Relaxed Parenting

Hinterher ist man immer schlauer, heißt es im Volksmund. Wie wahr, grade wenn es um Babys Entwicklung geht.

Ich möchte heute zusammenfassen, was Nikolai und sein bisheriger „Werdegang“ mich gelehrt haben. Wir alle sehen uns vermutlich mit einem Umfeld konfrontiert das eine Fülle an Ratschlägen bereithält. „Leg ihn doch einfach hin, sonst kommt er nie zur Ruhe“, „Das muss er lernen/sich daran gewöhnen/ aushalten“ und so weiter. Früher war alles anders und auch Babys im Bekanntenkreis scheinen engelsgleich durchzuschlafen (ohne Schaukeln, stundenlang), die Zähnchen im Vorbeigehen zu bekommen und gegen jedes Türklingeln/Hundebellen/Hintergrundgeräusch unempfindlich zu sein.

Hier also meine Erfahrungen aus 10 Monaten Mamasein.

1) Die ersten Wochen: Dornröschenschlaf.
Wie stolz war ich, dass Nikolai in den ersten Wochen bis 5.00 durchschlief. Ich überlegte sogar ihn zu wecken, damit er etwas zu trinken bekäme. Wir schliefen im Krankenhaus und auch zunächst zuhause mit Licht, um bloß zu sehen ob das Baby gut liegt, atmet und gesund ist.

Nach drei Wochen heller Nächte (so angenehm ist das nicht) ließen wir nur noch ein Nachtlicht an.

Lehre: Ein gesundes Baby schläft nun mal in den ersten Wochen viel. Es erholt sich von der Geburt und muss nicht zum Trinken geweckt werden. Es wird sich melden wenn es etwas braucht. Natürlich fürchtet jede Mutter den Plötzlichen Kindstod. Mein Albtraum der ersten Tage! Aber irgendwann muss man diese loslassen (und ein bisschen schlafen).
2) Das bisschen Haushalt.

Ich hatte einen Not-Kaiserschnitt von dem ich mich eher langsam erholte. Wenn aber der Partner arbeiten geht und man ohne Hilfe allein zuhause ist, kann der Haushalt natürlich nicht liegen bleiben. Ich quälte mich also dennoch in den Waschkeller, kochte frisch, räumte auf. Ich stillte und wollte meine Milch nicht aus Tiefkühlkost entstehen lassen. S brauchte gebügelte Hemden für die Arbeit und ich wollte nicht, dass er die Wohnung abends im Chaos versunken vorfand.

Lehre: Delegiere das, was du kannst.

Flocke verbrachte die ersten Wochen, in denen Niki zuhause war, bei meiner Familie. Ich hätte es allein gesundheitlich nicht geschafft, sie auszuführen und fühlte mich überfordert bei dem Gedanken, mich um den Säugling und den Hund kümmern zu müssen.

Hast du Verwandte/Freunde in der Nähe denen du vertraust? Bitte sie um Hilfe! Bügelt Mama oder Oma gern Hemden? Gib sie weiter. Auch du musst dich von der Geburt erholen, und wenn das Baby am Tag schläft (was sie wie gesagt viel tun), versuch, dich auch mal ins Bett zu legen. Vielleicht darf eine vertraute Person mal mit dem Zwerg spazieren gehen wenn ein Nickerchen ansteht, sodass du mal eine Stunde zum Auftanken hast.

3) Lärm.
Instinktiv möchte man jedes laute Geräusch von seinem Winzling fern halten. Denn was uns stört, muss doch auch den Zwerg stören oder? Nein!

Lehre: Es ist tatsächlich so: Babys lieben Lärm. Da sie die Geräuschkulisse aus dem Mutterleib vermissen, ist Säuglingen die Stille nicht geheuer. Nikolai schlief in den ersten Wochen abends am besten neben dem Föhn oder Staubsauger ein. Dann ließ ich noch eine halbe Stunde „Geräusche im Mutterleib“ auf dem Handy laufen, damit er wirklich fest schlief. Heute geht das nicht mehr, da läuft unsere Einschlafmelodie in der Spieluhr. Aber die ersten 4,5 Wochen lang: bitte lautes Summen/Brummen/Gluckern.

