neuanfänge.

Der 01.03.17 war für mich ein magisches Datum. Auf diesen Tag liefen (zumindest gefühlt) all meine Bemühungen und die Veränderungen in unserem Leben hinaus. Dass ich die Trennung durchgezogen und mich neu sortiert habe. Die Zeit des Weihnachtsmarktes, der Jobsuche und dem Hoffen auf einen KiTa-Platz. Die Früchte meiner Arbeit ernte ich gefühlt seit diesem Mittwoch. Dabei hat sich unser aller Leben doch schon vor Monaten zum Positiven gewandelt. S und ich stressen uns nicht mehr im Alltag. Nikolai und ich haben ein schönes Zuhause, das wir nun sogar aus eigenem Antrieb halten können. Weiteres Dankbarkeits-Gezwitscher bleibe euch an dieser Stelle erspart; das instagramme ich ja zur Genüge.

Jedenfalls habe ich dem 01. März entgegen gefiebert, seit die Zusagen für meinen Arbeitsplatz und Nikis KiTa ankamen. Ja, ich habe auf dieses Datum gewartet. Wie gern wäre ich ein Mensch der im Augenblick lebt, so wie Nikolai. Einfach den Tag genießen zu können wie er kommt, ohne Sorgen und Pläne. Ich würde meinen Milchkaffee am Morgen intensiver schmecken, die Farben des Himmels mit neuer Faszination betrachten und vielleicht ebenso erstaunt die jungen Knospen an einem Busch betrachten. Ich könnte das Treffen mit einem geliebten Menschen mehr genießen. Ohne mir Gedanken darüber zu machen wann wir uns wiedersehen, ob die Person vor kurzem blöd zu mir war oder ich mir Sorgen über deren Situation mache.

Stattdessen lebe ich wie viele andere Erwachsene. Reflektiere Gespräche, Situationen, Entscheidungen. Liege nachts wach und denke an die Zukunft. Sei es an morgen („Was haben wir vor? Um wieviel Uhr müssen wir aus dem Haus? Hat Nikolai noch genügend Hafermilch?“), oder den Sommer („Wird sich Problem xy bis dahin gelöst haben? Wann macht die Kita Ferien? Nehme ich mir in der Zeit Urlaub auf der Arbeit?“). Genauso widerstrebt es mir, auf etwas zu warten. So viele Menschen warten darauf, dass ihr Leben endlich anfängt.

„Wenn wir zusammen wohnen, dann wird alles anders“, oder „Wenn der Job anfängt, dann wird alles anders“. Wir klammern uns an einen Vorgang, ein Datum, eine Aktion, die „alles anders machen wird“. Und versäumen dabei oft, die Gegenwart bewusst wahrzunehmen. Es kann die Sicht verklären und den Genuss rauben, auf etwas zu warten.

Gerade in den letzten Wochen musste ich das sehr oft, und mir meine eigene Weisheit täglich ins Gedächtnis rufen. Warten, dass sich die Verhältnisse in der Liebe klären. Dass Er sich meldet, wir uns wiedersehen. Warten, dass der Job anfängt, und ob Nikolai tatsächlich einen Kita-Platz erhält. Ob S den Kleinen pünktlich abholt, und so weiter und so fort. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und stehe zu meinen Entscheidungen. Daher fehlt mir oft die Toleranz für Trödelei und Aufschieberei von anderen- aber das kann man eben zumeist nicht beeinflussen. Menschen haben ihre Gründe dafür, dich warten zu lassen.

In meinem Fall ist all der Stress, die Traurigkeit, das Bangen und Hoffen der letzten Wochen, gut ausgegangen. Ich habe einen aufregenden und aussichtsreichen Job aus eigenem Antrieb bekommen. Mein Kind hat dank meiner Rennerei, Recherche und Telefonate einen Betreuungsplatz erhalten, und das zum denkbar günstigsten Zeitpunkt. S kann mir bei der Eingewöhnung helfen. Das einzig graue Wölkchen trägt die Nummer 7. Doch auf diese Situation habe ich keinen Einfluss, und möchte nicht schon wieder ins Warten verfallen.

Zum Glück greift hier meine bewährte Strategie, die Ablenkung. Ich muss solche Probleme in meinem Kopf zurückstellen um freie Sicht zu behalten. Konzentriere mich auf die deutlich reduzierte Zeit mit Nikolai, meinen Haushalt, Freunde- und natürlich hauptsächlich auf den neuen Job. Das tut gut! Auch während der Warterei auf den 01.03., aka die Neue Ära, habe ich mir kein trübseliges Herumsitzen gestattet. Wenn Nikolai bei S war, habe ich Hosen oder Vorhänge umgenäht, meinen Backofen geschrubbt, Bettwäsche gebügelt. So verging die Zeit allein deutlich schneller, und ich habe sie sinnvoll genutzt. Weniges hasse ich mehr als sinnlose Zeitverschwendung!

Das schlägt den Bogen zurück zum Beginn des Artikels. Natürlich schaffen wir es als verantwortungsbewusste Erwachsene nicht, nur im Augenblick zu leben. Wir müssen reflektieren, aus Vergangenem lernen und in die Zukunft planen. Das ist vernünftig und regelt unseren Alltag. Der Trick ist, sich selbst nicht im Sinnieren oder Abwarten zu verlieren. Reflektiere Vergangenes, aber bereue nicht. Steh zu deinen Entscheidungen und lerne daraus. Denk in die Zukunft, mach Plan B und C, aber hab keine Angst. Das Leben ist schön. Es schenkt uns so viele kostbare Augenblicke, die wir genießen sollen. Einen verwaschenen Morgenhimmel aus rosa Wolken, einen Kuss von deinem Baby. Köstliches Essen, unbekannte Plätze und faszinierende Menschen. Sich an die Vergangenheit zu erinnern ist gut, und wir sollten dankbar für unsere ganz eigene Geschichte sein, mit all ihren Lehren. Genau wie das Planen in die Zukunft ein Zeichen dafür sein kann, dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben- und diese nicht wiederholen möchten. Das Wichtigste bleibt: sich trotz der ewig kreisenden Gedanken in Dankbarkeit üben. Für das Geschenk, am Leben zu sein, und es selbst in die Hand nehmen, genießen und daraus lernen zu können.

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