Weiter, Mami!

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Unser Leben befindet sich derzeit im Umbruch. Mit S‘ Entscheidung, zurück zur Uni zu gehen, erwuchsen bei mir Existenz- und Zukunftsängste. Wie die meisten Menschen bin auch ich keine Freundin von einschneidenden Veränderungen. Besonders dann nicht, wenn man diese nicht selbst herbeigeführt hat. Meine Ängste nach der Trennung waren, dass Nikolai darunter leiden könnte und ich auf immer und ewig allein bliebe.

Mit letzterem würde ich noch zurechtkommen, und Niki leidet keineswegs. Im Gegenteil, er verbringt mehr Zeit mit seinem Papi denn je. Zu meinen anfänglichen Ängsten kommt aber nun, dass ich keine Wohnung für uns finden und wir arm wie die Kirchenmäuse leben könnten.

Ja, ich weiß, als bekennende Optimistin kann ich recht wilde und dramatische Szenarien im Kopf kreieren. Aber es ist vielleicht auch nur natürlich, als Mami mit einem kleinen Kind großen Respekt vor der Aufgabe zu haben. Ihm ein stabiles Zuhause geben zu können. Sein Essen, Spielsachen, Schulausflüge stemmen zu können.

Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich tagtäglich mit genau diesen Problemen herumschlagen. Die einen hatten mehr Glück, die anderen weniger. Ich jedoch habe mir nach meiner Singlezeit damals in Düsseldorf vorgenommen, nie wieder zu arm zu sein um mir bei 40 Grad Fieber Medikamente leisten zu können. (Meine Wohnung war damals einfach zu teuer!) Ich zog nach Aachen, ackerte neben der Uni in zwei Jobs und schaffte mir ein schönes finanzielles Polster an.

Das war damals natürlich leichter als heute. Ich hatte kein kleines Baby zu versorgen, das frühestens im April in eine KiTa aufgenommen wird. Ich hatte Zeit am Tag zu arbeiten, und schlief nachts durch.

Einige Tage lang kämpfte ich kürzlich also mit dem inneren Sturm. Zweifel, Sorgen und Ängste beherrschten meine Gedanken. Wo würden wir wohnen? Wovon soll ich das bezahlen? Was soll aus uns werden?

Nein, S lässt uns nun nicht allein auf weiter Flur. Aber dennoch muss ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass er bald in eine andere Stadt zieht. Dass er das Einkommen nicht in der Hand hat und wir in der Gunst seiner Familie stehen. Als Mädel, das seit ihrem 18. Lebensjahr immer selbst für sich aufgekommen und vom lieben Gott mit ein wenig Talent gesegnet ist, möchte ich das nicht so stehen lassen. Ich habe mich also aufgerappelt und mache weiter. Es nutzt nichts, sich von der Angst kleinmachen zu lassen. Ich habe einen sorglosen Zwerg, der bitteschön fröhlich und unbeschwert bleiben soll. Ich habe einen Uniabschluss und bin nicht auf den Kopf gefallen. Weiter, Mami!

Ja, es ist nicht schön, dass ich diesen Winter einen alten Mantel auftragen muss der schon für die Kleidersammlung beiseite lag. Und ja, mein Auto ist nicht mehr das jüngste. Liebend gern würde ich in der Weihnachtszeit wie gewohnt Geschenke shoppen, mit meinen Mädels Städtetrips machen, Nikolai UGG-Boots kaufen, eine Kamera zum Bloggen anschaffen. Aber jetzt ist nicht die Zeit für Konsum. Ich halte meine Taler beisammen und habe Anfang November ein Gespräch beim Amt, wie man so schön sagt.

Ja, da muss ich meinen Stolz herunterschlucken. Aber es geht um das Wohl meines Kindes, und da würde ich weitaus gefürchteteres tun um dies zu gewährleisten. Ich weiß, dass sich Millionen von Müttern mit diesem Thema plagen. Und möchte um Himmels Willen niemanden in eine Schublade stecken, der bereits Erfahrung damit hat. Für mich ist es einfach neu, mich in so eine Abhängigkeit begeben zu müssen. Nicht selbst aktiv für uns aufkommen zu können. Auch wenn ich so lediglich die Zeit überbrücke, bis Nikis KiTa beginnt und ich arbeiten gehen kann. Es ist doch ein seltsames Gefühl.

