Erst Regen, dann Sonnenschein 

Gestern Abend war wirklich ein Tiefpunkt für mich.

Nachdem Nikolai die letzten Wochen nachts von Verlustängsten geplagt und häufig wach war, bin ich einfach an manchen Tagen körperlich sehr geschafft. So habe ich mich gestern eigentlich kaum danach gefühlt, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Aber Baby schlief nur alle drei Stunden für 20 Minuten, und wollte in der Zwischenzeit nur getragen werden.

Ich bin überhaupt nicht dafür, der Welt ständig vorzujammern wiiie anstrengend es mit einem Baby sein kann. Denn zum einen kann der Kleine nichts dafür, und zum anderen bleibt es nicht immer so. Irgendwann wird man zurückblicken und sagen „Ich wünschte, er wäre ein Baby geblieben.“ Und dann will ich zumindest sicher sein, dass ich seine Zwergenzeit genossen habe. Das tue ich auch! Ich will nur sagen, ein 10-Kilo-Schätzchen circa zehn Stunden am Tag herumzutragen geht an die Substanz. Ich komme oft nicht zum Essen oder vergesse es, weil ich während Nikis Power-Naps durch den Haushalt rase.

Ich wünschte manchmal, man könnte wie Alice durch den Kaninchenbau in eine Parallelwelt gelangen. Dort ein Schaumbad nehmen, einen Film so laut gucken wie man möchte (und auch zuende!), sich eine Massage gönnen bei der man kein Wort reden muss. Und in der Zwischenzeit wartet Nikolai ganz fröhlich im Dschungel, spielt zufrieden und wir treffen uns nach meinem Wellnesstag als sei nichts gewesen.

In der Realität sollte mein Kaninchenbau gestern Abend eine Runde Bowling und Burger mit unseren besten Freunden werden. Die SM war bestellt, auf Nikolai aufzupassen und ihn ins Bettchen zu bringen. Ich hatte alle Schritte und Eventualitäten auf ein Blatt geschrieben. Sein Fläschchen und Nachtlicht vorbereitet, den Pyjama raus gelegt.

Durch das straffe Programm, das mein Sohn zur Zeit für mich im Sinn hat, sah ich eine halbe Stunde vor Abfahrt noch unmöglich aus. Haare ungemacht, das Make-up von morgens hatte sich längst verflüchtigt. Und S war auch noch nicht zuhause.

Kurz bevor die SM klingelte, rief dieser mich an. Er sei gerade erst aus dem Büro raus und ich müsse ihn noch abholen. In dem Moment wollte ich nur heulen. Ich hatte mich tapfer durch den Tag geschleppt. Niki hatte viel geschimpft, und dennoch war ich mit ihm und Flocke im Park spazieren. Hatte Wäsche gemacht, aufgeräumt, den ganzen Tag ein Grinsegesicht für Niki aufgesetzt und mich auf zwei Stunden ohne meine (über alles geliebten!) zusätzlichen Baby-Pfunde gefreut.

Jetzt sollte ich also (statt mich zumindest minimal aufzuhübschen) mit Flocke im strömenden Regen ihre Runde machen (statt S, dessen Aufgabe das ist). Da die Bowlingbahn reserviert war, blieb mir dank dem festen Zeitplan somit keine Zeit zum Stylen. Ich hatte einen 30 Kilometer Umweg über die dunkle, verregnete Autobahn vor mir und kochte innerlich. Ich verwünschte S auf dem nun lästigen Spaziergang mit dem armen Hund, der für meine Laune überhaupt nichts konnte. Aber wieso hatte S sich auch nicht zwei Stunden früher gemeldet?! Wieso googelt er nicht selbst eine Zugverbindung (er lädt einfach die Bahn-App nie runter) und es bleibt alles in letzter Sekunde an mir hängen?

Als ich mit Flocke heim kam um loszufahren, hörte ich bereits im Treppenhaus mein Baby wie ein Lämmchen schreien und weinen. Der Albtraum einer jeden Mutter! Ich rannte nach oben, um dort meinen Nikolai tränenüberströmt und die SM überfordert anzutreffen.

Kurzerhand entschied ich, mein Baby mitzunehmen. Ich konnte den Kleinen doch so nicht zurücklassen! Absagen wäre viel zu kurzfristig und unhöflich gewesen und ich hatte mich sehr auf unsere Freunde gefreut. S musste auch abgeholt werden. So packte ich Niki kurzerhand ein. Er brüllte auf der Fahrt wieder, nachdem ich S eingesammelt hatte. Ich heulte mich mit aus, weil ich fertig war und es außerdem wehtat, wie kläglich mein Baby schrie (ich vermute, es sind schon die nächsten Zähnchen).

Letztlich gelangten wir 40 Minuten zu spät zu unserer Verabredung. Unsere Freunde hätten jedes Recht gehabt, beleidigt zu sein. Statt dem gut gelaunten Paar von früher kam meine Wenigkeit abgeschlagen mit Augenringen und Baby. Waren sie aber nicht! Ich fand es unglaublich lieb, dass sie sich sofort um- und für mich somit eine große Hilfe darstellten. Die Jungs bowlten allein, meine Freundin (die gern mitgemacht hätte!) blieb mit mir am Tisch des angeschlossenen Restaurants sitzen. Wir aßen später noch zusammen, und Nikolai war nach dem Lutschen mehrerer Eiswürfel eingeschlafen.

Als wir um elf im Bett lagen, schlief Niki friedlich. Ich war stolz auf mich, diesen hektischen, chaotischen Abend trotzdem gemeistert zu haben.

Und vor allem bleib eins zu sagen: wenn man so einen Tiefpunkt erlebt hat, fühlt man sich tatsächlich am nächsten Tag viel besser. Denn von jetzt an kann es wieder nur bergauf gehen!

4 Comments

  1. Christina sagt:

    Du machst das alles klasse! Ich kann mit dir fühlen. Unser kleiner will auch rund um die Uhr beschäftigt werden und schläft schlecht.
    Weiter so und viel Kraft!
    LG

  2. Kathie sagt:

    Hallo Madline, ich verfolge Deinen Blog und Insta schon ne ganze Weile. Mir kommen viele Dinge, die Du erzählst bekannt vor. Mach Dir das Leben etwas einfacher und nimm die Sache mit dem Haushalt etwas gelassener, es muss nicht jeden Tag Staub gewischt und der Spiegel im Bad geputzt werden, dass registrieren doch die Männer eh nicht! Ich teile mir den Haushalt über die Woche auf, jeden Tag 20 bis 30 Minuten reicht, man ist ja mit den üblichen Aufräumen, Kochen, mit dem Hund Gassi gehen etc. schon gut ausgelastet. Und das aufräumen wird mehr, mein Sohn ist jetzt 10,5 Monate und ständig alles am Ausräumen und sortieren! 😀
    Leg Dich mit Niki auch mal mit hin, die Nächte sind auch schon wenig erholsam, und in den meisten Fällen stehen ja dann auch wir Mamas auf! Gönne Dir ruhig mal 10 Minuten Pause, dass tut Dir und letztendlich auch den Kleinen gut!

    Liebe Grüße , Kathie

    PS: Ich nenne meinen Sohn auch Niki ( sehr zum Ärgernis meines Mannes *g), er heißt Niklas.

    • madline4688 sagt:

      Ach du Liebe! Vielen Dank für deine schöne Nachricht. Du hast recht, ich bin mit vielem zu unentspannt und dränge wie mein Terrier ständig nach vorn statt mich mal hinzulegen! Werde mich bemühen deinen Rat zu befolgen 😘

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