Ich mach das schon.

Entweder es klappt, oder es klappt zusammen, hat meine Oma immer gesagt.

Vorzugsweise klappt bei mir alles. Ich beantworte Briefe und zahle Rechnungen stets sofort. Schreibe To-Do- und Finanz-Listen, notiere Termine im Kalender und wische jedem Fleck hinterher.

Ja, ich stelle einen hohen Anspruch an mich selbst, und mir macht das auch meistens Spaß. Ich war noch nie jemand, der in den Tag hineinleben und faul herumsitzen kann. Liege nie länger als bis 8.00 im Bett und bin hochzufrieden, besagte To-Do-Listen abhaken zu können. Als Alleinerziehende mit Kleinkind und Hund, beide quirlig und äußerst anhänglich, wünsche aber auch ich mir manchmal, dass da jemand wäre der einige Dinge übernimmt und sich meine Sorgen anhört. Nur hat Jammern noch nie Probleme gelöst, und so habe ich auch in den letzten stressigen Tagen die Tränen heruntergeschluckt und weitergemacht.

Zur Zeit bereite ich nämlich alles für den 01. März vor. Das Datum, welches das Ende meiner Elternzeit und der Zweisamkeit mit Nikolai bedeutet. Wenn ich arbeiten gehe und mein Sohn zu einer Tagesmutter kommt. Ich habe mir diese Zeit immer wie den blanken Horror vorgestellt, als Niki noch ein Stillbaby war. Mir blutete das Herz wenn ich daran dachte, dass er eines Tages mit einem kleinen Rucksack das Haus verlassen und in eine Spielgruppe gehen würde. Aber ich muss sagen, durch die Ereignisse der letzten Monate und die kurzzeitige Furcht vom Amt abhängig zu sein, freue ich mich auf das Arbeiten. Und Nikolai ist mehr als bereit, kleine Freunde und Spielkameraden zu finden. Egal, wo wir sind: er sichtet andere Kinder und umarmt sie liebevoll. Wir sind also beide von ganz allein an den Punkt gelangt, einen neuen Alltag zu beginnen (ohne Training, ohne Tränen, ihr erinnert euch!).

Aber ich rolle das Feld von hinten auf- viele möchten wissen, wie das mit so einer KiTa-Suche funktioniert und was man beachten muss.

Da die Trennung von S natürlich bei Nikis Geburt noch nicht geplant war, und ich eigentlich zwei Jahre mit dem Kleinen zuhause bleiben wollte, gestaltete sich die Suche etwas schwieriger. Vor allem, wenn man auch noch Ansprüche Kriterien wie das Aussehen der Räume, Spielsachen und den Eindruck vom Betreuungspersonal im Kopf hat. Außerdem interessierte mich, wie die Schlaf- und Wickel-Zeiten sind, was gegessen wird, wie groß die Gruppen sind und natürlich, wie lang die Warteliste ist. Ich habe ganz simpel „KiTa Erkelenz“ bei Google eingegeben und mir einige Kandidaten angeschaut. Da ich im Ort keine Mütter mit kleinen Kindern kenne, war das die naheliegendste Lösung.

Um weitere Fragen zu beantworten: Meine Wunsch-KiTa ist ein großes, helles Haus mit einem riesigen Freigehege  Garten. Es gibt drei Betreuerinnen pro Gruppe, Salz- und Zucker-armes Essen und regelmäßige Schlafzeiten in zwei großen Sälen. Jedes Kind hat dort sein eigenes Bettchen, was ich total schön finde. Da die frühste reguläre Aufnahme im August stattfinden würde, bin ich diese Woche zum monatlichen Tagesmutter-Café gegangen, um eine Alternative zu haben. S wird nämlich in kurzer Zeit in eine andere Stadt ziehen und höchstens am Wochenende noch Zeit mit Nikolai verbringen.