4) Stillen und Abstillen.
Manche Mamas beschleicht nach einigen Monaten des Stillens leise Panik: „Wird das immer so sein?“ Wird man nun jahrelange nachts nicht durchschlafen, weil das Baby nach der Brust verlangt? Nikolai hat das Stillen geliebt, ob Tags oder nachts. Er wollte von Beginn an weder Schnuller noch Däumchen, sodass die einzige Beruhigung durch Saugen an meiner Brust zu finden war.

Lehre: Ein Baby weiß von allein, wann es genug hat. Bist du eine Vollzeit-Mama wie ich, die nicht durch eine Arbeitsstelle (oder natürlich durch gesundheitliche Einschränkungen) gezwungen ist abzustillen, dann kann ich sagen: Das Baby stillt sich von selbst ab. Man muss es nicht trainieren oder ihm das Fläschchen schmackhaft machen, wenn es sich an der Brust wohlfühlt. Zum einen, weil diese Beziehung doch eine sehr schöne und einzigartige ist! Zum anderen, weil es nichts gesünderes auf der Welt für dein Baby gibt als Muttermilch.

Nikolai entschloss sich von ganz allein, mir mit ca 6 Monaten fest und lachend in die Brust zu beißen. Er wollte am Tag nicht mehr gestillt werden. Er begann, Brei zu essen und zu schmatzen wenn ich an der Bratpfanne stand. Das Gute-Nacht-Fläschchen wurde getestet und für gut befunden. Nachts verlangte er noch ungefähr dreimal eine Stillmahlzeit. Jetzt, mit 10 Monaten, möchte er schon seit einigen Wochen nur eine Stunde nach dem Zubettgehen nochmal an die Brust. Er möchte wissen, dass Mami da ist und ihn hört. Wird er nachts wach, reicht es ihn kurz zu halten. Er will nichts mehr trinken, er möchte nur die Nähe spüren und schläft dann in seinem Bettchen weiter. Ohne Training, ohne Tränen.

5) Zeit für Euch.
Ich habe es bereits bei Instagram angesprochen: Das Bedürfnis nach ein wenig Zeit ohne das Baby kommt von allein (oder auch nie!). Wie sehr redete mein Umfeld im Winter noch auf mich ein „Er ist jetzt 4 Monate alt, du bist eine Glucke/das muss er lernen/vertraust du uns etwa nicht?“. Es war nicht leicht. Ich zwang mich einmal zu einem Kino-Date mit S, obwohl ich noch nicht bereit war Nikolai abzugeben. Ich tat es, weil ich keine „Glucke“ sein wollte. Ich vertraue zudem meiner Freundin, die gleichzeitig Nikolais Patentante ist, zu 100% dass er bei ihr gut aufgehoben ist. Sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und dass mein Baby sie mag.

Dennoch fuhr ich unter Tränen und mit Bauchschmerzen ins Kino.

Das muss nicht sein! Wenn ihr euch nicht bereit fühlt euer Baby für ein paar Stunden in gute Hände zu geben, dann tut es auch nicht. Wenn ihr nur in Panik seid dass der Zwerg nach euch rufen/weinen wird, könnt ihr das schönste Date Knicken.

Lehre: Lasst euch nicht überreden. Dann seid ihr eben eine Glucke! Man KANN ein Baby im ersten Jahr NICHT durch „zu viel Nähe verwöhnen“. Der Zeitpunkt, an dem ihr ein bisschen Baby-frei genießen könnt, kommt von allein.

Nikolai war 8 Monate alt, als ich begann es zu genießen wenn meine Tante 2,3 Stunden mit ihm spazieren ging. Simste ich zuvor noch hinterher „Geht es ihm gut?“, „Schläft er?“, „Weint er?“ entspannte ich mich mehr und mehr damit.

Solange das Baby nicht merkt, dass Mami in greifbarer Nähe ist, kommt es mit Menschen die es mag super allein zurecht! Niki hat nie nach mir geschrien oder sich in Rage gesteigert. Er geht gern mit meiner Tante/der Nanny spazieren, einkaufen und spielt mit Ihnen. Faxen macht er nur mit Mami.

