Öko-Mami?

Gesunde Ernährung. Für mich immer schwerer zu definieren, und als Mami wichtiger denn je. Doch der Grat zwischen Super-Öko und einer Mutter, die ihrem Sohn eine „normale Kindheit“ ermöglicht, wird immer schmaler.
Manchmal wüsste ich die Dinge lieber nicht, die mir über Ernährung bekannt sind. Ich beneide dann die Menschen, welche noch nie eine Nährwerttabelle studiert haben. Die nicht darüber nachdenken, ob das Grillfleisch voller Chemie ist, oder dass ein dickes, saftiges Stück Weißbrot mit Nutella so ziemlich das ungesündeste ist, was man frühstücken kann. Ich würde gern in dieser Seifenblase mitschweben und daran glauben, dass Kelloggs „mit wertvollem Vollkorngetreide“ gesund sind, oder dass „das beste aus der Milch“ gut für uns ist.
All diese Dinge will die Lebensmittelindustrie uns glauben machen- doch sie sind nicht wahr. Gigantische Firmen wollen den Menschen etwas verkaufen, das nicht nur ungesund, sondern oft sogar schädlich ist. Frühstücksflocken, Weizen- und Milchprodukte, Fast Food, Süßigkeiten. Genmanipuliertes Getreide, vor Fett triefendes Takeout, Milchprodukte die wir weder verdauen noch verwerten können (ich habe bereits darüber berichtet). Wie gern würde ich Nikolai ebenfalls in der Hubba-Bubba-Kaugummiblase schweben lassen. Damit er nicht als einziges Kind im Kindergarten keine Ahnung von Happy Meals, Kinderschokolade oder Nutellatoast hat.
Aber wie kann ich das als Mama zulassen? Ich selbst wuchs ohne Fastfood auf. Meine Eltern kochen beide seit jeher frisch und mediterran, und uns hat es weder gefehlt Softdrinks im Haus zu haben, noch eine Fritteuse. Klar gab es mal ein paar Lakritze oder ein Stück Schokolade, zum Frühstück Smacks und auf der Autofahrt ein Sandwich. Aber es wurde stets frisch gekocht. Gemüse, Suppen, Fisch, Pasta, ab und an einen Braten oder ein Steak.
Das ist aber auch wieder 15, 20 Jahre her. Genmanipulation und neue Erkenntnisse über die Lügen der Lebensmittelindustrie beschäftigen mich mehr, als es bei meiner Mutter der Fall war. Während wir uns sorglos Kuhmilch ins Müsli schütteten und köstlich duftendes Brot zum Abendessen genossen, treiben mich heute die Fragen nach Milchersatzprodukten und dem Verzicht auf Weizen um.
Das macht es nicht so leicht, mein Kind schmackhaft und dennoch gesund zu ernähren. Ja, wir essen gern Gemüse. Verzehren selten Fleisch, genießen Fisch und haben die meisten Milchprodukte aus dem Kühlschrank verbannt. Schokolade esse ich selbst kaum, und wenn es mal ein Schälchen voll Chips oder ein Lakritz ist, darf Nikolai auch probieren oder liegt bereits im Bettchen.
Er möchte essen, was Mami isst. Das bedeutet, ihm mit gutem Beispiel voran zu gehen. Mehr noch- ich habe genauso eine Verantwortung, für mein Kind gesund zu bleiben, wie ihn selbst nach bestem Wissen und Gewissen zu ernähren. So greift auch hier ein Mittelweg, mit der Tendenz zur „Öko-Mum“. Ich habe begonnen, das Buch „Weizenwampe“ von Dr. med. William Davis zu lesen. Er erklärt, dass der heutige Weizen kaum mehr etwas mit dem zu tun hat, was unsere Vorfahren vor 50, 60 Jahren konsumierten. Dass die modernen Weizenprodukte den Blutzuckerspiegel rascher und höher ansteigen lassen als Haushaltszucker. Anders ausgedrückt: Weizen ist noch ungesünder als Zucker! Der Verzehr fördert unzählige Volksleiden wie Übergewicht, ADHS, Müdigkeit, Gelenkschmerzen etc. Der Autor (selbst praktizierender Arzt und Familienvater) hat den Selbstversuch gemacht und beschreibt auch anhand dessen, wie der Verzicht auf Weizen seine Gesundheit und Lebensqualität verbessert hat.