Das Thema Kurzfristigkeit bestimmt die Suche nach Betreuung. Denn natürlich haben andere Eltern ihre Kinder schon lange angemeldet und stehen ordnungsgemäß auf den Listen. Aber- eine Trennung kann man nunmal nicht planen, und ich möchte den Lebensunterhalt für mich und Niki selbst verdienen. Für solche „Sonderfälle“ macht die Stadt auch mal Ausnahmen; ist es doch auch in deren Interesse, dass ich arbeiten gehe statt zum Amt (so sagte man mir). Ich war mit der KiTa-Leiterin gleich auf einer Wellenlänge, und sie erklärte mir die nächsten Schritte. Zunächst empfahl sie mir, mich schnellstmöglich beim Jugendamt zu melden und dort mein Antragsformular auf einen KiTa-Platz einzusenden. Denn die Vergabe der Plätze läuft über die Stadt, nicht über die Leiterin selbst. Man lädt das Formular herunter, kann zwei präferierte KiTas sowie die gewünschte Stunden-Anzahl und den Beginn der Betreuungszeit angeben. Das habe ich sofort getan. Dann erzählte sie mir vom monatlichen Tagesmütter-Treff, zu dem ich gleich am nächsten Tag erschienen bin. Dort saßen zwei Tagesmütter in einem Raum mit ihren Gruppen und ich erläuterte meine Lage. Mit viel Glück hat eine der beiden ab Mitte Februar einen Platz frei. Zumindest an drei Tagen die Woche. Das hilft mir schon sehr weiter! Am Dienstag Morgen werden Nikolai und ich uns ihre Gruppe beim Frühstück anschauen und ich hoffe, er mag die Kinder und die Tagesmutter. An den beiden anderen Tagen werde ich mit Nikolais Patentanten eine Lösung finden. Und am Wochenende ist er dann- zumindest voraussichtlich- bei seinem Papa.

Thema Geld: Die Bezahlung der Tagesmutter und auch des KiTa-Platzes wird vom Gehalt abhängig gemacht, plus Kosten für Nikolais Mittagessen. Man kann die Sätze online nachschauen. Und hier schlage ich den Bogen zurück zum Anfang des Artikels. Mache Finanz-Listen, um einen Überblick über Soll und Haben zu behalten. Dass ich nun erst im März- statt wie geplant im Februar- beginne, wirft meine Planung etwas durcheinander. Aber auch für diesen Übergang habe ich einen kleinen Job in Aussicht- und verkaufe eben etwas aus meinem Kleiderschrank bei eBay.

Davon geht die Welt nicht unter- ich mach das schon. Und wenn es doch einmal nicht klappen sollte, sind da meine Familie und wunderbaren Freunde. Ich habe wirklich keinen Grund, mich zu beschweren.

3 Comments

  1. Lisa sagt:

    Wow, du schreibst so toll – einmal angefangen die ersten Sätze zu lesen, wird man in den Bann gezogen und muss den Rest auch noch lesen 🙂
    Ich verfolge deinen Blog nun schon seit einigen Wochen und ziehe daraus einige Tipps für den Alltag mit Baby/Kind.
    Was ich so an dir und deinen Artikeln mag, ist dass du so natürlich und nicht gestellt rüberkommst.
    Und wie du das alles im Moment meisterst – ich denke, ein bisschen Zuspruch tut gut – Hut ab, und das aus ganzem Herzen.
    Ich werde noch den Rest meiner Schwangerschaft gerne von dir lesen. Ich hoffe, mit Baby werde ich dafür auch noch Zeit haben.
    Wenn ich mir deine anderen Beiträge durchlese, bin ich schon gespannt, zu was ich überhaupt noch am Tag kommen werde 😉

  2. melanie sagt:

    ich wollte dir sagen dass ein Vater einen Anteil an den Kindergarten oder kita kosten tragen MUSS. Auch wenn ihr nicht verheiratet wart. Grundlage sind eure Gehälter. Hat er zb 2.000 Euro netto und du 1.000 bezahlt er 2/3. mach dich da unbedingt schlau. Der Vater meiner Tochter bezahlt sogar den ganzen Kindergarten Beitrag.
    (musste es allerdings gerichtlich einklagen da er nicht einsichtig war)

  3. Bianca sagt:

    Ein toller Post, der kleine Mann wird sich zwischen den anderen Kindern bestimmt prächtig entwickeln. Bei meinem Sohn dauerte es ziemlich lange, bis er gerne in die Kita gegangen ist, aber jetzt will er nachmittags gar nicht mehr nach Hause.
    Viele Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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