Arme Milchkuh

Heute mal ein Artikel der anderen Art. Ein Artikel, der sich solidarisch mit jeder Mama zeigt die ihr Baby stillen möchte. Aber in etwas anderer Weise, als ihr vielleicht denkt.

Wie ich genießen viele Frauen weltweit das Privileg, ihr Baby zu stillen. Ich fand es wunderschön auf diese Art eine Bindung zu Nikolai aufzubauen. Ihn schlichtweg ernähren zu können wie es die Natur seit Anbeginn der Zeit vorsieht.

Doch nicht nur Menschen haben Mutterinstinkt und Liebe für ihr Baby. Auch Tieren geht es so, im heutigen Beispiel: Kühen.

Ich bin ja eine kleine Philosophin und denke oft, wenn ich in meinen geliebten Supermärkten durch die Gänge laufe „Woher können diese Massen an Nahrung kommen?“ Wie ist es möglich, dass es auf der Welt genug Nährstoffe in der Erde gibt die die Massen an benötigten Pflanzen wachsen lassen? Und woher kommen die Millionen und Abermillionen Eier, Schnitzel, Würstchen, Milchprodukte?

Ich genieße die uns gebotene Vielfalt wie viele andere Menschen auch. Aber seit meiner Stillzeit und der Beschäftigung mit dem Thema Milch an sich bin ich nachdenklich geworden und habe recherchiert.

Mich trieb zunächst ganz egozentrisch die Frage um, mit welcher Art von Milch ich N’s Brei herstellen wollte. Mandel-, Hafer- oder Kuhmilch? Schon lange spukte in meinem Kopf ein Satz den ich vor einiger Zeit gelesen hatte:“Artfremde Milch eines anderen Säugetiers zu trinken ist nicht natürlich.“ Das leuchtete mir ein, und ich erinnerte mich im ersten Moment daran, dass (so banal das klingen mag) mein Körper ohne den Konsum von Milchprodukten am besten aussieht.

Seit mein Baby auf der Welt ist, denke ich zum Glück weiter als bis zu meinem äußeren Wohlbefinden. Ich dachte oft in der letzten Zeit „Was geschieht eigentlich mit den Kälbern der Milchkühe, die die Grundlage dieser gigantischen Maschinerie bilden?“ Manch einer mag denken, wie ich mich das erst mit 28 Jahren fragen kann. Oder im Display oben rechts auf x klicken, weil es uninteressant ist/einem Tiere egal sind/man andere Wohltätigkeit wichtiger findet.

Doch als Mama finde ich, dass man zumindest mal über das Thema Milchkuh nachgedacht haben sollte.

Wie wir sind die Tiere neun Monate lang schwanger. Wie wir bringen sie ihre Kälbchen unter Schmerzen zur Welt. Kühe sind zudem hochintelligent und vergessen danach nicht, dass sie soeben ein Junges geboren haben.

Doch um die Milch für unsere Produkte geben zu können, werden den Kühen ihre Babys spätestens drei Tage nach der Geburt (für immer!) weggenommen.

Könnt ihr euch das vorstellen? Als ein Lebewesen zu existieren, das fast sein gesamtes Leben lang schwanger ist, dem jedes Baby nach der Geburt entrissen wird ohne dass man sich wehren kann? Und die Milch, die euer Körper für dieses Baby produziert, wird einer komplett anderen Säugetierart (uns Menschen) weitergereicht. Die auch ohne Milchprodukte überleben würde.

Ich mache einen extra langen Absatz damit man kurz darüber nachdenkt. Manch einer mag sagen, ich dramatisiere das Ganze. Aber genau das ist die Realität und es wühlt mich innerlich (besser spät als nie) schrecklich auf.

Ich habe schon öfter in meinem Leben vegan gegessen, aber immer nur im Hinblick auf meine Figur (traurig, aber wahr).

Ich bin halb in Frankreich, dem Land des Käse aufgewachsen und habe dort auf dem benachbarten Milchkuhhof mit Freuden beim Melken geholfen. Wie ihr wisst, liebe ich Supermärkte, die Planung leckerer Speisen, Essen an sich. Und da gehörte immer irgendwo das eine oder andere Milchprodukt zu. Sei es der Schluck Milch in meinem Kaffee, die Béchamel-Sauce in meiner Lasagne oder der Gouda auf meiner (geliebten!) Pizza.

