Selbsttherapie 🌷

Heute schreibe ich nach langem, weil das Thema Depression gerade wieder ganz aktuell für mich ist.

Ich habe mich seit Anfang des Jahres gut und frei davon gefühlt. Und nun das: Am Sonntag erwischte mich das Trübsal wieder mit voller Wucht.

Kein Wunder, ich (oder wir) entscheiden dieser Tage über die Weiterführung oder Beendigung unserer Beziehung. Angesichts der Konsequenzen, die jede Antwort auf diese Frage hätte, mache ich mir innerlich enormen Stress. Ich entscheide es ja auch für mein Kind. In diesen Tagen stellen wir die Weichen für den Alltag, den Nikolai schon im kommenden Jahr sehr bewusst wahrnehmen wird.

Inzwischen sind wir so weit gereift zu sagen, dass eine getrennte, aber harmonische Beziehung für ihn viel schöner wäre, als eine kalte, in der Mama und Papa zusammen sind.

S kann gut über seinen Schatten springen und bemüht sich. Er nimmt meine Hand, ist aufmerksam und offen. Ich dagegen stehe am Rand der Klippe und zwischen der Entscheidung: gehe ich zurück und öffne mich noch einmal vollkommen? Oder springe ich ins kalte, vielleicht einsame Wasser?

Diese Fragen durchdringen mein gesamtes Unterbewusstsein. Ich träume von schrecklichen Tieren, meine Gedanken stehen kaum still und unweigerlich schaltet sich die hässliche kleine Depression nun dazu.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem ich noch keine Ahnung hatte wie damit umzugehen ist, gestatte ich mir kein Ein-igeln in der Wohnung. Vor allem am Sonntag war das Bedürfnis groß, mich im abgedunkelten Schlafzimmer einfach ins Bett zu kuscheln und nirgends hinzugehen.

Aber genau das darf man nicht! Ich ging mit S und Nikolai spazieren. Ich teilte ihm sofort mit dass ich heute einen schlechten Tag habe. Und das waren zwei wichtige Schritte.

Es fiel mir so schwer mich zurecht zu machen, raus zu gehen, weiter zu machen. Aber es half!

Auch gestern Morgen ging es mir nicht gut. Ich fuhr also mit S nach Düsseldorf und ließ ihn mich und Baby bei meiner Familie absetzen. Nicht allein zuhause zu sein ist ebenfalls wichtig und tut gut! Auch wenn man sich nicht nach Reden fühlt. Die Sonne schien, und ich schob unter blauem Himmel und Vogelgezwitscher das Wichtelchen eine Stunde lang durch Onas Garten. Trank Kaffee mit meinen Großeltern, und fuhr eine Runde Fahrrad, während meine Tante ein Stündchen mit Nikolai verbrachte.

Abends holte S uns wieder ab- und hatte mir ein paar Blümchen mitgebracht. Eine kleine Geste, die mir Freude bereitete!

Heute bin ich zwar allein zuhause mit Nikolai, aber befolge auch hier die „Vorgaben“ meiner Selbsttherapie. Schminken, anziehen, raus gehen! Beschäftigt bleiben. Nichts ist schlimmer als dem Wunsch nachzugeben, in Jogginghose den Tag verstreichen zu lassen, durch nichts strukturiert als Nikis Schläfchen. Habe ich alles schon gemacht, wochenlang, und es half nicht.

Ich habe uns gleich heute Morgen frisch gemacht. Ich snappe (denn so kann ich jemandem von meinem Tag „erzählen“), war bereits auf der Post und einkaufen. Diese Dinge hätte ich im letzten Jahr S aufgetragen, weil ein Aufenthalt unter Menschen mir ein Graus war! Heute hat mich nichtmals die ewig motzige Kassiererin im Rewe runtergezogen. Ich habe nett mit unserem DHL Mann geplaudert, mache Spaß mit Nikolai und habe ein Projekt begonnen: Jeden Tag etwas Neues mit dem Thermomix zaubern.

Ich kann derzeit nicht sagen, wie der Strudel hier weitergeht. Wofür wir uns entscheiden, was richtig oder falsch ist und wie schnell ich meinen kleinen Feind Trübsal wieder loswerde.

Aber allen, die in ähnlicher Stimmung sind, kann ich druckfrisch zu dieser Selbsttherapie raten! Geht raus, sucht Gesellschaft, lacht mit eurem Baby (oder natürlich jedem anderen geliebten Menschen) und teilt euch mit. Natürlich ist das nur meine subjektive Erfahrung und kein ärztlicher Rat. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden.

Aber wenn man mich fragt würde ich sagen: Hängt nicht allein in Wohlfühlklamotten auf der Couch. Rafft euch auf, zwingt Euch zu einem Projekt, egal wie klein es ist. Und wenn das nur bedeutet, euch etwas nettes anzuziehen, frische Luft durchs Fenster zu lassen und etwas leckeres zu essen. Ich weiß genau wie schwer es ist. Und genau aus diesem Grund gebe ich diesen Einblick. Um zu zeigen dass man es schaffen kann.

