Ein Tag im Regen

Ich therapiere mich zur Zeit selbst. Mit ganz viel Frischluft. Leider wohnen wir weder am Meer noch in den Bergen, wo Spaziergänge am schönsten sind. Deshalb gehe ich mit meinem Baby täglich in den Park. Der ist recht klein, aber selten sind mehr als zehn Menschen dort und es gibt sogar einen großen Teich, an dem Enten wohnen und auf Brotkrumen lauern.

Diese Woche ist es hier sehr verregnet. Das stellte mich kurz vor ein Dilemma, denn Regenschirm plus Kinderwagen klappt nicht. Und ich hatte im Herbst aufgegeben, nach dem perfekten Ernie&Bert- Regenmantel (in Gelb!) zu suchen. Zum Glück hat mich Nikolai bereits abgehärtet was eine zerzauste Frisur angeht. So habe ich einfach ungeachtet der Nässe und unerwünschter Kringellocken eine Mütze übergezogen, uns eingepackt und N in seinen geliebten Maxicosi verfrachtet. Den Regenschutz hatten wir noch nie benutzt, und der Wichtel war sofort fasziniert von den Tropfen, die an seinem „Fenster“ abperlten.

So zogen wir los. Mami mit dem einzigen Rucksack bewaffnet, den wir besitzen (von Flockes Welpenpaket aus dem Fressnapf…) denn ich wollte auf dem Weg noch kurz einige Einkäufe erledigen.

Ich bin stolz, dass ich sowas zur Zeit kann, und keine Ausreden suche, wieso S mir das benötigte abends mitbringen soll. Nur weil ich Panik davor habe das Haus zu verlassen.

Auch dieses Mal tat mir und N richtig gut! Er hatte den ganzen Morgen geschimpft und war mit nichts zufrieden zu stellen. In seinem Wagen war er schwer mit dem Beobachten seiner Umwelt beschäftigt. Ich hatte Ruhe und als wir im Park ankamen, schlief er. Der Regen hatte von prasselnd in dichten, windigen Niesel umgeschlagen. Hätte es mich normalerweise in heiße Wut versetzt, dass meine Hände kalt, die Kleidung nass und das Makeup verregnet war, stapfte ich fröhlich kreuz und quer durch den Park, um Nikolai ein möglichst langes Schläfchen zu ermöglichen. Es war schön dort allein zu sein. Ich genoss es dass mein Baby friedlich schlief und ich, wie früher meinen Puppenwagen, stolz meinen Kinderwagen umherschob.

Am Wochenende zuvor hatte ich mit S eine entmutigende Diskussion gehabt. Hatte mich über Rechnungen aufgeregt die ich nicht eingeplant hatte, und dadurch noch weniger geschlafen.

Aber in diesem kleinen verregneten Park habe ich darüber nicht nachgedacht. Ich habe erstaunt gelauscht dass in den Bäumen schon zahlreiche Vögel zwitschern. Bin durch Pfützen getapst und habe N’s kleines Händchen beobachtet, das suchend im Schlaf das Schnuffeltuch abtastete.

Als wir zuhause ankamen, war mein schönster Mantel nass, aber wir waren glücklich. Nikolai hatte den Rest des Tages gute Laune, und ich habe mich mit der Unifreundin bei einer selbstgemachten Pizza unterhalten, die uns am Nachmittag besuchte.

Müsste ich Ratschläge sammeln, wie man mit einer Depression umgeht, wäre dies auf jeden Fall meine Nummer 1: Raus gehen! Egal wie das Wetter ist, egal wie sehr man zuhause bleiben möchte.

Draußen fällt dir die Decke niemals auf den Kopf- die ist viel zu weit weg und wechselt die Farben.

 

6 Comments

  1. Katharina sagt:

    Genau das hat mir vor ein paar Wochen auch so sehr geholfen.Einfach raus,hab mal wieder ein Hörbuch gehört,hab mit Freundinnen telefoniert oder nur ein schönes Lied gehört und das alles während der kleine im Wagen schlief und ich an der Luft war.Da ich merkte,wie sehr mir das half,kaufte ich mir neue Gummistiefel,eine Wind-und Wetterjacke und für den Kiwa diese Stulpen mir Lammfell für warme und trockene Hände beim Fahren.Somit hab ich keine Ausrede mehr,auch bei so einem eckligen Wetter nicht an die Luft zu gehen.
    Du hast so recht-die Natur hilft 🌻

  2. Katharina sagt:

    Irgendwie hat mein 1.Kommentar nicht geklappt-dann nochmal…
    Du hat so recht.Die Luft und die Natur haben wir in den echt schweren Anfangswochen auch so geholfen und auch heute,bei dauerknatschen oder chronischer Müdigkeit muss ich raus.Da ich merkte,wie sehr mir die Luft gut tat,investierte ich etwas in neue Gummistiefel,eine noch Regenjacke und Handstulpen für den Kinderwagen ( mit Fell gefüttert) daher gibt es seitdem,auch bei diesem Wetter keine Ausrede mehr,nicht raus zu gehen.
    Und unterwegs höre ich gerne ein Hörbuch,ein schönes Lied oder telefoniere mit meinen Freundinnen-wo ich zuhause nie zu komme.Das hilft wirklich sehr und der kleine Bubbelmann schläft glücklich und zufrieden im Wagen vor sich hin
    Alles Liebe für dich 🌻

  3. Kathi sagt:

    Jetzt hast dus doppelt-gemoppelt -sorry

  4. herzmomente sagt:

    Oftmals kommt die Entspannung auch erst nach einer gewissen Zeit an der frischen Luft & durch die Bewegung. Am Anfang ist das Gedankenkarusell noch da aber nach ca. 30
    Minuten ist man einfach nur im hier und jetzt und alle Gedanken sind erstmal weit weit weg….

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