Mit der Trennung komme ich bisher zurecht, weil wir uns gut verstehen und nur wenige Häuser zwischen uns liegen. S kommt täglich vorbei um mit Flocke und Niki spazieren zu gehen, wir reden und sind friedlich miteinander. Dass unsere jetzige Wohnung nur noch bis März 2017 bezahlt ist, wusste ich vorher. Aber natürlich ging ich davon aus, dass S bis dahin auf der Arbeit noch einiges erreichen und uns weiterhin unterstützen würde. Ich wollte zwei Jahre lang Mama und Hausfrau sein, bevor Niki in die KiTa und ich zur Arbeit gehen würde.

Jetzt heißt es: Umdenken und weitermachen. Ich kann und will mir Schwäche nicht erlauben. Habe bereits einige Bewerbungen verfasst und eine Liste von Fragen an die Dame beim Sozialamt verfasst. Ich möchte wissen, ob wir einen Wohnberechtigungsschein erhalten. Wie ich die Zeit bis April finanziell überbrücke und was mit unserer Krankenversicherung ist. Wie groß die nächste Wohnung sein darf. Fragen, von denen ich niemals ausgegangen bin sie je stellen zu müssen.

Von dem Gespräch dort werde ich Euch berichten. Und habe mich im Übrien entschlossen, in der Kleinstadt wohnen zu bleiben in der wir jetzt sind. Ich möchte nicht mehr in der Großstadt wohnen. Und auch nicht an S‘ Uni ziehen, denn Niki soll mit den Freunden aus seiner Kita auch zur Schule gehen können, ohne ständig den Wohnort wechseln zu müssen. Hier ist es ruhig, und wir brauchen zu jeder Freundin oder meiner Familie höchstens 1 Autostunde. Ich kann mir gut vorstellen, hier zu arbeiten und uns ein idyllisches Leben aufzubauen (den Traum vom Gemüsegarten gebe ich nicht auf!).

Bis dahin konzentriere ich mich auf das Positive und unsere Zukunft. Schreibe an meinem Buch, arbeite am Blog und suche mir Firmen heraus, in deren Büros ich vielleicht einen Job bekäme. Ich werde weiterhin schöne Stunden mit Freunden verbringen, aber an einigen Stellen zurückstecken. Im Supermarkt nicht mehr einfach kaufen, was ich will, sondern was wir brauchen. Unnötiges wie den Thermomix verkaufen, und keinen neuen Luxus (wie Parkas einschlägiger Firmen) anschaffen. Damit ich mit einem ruhigen Gefühl in mein altes, treues Auto steigen und dieses wenn nötig reparieren kann. Damit Niki warme Winterkleidung bekommt und unsere Rechnungen so lange von meinen Ersparnissen bezahlt werden, bis ich ein wenig Hilfe bekomme.

Es geht uns ja gut. Der Kühlschrank ist voll, wir sitzen im Warmen und können nach wie vor kleine Ausflüge machen. Nikolai bemerkt von meinen Umstellungen höchstens, dass ich keine Nanny mehr bestelle. Kinder brauchen so wenig um glücklich zu sein. Ihre liebsten Menschen, Essen, gemeinsam mit Flocke im Herbstlaub rascheln. Daran nehme ich mir ein Beispiel: wie Nikolai den Moment leben und sorglos in die Zukunft blicken. Hauptsache, wir sind zusammen.

Von hier an- immer bergauf!

10 Comments

  1. Janine sagt:

    Ich bin sehr stolz auf Dich. Wirklich – jedes Mal aufs neue schaffst du es Dich aufzuraffen! Wer Dich als Mensch in seinem Umfeld hat, kann von Glück sprechen.
    Du bist toll und stark.
    Wie gerne würde ich mal mit dir einen Kaffee trinken und einfach mal quatschen 🙂
    Hab einen schönen Tag meine Liebe.