Das soll nun alles vorbei sein „nur weil mir die Kühe leid tun“ ?

Ich bin geneigt zu sagen, Ja. Es hat mich wirklich verstört in dieses Thema einzutauchen, und auch wachgerüttelt.

Ja, Menschen essen seit Jahrtausenden tierische Produkte. Wie ich lieben sie Steak, Rühreier, Wurst und Käse auf dem Brot.

Aber die Population auf der Erde wächst rasant. Immer mehr Tiere müssen für uns ein qualvolles, kurzes, grausames Leben führen um dann in einem kalten Schlachthof zu sterben. Ohne ihre Mama, die traurig mit prallem Euter zweimal am Tag gemolken wird und nach ihrem Baby ruft.

Ja, das drücke ich dramatisch aus weil es das meiner Meinung nach auch ist.

Natürlich ist mir bewusst, dass ein Verzicht auf Milchprodukte unter Umständen teurer ist. Dass sich nicht jeder Alternativen leisten kann, oder vielleicht auch nicht auf ein gutes Stück Camembert, die Sahne auf dem Erdbeerkuchen, den Milchkaffee verzichten möchte.

Ich kann all diese Argumente nachvollziehen. Aber ich persönlich werde von nun an so wenig Milchprodukte wie irgend möglich kaufen. Da mein Entschluss noch recht frisch ist und nicht nur mich, sondern auch meine kleine Familie inklusive Baby betrifft, werde ich mich in der nächsten Zeit intensiv mit Ersatz-Produkten auseinandersetzen. S ist ohnehin Laktose-intolerant, den dürfte die Neuerung freuen. Aber Baby Nikolai soll selbstverständlich durch Mamis „Öko-Kurs“ keine Einschränkungen in seiner Entwicklung erfahren. Fleisch essen wir ohnehin selten und das ist nochmal ein ganz anderes Thema.

Mir geht es heute um die Milchkuh und ihr Schicksal. Wenn durch meine Konsum-Einschränkung auch nur eine Kuh ihr Kälbchen stillen dürfte wie es mir gestattet war, wäre ich sehr glücklich. Ich weiß, dass dazu viel mehr Menschen so denken und handeln müssten. Und dass viele von uns lieber wegsehen und an sich denken.

Aber ich möchte das nicht mehr und werde auch meinen Kindern beibringen, achtsam mit diesem Thema umzugehen. Ich habe zum Glück das Schicksal ein Mensch zu sein. Und meine Babys nicht nur großzuziehen, sondern ihnen auch alles beibringen zu können was wichtig im Leben ist. Mitgefühl und Taten, statt nur Worte, sind zwei der wichtigen Lektionen.

Danke für Eure Aufmerksamkeit!

17 Comments

  1. Sabine sagt:

    Ich würde mich sehr über einen neuen Beitrag oder eine Ergänzung freuen wenn du dich mit den Alternativen auseinandergesetzt hast ☺

  2. Claudia sagt:

    Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich auch nie mit dem Thema beschäftigt. Aber wenn ich Deinen Bericht jetzt so lese, macht mich das Ganze auch sehr traurig und es ist es sicher wert, sich mal ernsthaft darüber Gedanken zu machen. Es ist furchtbar was der Mensch den Tieren antut 😢. Und ja, indem man die Produkte verzehrt, macht man sich irgendwie auch mitschuldig 😕.
    Seit ich ein Baby habe, mache ich mir auch über vieles Gedanken. Ich bin weder Vegetarier noch Veganer, doch könnte ich gut mit wenig Fleisch etc klar komnen. Leider ist mein Freund ein absoluter Fleischfresser, aber das ist ein anderes Thema. Ich mache mir viel Gedanken um Ernährung, vor allem was mein Baby angeht, jetzt nach diesem Bericht noch ein bisschen mehr….

    Danke Dir für den Gedankenanstoss
    Herzliche Grüße Claudia 💕

    P.S Ich freue mich natürlich auf weitere Beiträge 😊

    • madline4688 sagt:

      Danke liebe Claudia! Ich halte euch über meine Milchfrei-Reise auf dem Laufenden ❤️

      • Tatjana (Mrs.cornbreast) sagt:

        Wir nutzen hier, durch unsere Paleo- Ernährung auch für Noah im Müsli oder Abendbrei die Mandel-Kokosmilch von Joya (gibt’s bei rewe/wasgau) die hat generell mehr Calcium als Kuhmilch und ist super verträglich und von Natur aus schon recht süß durch die Mandeln und Noah liebt sie! Kuhmilch für Kinder ist ja sowieso umstritten weil sie zu „Verkalkung“ führt im Hirn, in den Knochen etc! Hab mich da echt mal lange eingelesen. Vllt hilft dir das schon ein bisschen!

