Krieg und Frieden­čĽŐ

Am Mittwoch hatte ich einen Tiefpunkt. Nach einem sonnigen Mittag bei meiner Familie stellte sich heraus, dass mein guter alter Mini mal wieder in die Werkstatt musste. Die Bremse lie├č sich beinahe ganz durchtreten, ich konnte also unm├Âglich mit dem Wichtel und Flocke heim fahren.Nachdem Nikolai mehrere Wutanf├Ąlle gehabt hatte, freute ich mich eigentlich auf einen Kinoabend mit meiner Freundin, w├Ąhrend S den Zwerg ins Bett bringen sollte. 

Pustekuchen. Ins Kino ging nicht ohne Auto, ich kam ja nicht einmal von meiner Familie die halbe Stunde Fahrtzeit nach Hause. 

Zu unserem Gl├╝ck holte uns eine meiner Freundinnen in D├╝sseldorf ab.

Unendlich dankbar stieg ich zu ihnen ins Auto und freute mich sogar ein wenig auf S. Ich hatte mir ein wenig Anteilnahme vorgestellt, und dass er den Kleinen ins Bett bringen w├╝rde, w├Ąhrend ich in Ruhe duschen und in den Feierabend rutschen k├Ânnte.

Auch dieser Plan war f├╝r die Katz.

S nahm zwar Nikolai entgegen, aber statt dem erhofften Feierabend waren wir gleich in eine Diskussion verwickelt, sobald die Haust├╝r sich schloss.

Er hatte mir eine Kamera gekauft- eine Geste, die mich eigentlich sehr freute. Dass er sich Gedanken gemacht und diese auch in die Tat umgesetzt hatte.

Er wei├č, dass ich seit Monaten ├╝ber eine tolle Kamera nachdenke (und schon eine ausgesucht hatte, f├╝r die das Geld eigentlich auch schon bereitliegt). Ich war ├╝berrascht dass er die Sache in die Hand nahm und gespannt, f├╝r welches Modell er sich entschieden hatte.

Schlussendlich war es eines, das man nicht per Fernausl├Âser bedienen und kein Wechselobjektiv darauf installieren kann. Kurzum, ich versuchte ihm freundlich zu erkl├Ąren dass er die gut gemeinte Kamera wieder umtauschen m├Âge.

Das wollte S nicht einsehen, wir kamen vom H├Âlzchen aufs St├Âckchen und redeten uns um Kopf und Kragen. Indes kr├Ąhte das Wichtelchen schon w├╝tend von unten zu uns herauf, es war m├╝de und musste ins Bett.

„Serghei, bitte nimm den Kleinen jetzt“, rief ich, „ich ertrage das Geschrei heute nicht mehr“. Ja! Nikolai hatte mich in der Nacht zuvor st├╝ndlich geweckt. Das Fr├╝hst├╝ck wurde zerbr├╝llt, genau wie das Mittagessen. Ich war fertig. Das Auto, das Baby, meine Freundin um den Gefallen zu bitten uns zu kutschieren- ich wollte einfach in Ruhe duschen und aufs Sofa. 

Aber wie auch zuvor in der Beziehung hatte S ├╝berhaupt keinen Sinn f├╝r meine Bed├╝rfnisse. Meine Aussage wurde mit einem abf├Ąlligen Kommentar beantwortet, und sobald ich Nikolais K├Âpfchen aufs Kissen gebettet hatte, verschwand S aus der Wohnung in sein eigenes Nest.

Ich blieb w├╝tend und entt├Ąuscht zur├╝ck. W├╝tend, dass wir ├╝berhaupt kein vern├╝nftiges Wort gewechselt hatten. Dass er mich nicht verstehen wollte. Dass die Kamera nicht die richtige war, obwohl S sich M├╝he gegeben hatte.

Unter der lang ersehnten Dusche ging ich im Kopf m├Âgliche Sprachnachrichten-Texte an S durch (kennt ihr das?).

Letztlich meldete ich mich bis zum n├Ąchsten Tag nicht bei ihm. Stattdessen genoss ich einen Lieblingsfilm und schlief danach beruhigt ein. 