Jetzt, mit 10 Monaten, registriert er wenn ich weg gehe und weint dann manchmal. Aber nur kurz. Lenkt man ihn sofort mit etwas schönem ab, wird er sich prächtig amüsieren bis ich wiederkomme. Und dann bin ich immer noch die tollste für ihn.

6) Babys Schlaf (-platz).

Wir haben von Anfang an das Familienbett praktiziert, weil wir so darauf bedacht waren ob N „noch atmet“. So blöd sich das anhört, aber die Sorge werden viele kennen und wir fühlten uns am wohlsten mit Nikolai direkt neben uns.

Vielen in unserer Community ist aufgefallen, dass er am Tag sein Nickerchen im Maxicosi hält. Stimmt. Niki kam mit einem weichen Kehlkopf zur Welt (das verwächst sich innerhalb eines Jahres), der ihm das Trinken und auch das flache Liegen zu Beginn erschwerte. Er japste und quiekte während des Stillens, und weinte wenn man ihn vorschriftsmäßig flach auf eine Matratze legen wollte. Meine Hebamme erlaubte ein kleines Kissen unter dem Köpfchen und siehe da, N konnte schlafen.

Was bei uns von Beginn an nicht klappte war, ihn „einfach hinlegen und einschlafen lassen“. Zum Einen, weil er die Brust als Einschlafhilfe brauchte. Zum anderen weil er sich nur beruhigt wenn man ihn schaukelt, bis heute. Meine erste Terrornacht in seiner 5. Lebenswoche endete damit, dass ich mein seit 3 Stunden schreiendes Bündel einem Geistesblitz folgend in den Maxicosi packte, schaukelte- und er schlief ein!

Lehre: Auch wenn gesagt wird „Das Baby soll höchstens xy Minuten in dem Sitz liegen“- hört auf eurer Gefühl. Lieber bekommt mein Baby endlich seinen Schlaf, eingekuschelt und geschaukelt, als dass ich auf eine halbe Stunde „Zeitüberschreitung“ schiele. Für das nächste Baby würde ich definitiv eine Wiege statt eine festen Bettchens kaufen. Denn im Mutterleib wird das Kleine auch stets geschaukelt. Es erscheint dem Zwerg unnatürlich, plötzlich in starrer Position schlafen zu müssen (zumindest meinem).

Hier werden sich Stimmen nach dem Motto „Das muss er lernen“ melden, die meinen dass ein Baby das Schlafen in einem feststehenden Bett ohne Schaukeln, flach auf dem Rücken lernen muss. Ja, so minimiert man das Risiko von Erstickung. Absolut nachvollziehbar. Aber genau wie Erwachsene haben auch Babys ihre bevorzugte Schlafposition. Wie habe ich mich erschreckt, als ich eines Nachts erwachte und N sein Gesichtchen in mein Kissen gedrückt hatte. Dabei macht er das bis heute! Niki ist ein Seitenschläfer wie ich. Ich stellte rasch fest dass er am besten schlief, wenn ich ihn auf die Seite legte. Und seit er sich drehen kann macht er das voll allein, das Gesicht im Schnuffeltuch vergraben.

Ich möchte hier nicht gegen ärztlichen Rat beraten. Man soll seinen Säugling in ein leeres Bett flach auf dem Rücken legen um den Plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Richtig.

Ich rate einfach nur dazu, auch über den Tellerrand der Bürokratie hinauszublicken.

Niki schlief von Beginn an mit in unserem Bett. Denn die körperliche Nähe und das Geräusch von Mamis Herzschlag sind auf der anderen Seite zuverlässige Prävention gegen des PK. Solange man darauf achtet, dass das Baby frei atmen kann, ist das Familienbett das natürlichste und gesündeste was man tun kann.

Auch wenn N seit ungefähr zwei Monaten vorwiegend in seinem Bettchen (in unserem Zimmer) schläft, hole ich ihn bei Zahnschmerzen/Unruhe/Albträumen immer zu uns. Man legt sich übrigens auch nicht auf sein Baby drauf! Das ist weder S noch mir je passiert. Das aktive Baby wird sich höchstens auf euch legen und Händchen oder Füßchen auf euer Gesicht Betten.

