Unser neues Leben🌾

Am Freitag hat Nikolai zum allerersten Mal nicht bei mir geschlafen. Er war ĂĽber Nacht bei seinem Papa, während Mami mit ihren Freundinnen ausgegangen ist (auch zum 1. Mal seit 2 Jahren). Ich war ruhig und vertraute darauf, dass die Jungs gut klarkommen wĂĽrden. Die Mädels und ich hatten einen wunderschönen Abend bei Pasta und guten Gesprächen. Es war rundum perfekt und am nächsten Morgen brachte S mir den Kleinen zurĂĽck. Alles hatte gut funktioniert und Niki schrie zu keiner Zeit verzweifelt nach Mami.

Natürlich fiel uns beiden ein Stein vom Herzen, dass auch dies möglich ist. Das gibt mir die Gelegenheit, auch abends nochmal Freundinnen zu treffen. Und S kann weiter an seiner Beziehung zu N arbeiten, wenn dieser auch mal bei ihm übernachtet.

Bisher kriegen wir die neuen Regeln wirklich super hin. Wir haben uns eingestanden, dass unser Verhältnis so nicht weitergehen kann. Und unseren Frieden mit dem Status Quo gemacht. 

S war ein wenig verletzt ĂĽber den Konsens, dass N und ich es „auch allein schaffen“.

Dabei haben wir eine friedvolle und Niki-gerechte Lösung gefunden, in der ich wirklich nicht auf mich allein gestellt bin.

Ich bin nicht das „klassische Opfer“ einer Trennung, in der der Mann wie im Film Frau und Kind sitzen lässt, und nie mehr gesehen wurde. Es beginnt schon damit, dass ICH die Entscheidung getroffen habe dass wir so nicht weitermachen können. Ja, S ist ausgezogen. Aber das bedeutet nicht, dass er aufhört uns zu unterstĂĽtzen. 

Er geht seit der Trennung und seinem Auszug täglich morgens und abends mit Flocke und Nikolai spazieren.

Da ich mit meinem Blog (noch) kein Geld verdiene und Vollzeit-Maman bin bis Nikolai in einem Jahr in die KiTa geht, bin ich darauf angewiesen dass entweder mein „Ex“ oder „das Amt“ mir mit meinem Lebensunterhalt hilft. 

Das mag auch fĂĽr die eine oder andere von euch interessant sein: Wie komme ich nach einer Trennung klar? Windeln wollen gekauft und das Baby gefĂĽttert werden. Man hat zumeist Miete zu zahlen und die Rechnungen stapeln sich rasch. 

In meinem Fall ist die Lösung simpel: Auch diese Aufgabe meistern S und ich gemeinsam.

Es ist paradox und bittersĂĽĂź- aber in der jetzigen Situation sind wir ein besseres Team als in der Zeit unserer Beziehung. Da es kein böses Blut zwischen uns gibt, ist jeder an der bestmöglichen und friedlichsten Lösung interessiert. 

Das bedeutet konkret: S schickt mir im Monat einen freiwilligen Betrag, mit dem ich fĂĽr N und mich aufkommen kann. Ich muss weder meine Familie noch das Sozialamt noch meine Ersparnisse beanspruchen. 

Fairerweise muss man dazu sagen, dass ich in den 3 1/2 Jahren unserer Beziehung den GroĂźteil der Finanzen sowie Arbeit hinter den Kulissen gestemmt habe. Anstandslos bin ich fĂĽr jeden Engpass, meine Rechnungen und unseren Alltag aufgekommen.

Jetzt, wo ich durch das Vollzeit-Mamasein eingespannt bin, kann ich eben nicht „nebenher“ arbeiten. Selbstverständlich wĂĽrde ich es tun, wäre es lebensnotwendig. So viele Mamis sind in ähnlichen Lagen dazu gezwungen. Ich darf die Zeit mit dem Wichtelchen noch genieĂźen und an meiner Autoren-Karriere feilen. Erlebe seine neuen Fähigkeiten hautnah, begleite seinen Alltag und verpasse keine Neuigkeit. Gerade jetzt, wo kleine Geschwisterchen in den Sternen stehen und sich alles verändert, bin ich unendlich dankbar dass ich das Team Mami-Nikolai nicht auflösen muss. 

Zu unserer Trennung gehören zwei, und S hilft mir, dies bestmöglich zu regeln. Es hat sich nicht viel an unserem Leben verändert, außer dass wir uns nun gar nicht mehr küssen und er nicht hier schläft. Ansonsten bleibt alles beim Alten. S geht arbeiten, erledigt die Morgen- und Abendrunde mit Flocke und genießt die Zeit mit seinem Söhnchen.

Was, wenn er verschwunden wäre?

Sicher brennt einigen Leserinnen die Frage auf der Seele, was man machen kann wenn der Ex nicht so freimĂĽtig zur UnterstĂĽtzung einspringt, aus welchen GrĂĽnden auch immer.

Ich habe mit einer Freundin gesprochen die genau das leider durchmachen muss. In dem Fall gibt es zwei Optionen.