  3. Jacky sagt:

    Ich hatte nach der Geburt von meinem Kind genau die gleichen Gedanken.
    Bekomme seit dem auch keine Milch mehr runter, mir wird jedes mal schlecht.
    Das einzige auf was ich wirklich nicht verzichten kann ist mein geliebter Käse 😳

    Würde mich auch sehr freuen wenn du uns deine Alternativen auch grade für die kleinen vorstellst.

    Liebe Grüße Jacky

  4. Sina sagt:

    Ich lebe seit 7 Jahren vegetarisch.. Der Gedanke auf Milchprodukte zu verzichten war jedoch bisher immer: unmöglich.
    Dein Artikel lässt mich aber ehrlich gesagt etwas nachdenken.. Es ist eigentlich echt schrecklich.

    • madline4688 sagt:

      Danke liebe Sina! Ich habe da bisher auch nie drüber nachgedacht. Aber es macht mich so traurig dass den wehrlosen Kühen erst ihr Baby gestohlen und dann die Milch abgezapft wird. Für uns, die sie eigentlich gar nicht brauchen 🙁

      • Sina sagt:

        Ja mich macht es auch traurig. Seit ich deinen Artikel gelesen hab, denke ich immer wieder darüber nach.. Besonders wenn ich ein Milchprodukt zu mir nehme. Ich mache mir meinen Kaffee die letzten Tage mit Sojamilch und es schmeckt mir. Zumindest die von Alpro, die soll ja wohl aber auch nicht so gut sein. Die vom Netto, in der nicht so viel Gedöns drin ist, schmeckt mir aber leider gar nicht.

        • madline4688 sagt:

          Liebe Sina, die von Alpro finde ich auch am leckersten! Versuch doch auch mal Smelk Vanille, da bist du ganz weg von Soja. Und immerhin ist Alpro ohne Gentechnik, auch wenn deren Pflanzenmilch zum Großteil aus Wasser besteht 😘

  5. Angelika sagt:

    Sehr ähnliche Gedanken zu dem Thema hatte ich auch erst und bin auch gerade dabei, Stück für Stück Kuhmilch aus meinem Kochalltag zu entfernen. Allerdings muss ich zugeben, dass das nicht immer einfach ist. Gerade wenn man mal auf die Zutatenliste von Ersatzprodukten schaut, wird einem ganz schön schlecht vor lautet künstlichen Zusatzstoffen. Umso mehr freue ich mich über tolle Alternativtips, die sich im Mamaalltag gut umsetzen lassen ☺️

    • madline4688 sagt:

      Liebe Angelika, danke für deine Antwort auf meinen Artikel! Mir fällt das auch schwer, aber ich werde euch akribisch auf dem Laufenden halten und auf die Milchfrei-Reise mitnehmen 😊

  6. modelachen sagt:

    Finde ich super! Ich habe mei en Milchkonsum schon seit circa 4 Jahren sehr eingeschränkt, habe auch ganz darauf vezichtet, ess aber immer wieder mal Käse, Eis, trink auch manchmal wieder Latella usw
    ..aber Müsli für mich und Klein L und alle Breis (Hafer, Gries…) wird nur mit Dinkel od. Hafermilch zubereitet. Ich backe und koche auch mit Dinkelmilch. Schon seit langer Zeit und niemand merkts und jeden schmeckts 🙂

    Liebst, Juliana

    http://www.modelachen.com

  7. Lieben Dank für Deinen tollen Artikel.

    Ich habe deinen Blog schon seit einiger Zeit im Feed abonniert.
    Und gerade musste mich mal zu Wort melden .

    Mache genauso weiter, freue mich bereits jetzt schon auf den nächsten Beitrag

  8. […] habe bereits früher Artikel zu der Grausamkeit des Milchkuh-Business verfasst. Das war auch ein großer Grund, wieso Nikolai seit dem Abstillen Hafermilch trinkt […]

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