Mama Muh und Du

Im letzten Artikel sprach ich vom Schicksal der Milchkühe, deren Muttergefühle den unseren durchaus ähnlich sind. Und denen gegenüber ich mich solidarisch zeigen und ab sofort auf Massenproduktions-Milch (-Produkte) verzichten möchte.

Seit dem Erscheinen meines letzten Eintrags habe ich bereits einige Nachrichten zu dem Thema erhalten und möchte diese sowie meine bisherige Recherche hier kurz zusammentragen.

1) Kuh Plus Du

Eine liebe Abonnentin (Danke, Kristina!) wies mich auf die Website „kuhplusdu.de“ hin. Sofort schaute ich nach und es ist genau das, was ich gesucht habe. Dort treten Menschen wie du und ich für die Rechte der Milchkühe ein. Zum Beispiel, dass diese ihre Kälbchen eine Zeit lang stillen dürfen (denn dafür ist ein Euter da!) und nicht ganzjährig im Stall gehalten werden. Wie ich dort las, sehen nämlich viele Mama Muhs kein Tageslicht, keine grünen Wiesen. Und das alles, um die unersättliche Menschheit zu bedienen.

Was ich auch toll finde ist, dass man auf dieser Website Höfe finden kann, die den Kühen zumindest etwas Mutterschutz genehmigen und diese auch nach draußen lassen. (Link: http://www.kuhplusdu.de/wp-content/uploads/hofliste-alternative-kaelberaufzucht.pdf)

2) Problem Aptamil

Die meisten Fläschchen-Milchpulver basieren auf Kuhmilch. Wenn ich darüber nachdenke, wie weit die Palette an Produkten weltweit reicht für die man Kuhmilch braucht, wird es ganz schön laut in meinem Kopf.

Jedenfalls hat N sich bekanntlich selbst vor einem Monat abgestillt und nimmt meine Brust nur noch nachts 1-2 Mal.

Am Tag schläft er zu beiden Nickerchen mit seinem Aptamil-Fläschchen ein, und ein drittes trinkt er beim Zubettgehen.

Wie soll ich das ersetzen? Das Saugen beruhigt ihn, ich möchte also auf das Gutenacht-Fläschchen nicht verzichten.

Ich habe mit meinem Kinderarzt gesprochen und nach Alternativen gefragt.

Der hat mir einige Szenarien erläutert die ich hier weitergebe.

In Apotheken gibt es ein milchfreies Allergiker-Spezialpulver, für Babys die kein Kuhmilcheiweiß vertragen (führender Hersteller: Neocate). Wenn man allerdings keine familiäre Vorgeschichte mit Allergien hat, sollte ein gesundes Baby nicht mit Nahrung gefüttert werden die für ein krankes bestimmt ist (auch nicht „vorsorglich“, wie einige meinen.)

Möchte man also Aptamil mit natürlichen Lebensmitteln ersetzen (bei einem 10 Monate alten, gesunden Baby wie N), gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Ich habe mich für folgendes entschieden:

Die drei Fläschchen werde ich durch Hafermilch ersetzen. Diese stelle ich selbst her, was zwar „öko“ klingt aber hey, es geht um die Gesundheit meines Kindes! Dafür gibt es leichte Rezepte und für die Herstellung benötige ich lediglich einen Mixer, ein Seihtuch und die Zutaten (nun kommt mein Thermomix doch noch zum Einsatz!).

Der Kinderarzt erklärte, dass die Hafermilch durchaus verträglich und zum Beifüttern geeignet ist. Jedoch muss man darauf achten, das Kind ohne Kuhmilch mit den nun fehlenden Bausteinen zu versorgen wie Calcium, Eiweiß, Vitamin B2 und Jod.

Was der Arzt nicht laut sagen darf (ich aber von einer Freundin weiß die Ärztin ist): nur KÄLBER können das Calcium aus der Kuhmilch optimal verwerten. Denn für sie ist die weiße Flüssigkeit bestimmt, genau wie menschliche Muttermilch optimal auf die Bedürfnisse unserer Babys abgestimmt ist!