  2. Sophia sagt:

    Liebe Madline,
    ich habe ganz großen Respekt vor deinem Leben und finde es wahnsinnig toll wie du dein Leben mit Flocke, Nikolai und auch S. meisterst. Ich freue mich über jeden Blogeintrag von dir (okay, außer Rezepte, ich hasse kochen 😅) und lese sie total gerne. Ich selber lebe in einer grauenhaften Beziehung mit Verboten und Streit, darf mit meinen 22 Jahren nur Hausfrau und Mutter sein. Dennoch würde ich mich nicht diesen Schritt trauen Alleinerziehende zu sein, zu groß wäre mein Angst vor allem was auf mich zukäme. Während der SS waren mein Freund und ich für einige Wochen getrennt, da hatte ich auch alle Amtsbesuche vor mir und ich muss sagen – je nach Sachbearbeiterin hatte ich Glück oder Pech.
    Aber du machst es ganz wunderbar – ich mag deine Art zu denken. Mach weiter so, unsere Kinder haben es nicht verdient dass wir mit gesenkten Köpfen durch die Gegend laufen. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihrer Unbeschwertheit und sind glücklich darüber dass wir gesunde, aktive Kinder haben, die wir von ganzem Herzen lieben. 💕

    • NikiMami sagt:

      Liebe Sophia, vielen Dank für deine Worte! Ich wünsche dir Kraft für die Zukunft und alles Gute. Das Leben IST kurz. Ich hoffe, dass du jeden Tag glücklich bist und zufrieden mit dem Alltag den du führst ❤️ Das ist das wichtigste!

  3. Bo sagt:

    Powerfrau💪🏻 toller Artikel – Probleme brauchen einfach nur Lösungen 👊🏻

  4. Nadine sagt:

    Du verdienst den größten Respekt. Allein für die Tatsache, dass Du dieses Umdenken schaffst. Ich selbst habe große Probleme damit. Weiter so!

  5. Elisa sagt:

    Liebe Madline,
    den Artikel hast du super geschrieben. Ich finde es großartig das du so positiv, offen und ehrlich bist . Ich befinde mich grade in der gleichen Situation , mein Baby ist 7 Monate alt und der Papa ist nun ausgezogen . Ich lese so gern von dir , denn es macht mir Mut!
    Sei weiter so stark und positiv!!!

    • NikiMami sagt:

      Liebe Elisa, ich wünsche dir dieselbe Stärke und liebste Menschen um dich herum! Wir Mamis sind Superheldinnen💪🏼 Und können alles schaffen! 😘

  6. Antonia sagt:

    Liebe Madline,

    ich bewundere dich für deinen Mut und deine postitive Ausstrahlung und Energie! Ich ziehe meinen Hut vor dir!

    Mein Freund hat sich vor einer Woche plötzlich von mir getrennt. Es tut sehr weh, wenn man lediglich den Satz „Ich liebe dich nicht mehr“ nach 2,5 Jahren Beziehung hingeknallt bekommt und einfach nicht mehr erfährt. Ich versuche tapfer die schwere Zeit durchzustehen, auch wenn es sehr oft Momente der Verzweiflung und Einsamkeit gibt. Ich habe aber tolle Freundinnen die für mich da sind.
    Und deine Snaps muntern mich unheimlich auf!!!

    Ich danke dir dafür. Du bist so sympathisch! Mit dir würde ich gerne mal quatschen und Kaffee trinken gehen 🙂

    • NikiMami sagt:

      Ach, meine liebe Antonia, das tut mir unheimlich leid für Dich! Ich wünsche Dir Kraft und einen Blick aufs Positive ❤️ Das Leben ist kurz und kann so schön sein! Ich bin ganz sicher das Schicksal hält etwas wunderbares für dich bereit. Es freut mich sehr, dass wir dich zumindest ein wenig aus der Ferne aufmuntern können 😘!!

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