Nr.1) Ihr habt vor der Ankunft Eures Babys gearbeitet und das Arbeitsamt ist fĂĽr Euren Unterhalt zuständig. Ich hingegen habe bis zu Nikis Geburt meinen Literaturabschluss gemacht, und mein Nebenjob im Fitnessstudio wurde mir gekĂĽndigt als ich von der Schwangerschaft erzählte. Wer jedoch Arbeitslosengeld bekommt, der kann dieses im Zweifelsfall (wenn es nicht ausreichen sollte) aufzustocken. Dazu wendet Ihr euch an das 

Nr. 2) Sozialamt.

Dort wird man euch sagen, dass Euch neben den 404 € Hartz IV auch 237€ Unterhalt pro Kind zustehen (bis zum 6. Lebensjahr). Man bezahlt von hier an keine Krankenversicherung, erhält jedoch dann auch Kindergeld mehr. Ihr mĂĽsst Eure KontoauszĂĽge der letzten drei Monate einreichen und das Gehalt des Vaters wird ĂĽberprĂĽft. Ein fester Satz wird davon abgebucht. Von diesem Anteil erhaltet ihr die erwähnten 237€, der Rest wandert in die Kasse des Amts (wozu kann ich nicht genau sagen; bitte beachtet dass diese Informationen lediglich der Orientierung dienen. Ich bin keine Beamte der Jobcom). Zusätzlich erhält man pro Kind 36% von den 404€ (also 145,44€). Mit einem Baby käme ich also auf gut 700€. Man wĂĽrde mir die Miete fĂĽr eine angemessen kleine Wohnung zahlen und ich mĂĽsste mit den 700 € haushalten. 

Nun muss ich sagen, dass ich in der sehr glücklichen Lage bin dies alles nicht tun zu müssen. Ich kann nicht nur in unserem Zuhause bleiben, sondern werde auch noch von Nikolais Papa darin unterstützt, unser Baby aufzuziehen und für ihn da zu sein. Das ist ein Riesen-Privileg, für das ich S in der Tat sehr dankbar bin! Wie viele Mamis müssen nach der Trennung vom Vater ihres Kindes so schnell wie möglich arbeiten und kratzen dennoch am Existenzminimum? Ich habe den größten Respekt vor Mädels wie auch meiner Freundin, die sich auch da mit erhobenem Haupt durchbeißen.

Ich verstehe, dass viele Menschen aus Angst fĂĽr diesen „Unannehmlichkeiten“ lieber zusammen bleiben, auch wenn sie sich gegenseitig unglĂĽcklich machen. Dass man bis zuletzt hofft, das harmonische Familienleben, das Häuschen und die Geschwister doch noch auf die Reihe zu kriegen.

Aber ich wäre den Schritt auch dann gegangen, wenn S nicht so ein groĂźartiger Ex wäre. Denn ich habe zusätzlich eine wunderbare Familie, sehr loyale Freunde- und bin selbst nicht auf den Kopf gefallen. Ja, das Leben ist mir eben zu kurz, um jahrelang in einer unglĂĽcklichen Situation zu beharren. Ich kann hier nur fĂĽr mich sprechen und möchte mir ĂĽber keine fremde Situation ein Urteil erlauben! Aber Nikolai und ich erfahren einen RĂĽckhalt, der die getroffene Entscheidung nichts als befĂĽrwortet. Der Papa ist fĂĽr uns da. Kein Familienmitglied ist wĂĽtend, im Gegenteil. Jeder unterstĂĽtzt unsere Suche nach GlĂĽck und innerem Frieden. Und unsere Freunde unternehmen täglich etwas mit mir und Baby. Sodass mir nicht die Decke auf den Kopf fällt und S beruhigt arbeiten kann. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Nach einer so langen Zeit der Verzweiflung, des Festhaltens und der Verhandlungen finden wir so langsam wieder zu uns selbst. Statt den Beziehungsproblemen steht Baby Nikolai im Fokus, und das ist gut so. Jeder hat Zeit fĂĽr sich und man versteht sich. 

Es ist also nicht so, dass N und ich es ohne S schaffen mĂĽssen. Und das wollen wir auch nicht. S und Niki sollen ein tolles Verhältnis haben, sie sollen Zeit verbringen. Und ich kann dafĂĽr weiterhin Vollzeit-Mami und Autorin-im-Training sein. Weil wir uns dazu entschieden haben, eine glĂĽckliche Familie zu sein. Wenn schon nicht als Beziehung, dann doch als Freunde mit einem wunderbaren Baby. 

2 Comments

  1. tessa sagt:

    Schön, dass ihr eine Lösung gefunden habt die für euch beide passt. Hoffentlich bleibt alles so entspannt 🙏💚

  2. Bianca sagt:

    Ein sehr ehrlicher und gut geschriebener Beitrag. Ich finde es schön, dass ihr beide versucht, für euren Sohn weiterhin ein Team zu sein, auch wenn ihr kein Paar mehr seid. Davon wird der Kleine bestimmt sehr profitieren.
    Viele GrĂĽĂźe Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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