Alles Liebe und bis bald!

17 Comments

  1. Claudia sagt:

    Liebe Madline,
    Ich lese gerne deine offenen Worte und Einblicke in dein Leben und es macht mich traurig, dass du momentan wieder in dieser Phase steckst! 😢
    Zudem ist die Nachricht, wie eure Zukunft aussieht oder auch nicht, überhaupt nicht schön zu lesen! Ich hoffe inständig, dass ihr eine gemeinsame, für euch zufriedenstellende Lösung findet!
    Ich finde es toll, dass du in deiner momentanen Situation trotzdem jeden Tag zu einem besonderen machst, für Nikolai und für dich…Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Liebe und Kraft!
    Viele liebe grüße,
    Claudia

  2. Mariam sagt:

    Sehr schön geschrieben wünsche dir viel Kraft für deine Entscheidung.

  3. Leas_mama_30 sagt:

    Liebe Madline,

    Fühl dich ganz doll gedrückt 💜
    Ich finde es bewundernswert wie offen du damit umgehst. Du bist so eine tolle Frau.
    Ich hoffe sehr das ihr für euch die richtige Entscheidung trefft,womit ihr glücklich seit. Ich kann mir vorstellen, das es eine schwierige Situation ist. Aber wichtig ist das du auf dein Gefühl hörst.
    Und wie du schon schriebst, das eine harmonische Beziehung für dem Spatz besser ist als eine kalte. Ich wünsche Euch für die Zukunft alles Liebe und Gute 💜💜💜

    Liebe grüße Annika

  4. elenaxsunshine sagt:

    Liebe Madline.
    Es ist so ein riesen Mist überhaupt vor so einer Entscheidung stehen zu müssen wenn man Kind (er) hat.
    Viele deiner Texte sprechen mir aus der Seele und in vielen Dingen sehe ich mich selbst. Es rührt mich zu Tränen, weil wir uns echt die Hand reichen könnten…
    Wir Frauen sind starke Geschöpfe und kriegen Alles geschaukelt. Ob mit Mann oder ohne. Nur den ersten Schritt zu tun, damit tut sich Frau schwer. Besonders wenn die Kleinen mit drin hängen.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Liebe und ganz viel Kraft. Die Stärke hast du, das glaub ich ganz fest.
    LG, Elena 🌹

  5. Hey,
    so ähnlich mache – beziehungsweise versuche – ich es auch, wenn ich in einem Loch stecke. Raus gehen, und wenn es nur zum Rossmann ist. (Einer meiner Tricks: Zum einkaufen nicht das nächste Aldi/Rewe/Edeka/… wählen, sondern das, wo ich durch die halbe Stadt fahren muss.) Aktiv gegen die „alles doof, alles scheiße, bringt doch eh nix“ Gedanken angehen, indem ich Dinge tu, die mir vor dem Loch gut getan haben. Und ganz wichtig: Viel trinken, denn Flüssigkeitsmangel kann sich auch in negativen Gedanken äußern.
    Aber das Ganze bringt auch nur etwas, wenn man sich direkt am Anfang seines Lochs aufrappelt und auf den Weg nach oben macht. Je länger man es sich da unten bequem macht, desto schwieriger wird es, (alleine) wieder nach oben zu kommen. (Erlebe ich gerade in meinem Umfeld.)
    Ich wünsche dir alles, alles Gute und viel Erfolg auf dem Weg nach oben!
    Blume

  6. Natalie sagt:

    Hach ich kenne das nur zu gut 😥 stecke gerade in der gleichen Situation man bemüht sich aber reicht es um weiterhin glücklich zu sein in der Beziehung? Ist es das beste für mein Kind? Usw. Ich finde dich suuuper sympathisch und schaue gerne deine snaps! Du bist toll und du wirst das richtige tun! Kopf hoch, fühle dich gedrückt lg natalie 😙

  7. Katinka sagt:

    Liebe madline,
    Ich kann dich komplett verstehen.
    Mir geht es momentan genauso. Mag nichts unternehmen und würde am liebsten nur im Bett liegen.

    Deine Situation empfinde ich ne Spur härter, als meine. Bei mir ist es „nur“ die Unzufriedenheit im Job!
    Bei dir ist es das Privat leben, das Liebesleben, das Familienleben!
    Ich drücke dir die Daumen, dass alles wieder ins Lot kommt und du den Weg findest, der dein herz wieder öffnet und deine Sicht verbessert!