Auch diese Methode mag einigen sauer aufstoßen. „Wir wollen noch ein Eheleben“ oder „Ich muss arbeiten, da stört das Kind im Bett wenn es nachts aufwacht“ sind natürlich verständliche Argumente der Eltern. Man möchte die Romantik nicht verlieren, der arbeitende Partner braucht seinen Schlaf.

Wir haben es so gelöst, dass S im Wohnzimmer schläft wenn er sich „gestört“ fühlt. Zudem war unsere Beziehung eine ganze Weile krisengeschüttelt (nicht wegen Nikolai, bereits vorher). Sodass das Argument Romantik kein Thema war.

Jetzt, wo es zwischen uns wieder schön ist und bergauf geht, stört Nikolai aber auch nicht. Ganz ehrlich- die wenigsten von uns werden noch die ganze Nacht durch die Laken toben. Und es macht doch auch Spaß, ein wenig kreativ mit der Zeit zu Zweit zu werden. Zum Beispiel, wenn das Baby grade ins Bett gebracht wurde und der Abend noch jung ist.

Was ich damit sagen will: es wird doch nicht für immer so sein, das man zu 3/4 mit Kind(ern) im Bett schläft. Sie werden unglaublich schnell groß, und wir persönlich genießen es, neben Nikolais friedlich schlafendem kleinen Gesicht aufzuwachen. Ich könnte meinem kleinen Baby nicht die Nähe verwehren nach der es nachts weint. Gleichzeitig ist N kein Kuschler und hat auch kein Problem damit, nach der Prüfung „Ist Mami noch da?“ ruhig in seinem eigenen Bettchen weiterzuschlafen.

Ebenso wie ich N „gestatte“ das Abstillen zu bestimmen, verfahre ich im Übrigen auch mit den Schlafzeiten.

Das Baby zeigt euch, wenn es müde ist. Es quengelt, reibt die Äuglein, ist unleidlich.

Zu Beginn schlief Nikolai tagsüber alle anderthalb Stunden für ca eine halbe-ganze Stunde. Immer wenn ich ihn stillte, ging das mit einem Nickerchen einher. Wurde er zu Beginn morgens um 7.30 wach und abends gegen 22.00 müde, änderten sich auch diese Zeiten von allein.

Inzwischen geht Nikolai um 20.00 ins Bett (plus minus eine halbe Stunde, je nachdem wann das letzte Schläfchen war). Er wacht pünktlich um 6, 6.30 auf und wird nachts dreimal wach. Ohne Training, wie immer. Tagsüber braucht er ungefähr alle drei Stunden ein Schläfchen, um bei Laune und erholt zu bleiben.

Vertraut darauf, dass euer Baby erwachsen wird und die Richtung sich von allein zeigt. Ihr möchtet auch nicht zum Schlafen gezwungen werden wenn ihr nicht müde seid.

Fazit: Es gibt noch so vieles das mich Nikolai gelehrt hat. Ich werde gern darüber berichten, aber heute wollte ich zeigen wie sich der Alltag auch ohne mühseliges, tränenreiches Training einstellen kann.
Natürlich ist jedes Baby individuell. Die einen werden von Beginn an auf dem Rücken ohne Schaukeln einschlafen (ich habe tatsächlich eine Freundin, deren Tochter das macht). Die anderen werden vielleicht noch unruhiger sein als Niki. Auch die Eltern-Situation lässt sich nicht 1:1 übertragen. Bei uns geht der Mann von morgens 8 bis Abends 19.30 arbeiten und ist dann müde. Vielleicht habt ihr mehr, vielleicht weniger Zeit zusammen. Es mag in eurem Umkreis mehr oder weniger Hilfe geben als in meinem, und ihr seid womöglich auch keine „Vollzeit“-Housewife, die dem Säugling das Abstillen/Schlafen so überlassen kann wie ich.

Ich spreche hier für mich und meine kleine Familie. Und vielleicht möchtet ihr etwas daraus mitnehmen was ich tue. Nikolai seiner natürlichen Entwicklung überlassen ohne mit ihm zu streiten. Für uns funktioniert es. Natürlich komme ich auch mal an meine Grenzen. Aber ich habe mich zu diesem kleinen Baby entschlossen, mit allem was dazugehört.

1 Comment

  1. Annika (leas_mama_30) sagt:

    Toll geschrieben ❤💖😘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.