Nochmal zum Mitschreiben: Kuhmilch ist für Kälber. Menschenmilch für Menschen (da erstaunt es doch nicht, dass viele Leute Kuhmilch gar nicht vertragen, oder? Es sind bereits ca 30% der Bevölkerung).

Daher ist es für Nikolais Gesundheit keineswegs schädlich, sondern sogar förderlich, auf Kuhmilch zu verzichten.

Dr. E bestätigte, dass Calcium ebenfalls in vielen grünen Gemüsesorten zu finden und somit leicht zu ersetzen ist (vorausgesetzt, Euer Baby isst alles, wie Nikolai). Diese wären beispielsweise: Spinat, Fenchel, Brokkoli, grüne Bohnen.

Vitamin B2 und Eiweiß ist in diesem Gemüse ebenfalls enthalten, genau wie in Fleisch, Vollkornprodukten und Kartoffeln.

Jod findet sich vor allem in Fisch, jedoch kann der Arzt gegebenenfalls auch Jodtropfen verschreiben, wenn das Kind keinen Fisch mag (N liebt Lachs! Puh.)

Ich hoffe es wird klar was ich meine, und natürlich sei wie immer betont dass ich nur für meinen Nikolai sprechen kann. 10 Monate alt, gesund, mag bisher alle Speisen und wird jeden Tag frisch sowie salzfrei bekocht. In unserem Fall sollte es also kein Problem sein das Aptamil durch Hafermilch zu ersetzen. Wenn ☝🏼️ ich ihn ausgewogen und gesund ernähre und somit alle Nährstoffe zuführe, die EVENTUELL durch Kuhmilch fehlen könnten.

Das sollte man aber ohnehin tun und sich nochmal daran erinnern: Die Milchindustrie basiert auf grausamem menschlichen Verhalten gegenüber der Milchkuh und ihrem Kälbchen. Milch ist nicht wirklich gesund für uns weil sie auch nicht für uns gemacht ist. Wir können uns gesund (gesünder!) ohne sie ernähren. Und sollten den Kühen gegenüber solidarisch sein (siehe kuhplusdu.de).

Nun mag man mir Heuchelei unterstellen weil wir dennoch ab und an Fleisch essen. Hier bitte ich um Einsehen, dass es mir zunächst um die Rechte der Kühe geht, eine Mutter-Kind-Beziehung führen zu dürfen. Natürlich weiß ich inzwischen, dass die armen Kühe, die körperlich und seelisch ausgebeutet sind, letztlich auf dem Teller der Fleischesser landen. Zum Thema Fleischessen, das noch viel weitreichender ist, komme ich also erst später.

Ich möchte mein Baby nicht mit ebenfalls umstrittenem Soja ernähren und muss mich erst mit anderen Fleisch-Alternativen vertraut machen.

Was den Verzicht auf Milchprodukte angeht, wird es schon eine große Umstellung für uns. Auch wenn ich mein Müsli bereits seit geraumer Zeit mit Mandelmilch esse, beherrschen die Kuhmilchprodukte unseren (stets gut gefüllten) Kühlschrank: Käse, Schmand, (laktosefreie) Jogurts, Oreo-Eis, Magerquark, Milch im Kaffee… Oh, letzteres ist wirklich kaum zu ersetzen. Und an dieser Stelle werde ich über die Website einen Hof ausfindig machen, der mir eine faire Flasche Milch verkauft (für die ich gern bereit bin mehr zu zahlen).

Über die Alternativen zu den sonstigen Milchprodukten des Alltags, mein Engagement für die Milchkuh sowie das Hafermilch-Herstellen und -Füttern halte ich euch sehr gern auf dem Laufenden! ✌🏼️🐮

1 Comment

  1. Danke schön für euren hilfreichen Artikel.

    Ich bin schon länger ein stiller Mitleser. Und gerade musste mich mal ein schnellen Kommentar schreiben und „Danke“ sagen.

    Macht genauso weiter, freue mich schon auf die nächsten Beiträge

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