    Liebe Grüße Kathrin

  8. Fieska sagt:

    Liebe Madline!
    Ich wünsche Euch vom Herzen, dass ihr gemeinsam die richtige Entscheidung trifft. Deine Worte machen mich sehr nachdenklich und traurig, doch zugleich freue ich mich, dass Du das so schön bewältigen kannst. Es ist wichtig, dass Du den Weg für Dich findest und Dich wohl fühlst. Alles Liebe und Gute nochmal an dieser Stelle! :*

  9. Lisann sagt:

    Liebe Madline,

    Was hat mein Herz gerade für einen erfreuten Sprung gemacht, als ich gesehen habe, dass jemand den Mut hat über Depressionen zu sprechen!
    Bewundernswert auch dein Mut, offen über deine Beziehung zu sprechen.

    Nichtsdestotrotz bin ich nach dem Lesen dieses Blogposts entsetzt und möchte dir auch gern sagen, wieso. „Aber allen, die in ähnlicher Stimmung sind, kann ich druckfrisch zu dieser Selbsttherapie raten! Geht raus, sucht Gesellschaft, lacht mit eurem Baby (oder natürlich jedem anderen geliebten Menschen) und teilt euch mit.“ Bitte! halte dich mit „Tipps& Tricks“ zu diesem Thema zurück! Ich habe genau das getan, mir etliche Projekte gesucht, immer mehr gemacht, mich abgelenkt, meine Tage durchstrukturiert. Das Ende vom Lied waren Selbstmordgedanken! Für mich ist genau das Gegenteil der richtige Weg: Alles absagen, was geht, viel Zeit für mich, in mich hineinhören, meinen Gefühlen Platz geben. Berichte gern über deine Erfahrungen – aber lass doch bitte jeden selbst, ohne deinen Kommemtar, daraus machen was er/sie möchte.

    Beste Grüße und alles Gute
    Lisann

  10. Mr. Pastinakenkopf sagt:

    Hallo liebe Madline,

    ich kann dich super gut nachvollziehen. Ich befinde mich zur Zeit in der selben Situation! Seitdem unser kleiner Engel (03.10.15) bei uns ist, geht es mit der Beziehung bergab. Ich fühle mich oft von meinem Partner im Stich gelassen und komme mir vor wie eine alleinerziehende Mama und dass ich statt einem Baby noch ein zweites zu Hause habe. Alles Reden bei uns ist zwecklos, nichts fruchtet, es komm nichts dabei rum! Es ist einfach so deprimierend, eigentlich müsste man auf Wolke 7 schweben, sich jetzt eine kleine Familie nennen zu dürfen. Ich wünschte, mir könnte jemand diese Entscheidung abnehmen. Eine Entscheidung die mein ganzes Leben und vorallem das Leben meines Kindes komplett auf den Kopf stellen wird. Ich habe tausende Fragen im Kopf und suche nach Antworten vergeblich… Ich wünsche mir so sehr, dass mein kleiner Mann mit beiden Elternteilen aufwachsen kann. Ich möchte ihn vor Kummer bewahren! Er liebt seinen Papa so sehr! Ich habe Angst davor, dass mein Kind einen Schaden davon tragen könnte und auch Angst vor dem alleine sein! Leider habe ich nicht so eine verständnisvolle Familie und ich müsste mir wahrscheinlich erstmal anhören, wie blöd ich doch bin! Genauso hat mein Kind aber auch das Recht eine glückliche Mami zu haben und die hat er gerade nicht! Ich versuche genauso wie du, mein Lachen nicht zu verlieren, mit ihm rumzualbern und ihm viel Liebe zu geben. Doch glaube ich, dass er trotzdem merkt, wenn es mir schlecht geht und dass sich das auch auf sein Verhalten auswirkt…

    Es ist wirklich eine schwere Entscheidung. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass es dir bald besser geht! Ich glaube es gibt viele Frauen, denen es nach der Geburt des Kindes genauso geht wie uns. Traurig, aber auch gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. <3

    Liebe Grüße

  11. Melina sagt:

    Hallo liebe Madlein,
    Ich sehe gerade erst deinen Blockpost. Ich finde Deine Worte wahnsinnig mutig und kann dich auch so gut verstehen. Gerade was das Bezeichnungmässige angeht. Es ist so eine schwere Entscheidung zu treffe gerade mit einer kleinen Maus. Und gerade das hält einen dann nachts wach. Ich kenne diese Nächte in denen ich einfach nur weg wollte gerade nach der Geburt. Alle Problem hinter sich lassen sein Baby nehmen und es ganz der an einen drücken und dann kommt auch wieder die Angst vor dem alleine sein. Man kann einfach kluges tun. Aber ich glaube das die Mäuse dann glücklich sind wenn wir es sind und da ist alles andere egal. U d so sollte man dann auch handeln.

    Ich finde es super das du es jeden Tag wieder schaffst so fröhlich und offen zusein, bei allem was bei dir und in dir so vorgeht. Bleib bloß so und lass dir das niemals nehmen!!
    Las dich nicht unterkriegen!
    Fühl dich unbekannter weise gedrückt ❤️
    Liebe Grüße 😘

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