Meine Suche nach Milch-Ersatzprodukten hat unseren Kühlschrank bereits deutlich leerer werden lassen (und mein Gourmetherz ein Stückchen trauriger). Nun auch auf Weizenprodukte so weit wie möglich zu verzichten, führt abermals zu diversen Listen und ausgedehnten Supermarkt-Streifzügen. Denn es geht nicht einfach darum, Toast und Brötchen vom Tisch zu verbannen. Sondern auch um andere Produkte wie Nudeln aus Hartweizengrieß, Kekse, Pfannkuchen, Waffeln. Außerdem ist Weizen als Stärke in vielen Fertigprodukten enthalten (die wir sowieso nicht im Haus haben). Wie Fertigsaucen und -suppen, Grießpudding, Burgern, Tiefkühlpizza.

Meine Alternative zu normaler Pasta sind Kartoffeln, Reis und Dinkelnudeln. Dinkel ist ein Verwandter des gängigen Weichweizens, zählt jedoch zu den sogenannten Spelzgetreiden. Das bedeutet, dass das eigentliche Korn noch von einer Schutzhülle umgeben ist, während der genmanipulierte Weizen „nackt“ an der Ähre wächst (weil er dann schneller zu verarbeiten ist). Dinkel gilt als veträglicher und vor allem ursprünglicher. Neben den Nudeln verwende ich schon seit geraumer Zeit ein kräftiges Dinkelmehl (Type 1050). Sowohl für meine Pizza, als auch für Waffeln oder Pfannkuchen. Es schmeckt keineswegs „öko“, wie das bei normalen Weizenvollkornwaffeln zum Beispiel der Fall ist. Sondern einfach lecker, mit einem besseren Gewissen. Auch Burger-oder Frühstücksbrötchen lassen sich damit herstellen (und das schmeckt ebenfalls richtig gut). Fertigpuddings hatten wir ohnehin fast nie im Kühlschrank.

Unsere Kohlenhydrate bestehen also aus: Dinkel- Nudeln/-Pizza/-Brötchen/-Pfannkuchen, Kartoffeln oder Reis. Dazu gibt es Gemüse, Fisch, Bio-Eier, selten Hühnchen oder ein Steak. Milch gerät „pur“ lediglich in meinen Kaffee. Ins Fläschchen kommt Hafermilch, Jogurt kaufe ich auf Mandelmilch- oder Lupinen-Basis. Sahne gibt es auch auf Haferbasis. Ungesünder sind gelegentliche Stücke Parmesan, Camembert oder Serranoschinken. Niki und ich frühstücken zumeist Rührei oder Vollkornmüsli. Brötchen gibt es ohnehin selten bei uns. Ja, ich bin trotz dieser gesund aussehenden Liste keine Audrey Hepburn! Ich könnte noch schlanker sein, aber mir geht es ja nicht primär um die Bikinifigur, sondern unsere Gesundheit. Und hier kommt mein geliebter Mittelweg ins Spiel. Leben heißt genießen. Und wollte ich eine 60 cm Taille, wäre das Glas Wein zum Essen verboten. Die bereits erwähnte, gelegentliche Schale Chips (Lay’s Light gesalzen! Nur drei Zutaten und 30% weniger Fett 😉 oder die aufgezählten Kohlenhydrate. Ich möchte Niki ja keinen Diätplan aufzwängen. Er soll Freude am Essen haben, aber eben auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, seinen Körper gut zu behandeln. Und da sind Dinkelspaghetti mit Gemüse oder ein Stück Lachs mit Kartoffeln und Kürbis meiner Meinung nach ein guter Mittelweg. Vielleicht treibe ich es irgendwann noch weiter und bemühe mich, mehr organisches Essen zu kaufen. Angesichts meiner (finanziellen) Situation und auch dessen, dass lange nicht überall Bio drin ist wo es draufsteht, schiebe ich das aber auf.

Abgesehen davon: Du bist, was du isst! Passt auf Euren Körper (und den eurer Kinder) auf.

1 Comment

  1. Vielen Dank für euren tollen Beitrag.

    Ich lese bereits länger auf eurem informativen Weblog.
    Und heute musste mich mal ein kurzen Kommentar schreiben und ein „Danke“ hinterlassen.

    Macht genauso weiter, freue mich schon auf den nächsten Beitrag

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