Am n├Ąchsten Morgen ging die Zankerei weiter. Ich fragte, wieso es jetzt so zwischen uns sein muss. S antwortete knapp, das sei eben so, und nahm Nikolai f├╝r den Vormittag mit zu sich. Ich blieb mit einem Klo├č im Hals sitzen. Die Zeit des Rosenkrieges meiner Eltern fiel mir wieder ein, und daran denke ich wirklich nicht gern zur├╝ck. Streit ├╝ber Geld, Streit ├╝ber die Kinder, Streit ├╝ber Streit. Ich m├Âchte das so nicht f├╝r uns. Nat├╝rlich ist es utopisch, eine Trennung in Friedefreudeeierkuchen durchzuziehen. Wom├Âglich erleichtert ein wenig Wut den Schnitt, und h├Ąlt einen auf Kurs. 

Ich hatte mich n├Ąmlich am Vortag noch dabei erwischt, von einer Vers├Âhnung nach ein paar Monaten zu tr├Ąumen. Dadurch, dass wir uns so gut verstanden und er sich sogar ├╝ber eine Kamera informiert hatte, lie├č ich diese Gedanken zu. Das macht es aber nicht leichter, auf seinem Weg zu bleiben. F├╝r den man sich entschieden hat, weil es gute Gr├╝nde daf├╝r gab- nein, gibt. Wir sind nach wie vor sehr verschieden. Wir haben uns lange und viele Chancen gegeben, im Alltag zusammenzupassen. S war schon seit einiger Zeit genervt davon, auf welche Art ich meinen und Nikolais Alltag gestalte, genau wie ich andersherum keine Geduld f├╝r seine Vorlieben hatte. 

Diese Differenzen sind nunmal nicht wegzudenken, und eine Vers├Âhnung w├Ąre zum einen harte Arbeit, und zum anderen wohl gar nicht klug. 

Wir verbrachten den Tag vor Nikolais Geburtstag jedenfalls getrennt (obwohl S nicht ins B├╝ro musste) und das Baby ├╝bernachtete am Abend bei ihm. Ich machte mit meiner Freundin einen relaxten Ausflug aufs Boot und auch S hatte einen angenehmen Abend mit Freunden und Niki.

Am n├Ąchsten Morgen trafen wir uns zum Geburtstags-Fr├╝hst├╝ck. Die Stimmung war wieder friedlich. Wir sprachen dar├╝ber, dass es okay ist dass die Beziehung das erste Lebensjahr unseres Sohnes nicht ├╝berlebt hat. Dass es am wichtigsten ist, dass es dem Baby gut geht, dass wir gl├╝cklich und friedlich miteinander sind. Auch wenn das bedeutet, dass man eben nicht als Paar, sondern in Freundschaft ein Team bildet. 

6 Comments

  1. Julia sagt:

    Hallo liebe Ouilavie!
    Ich finde du bist eine sehr starke Frau, du machst das alles gro├čartig. Ich befinde mich in einer ├Ąhnlichen Situation und h├Ątte gerne diese Kraft und positiven Gedanken! Ich w├╝nsche dir und deinem Baby alles erdenklich Gute. LG Julia

  2. Kathi sagt:

    Du bist so unerschrocken ehrlich und meisters eure Situation so gut ! Mein aller gr├Â├čsten Respekt ÔŁĄ´ŞĆ
    Ich verfolge deinen Block / Instagram / snapchat Account total gerne.
    Ich bin leider auch erkrankt & sehe dich als Vorbild an, da du alles echt probierst unter einem Hut zu bekommen & dich gegen den perfekten Schein stellst ­čÖé
    Du bist ehrlich und menschlich!
    Weiter so ­čÖé

    • NikiMami sagt:

      Liebe Kathi, danke f├╝r deine Worte! Ich w├╝nsche Dir alles Gute auf deinem Weg und freue mich sehr dass du uns so gern folgst ÔŁĄ´ŞĆ

  3. Leas_mama_30 sagt:

    Liebe Madline,
    du bist so eine Powerfrau. Ich bewundere dich ­čśś

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