7 Wochen Babyliebe


  
  
  
 Heute ist mein Baby sieben Wochen alt. Was wie eine lange Zeit klingt, verging für mich wie im Flug. Noch nie in meinem Leben habe ich mich solchen Extremen ausgesetzt gefühlt.Da ist die panische Angst. Angst, dass dem Schatz etwas zustoßen könnte. Egal, ob auf der riesigen Hundewiese im Park kein Mensch ist, ich lasse den Wagen keinesfalls los! Könnte ja jemand böses aus dem Gebüsch gerannt kommen und mein Baby stehlen! Im Supermarkt wie wild am Kinderwagen rütteln damit kein Brüll-Aufstand in der Schlange entsteht. Wie ein Wackeldackel durch die dunkle Wohnung wippen damit Nikolai endlich einschlafen kann. Ratlos und verzweifelt sein, wenn er satt und gewickelt trotzdem weint. Totmüde nachts nach der Brille tasten ohne die ich blind bin, weil mein Sohn Hunger hat. Mitten auf der Düsseldorfer Kö blankziehen weil er auch dort natürlich hungrig wird und brüllt wie verrückt. Während der Autofahrt zum schreienden Baby nach hinten klettern, um ihn mit dem Schnuller zu bändigen. Während des Kochens, Abwaschens, Papierkram den Maxicosi in teilweise akrobatischer Manier auf und ab wippen damit der Zwerg Mami sehen kann und zufrieden ist.

Da ist auch eine neue Lernbereitschaft. Ich lasse mir äußerst ungern Vorschriften und „Du musst das aber so und so machen“ vor den Latz knallen. Und schon gar nicht mag ich Streit und Diskussionen. Aber für den Kleinen werde ich zu Löwenmama. Den Schwiegertiger, alte Bekannte und alle Menschen, die jetzt nicht unmittelbar vorbeikommen müssen, ohne Notlügen und Ausreden für längere Zeit von der Haustür verbannen, damit der Zwerg in Ruhe ankommen kann. Natürlich lernt man auch dazu. Über sich selbst, und über das, was man leisten kann. Dass ich als Terrier-Äquivalent eines Menschen engelsgeduldig das schmerzende Bäuchlein massiere, föhne, jede Stunde des Tages mit dem Zwerg verbringe ohne auch nur einmal genervt zu sein. Als Liebhaberin von Kosmetik und gepflegtem Aussehen so manches Mal nicht zum Duschen, geschweige denn zum Rasieren oder Nägel-/ Haare machen zu kommen. Meine Ich-Zeit geht für Wäsche, kochen, den Hund und Aufräumen drauf (Ist das da auf dem edlen Nachttisch die volle Windel, die wir morgens im Halbdunkel im Bett gewechselt haben?) Inzwischen gönne ich sogar der forschen, besserwisserischen Schwiegermutter hier und da mal eine Stunde mit dem Baby. Denn ich habe auch gelernt, dass man nicht alles allein schaffen MUSS. Es geht, aber nicht ohne Selbstaufgabe. Und ab und zu würde ich doch gern mal eine Haarkur machen statt in 2 Minuten wie eine Wilde vornüber gebeugt in der Badewanne einen Klecks Babyshampoo auf dem Skalp zu verteilen und meine Naturwelle in eher unattraktiver Form Lufttrocknen zu lassen. Es ist okay, den Kleinen mal für ein Stunde in liebe Hände zu geben. Ja, wenn man ein über-taktvoller Mensch ist, muss man mit einem Säugling lernen sich klar auszudrücken und Grenzen abzustecken. Ich habe Schwiegermutter noch im Krankenhaus klar gesagt, wie es zuhause weitergehen wird. Nachdem sie drei Tage hintereinander zweimal am Tag unangekündigt ins Krankenzimmer platzte, tat mein Kragen selbiges. Ich schickte ihr eine höfliche, aber bestimmte Mail in der ich um Privatsphäre und Besuche nur in Absprache bat. Ein ständiges DingDong an der Haustür hätte mich in höchste Unruhe und Rage versetzt. Jetzt akzeptiert sie, dass wir nur ein, zweimal in der Woche anrufen. Und über Sprüche wie „Ich habe meinen Enkel sooo lange nicht gesehen, er sieht ganz anders aus als letztes Mal“ muss man hinweg sehen oder sie direkt verbieten.

Was noch neu in meinem Leben ist: unbändige und bedingungslose Liebe, die ich nie zuvor im Leben so empfunden habe. Dieses winzige Er&ich, das vollkommen auf mich angewiesen ist. Das mir hundertprozentig vertraut, mich glucksend anlacht, sich mit weichen Ärmchen und winzigen Händchen an mir festhält. Das Mini-Gesicht, welches friedlich neben mir atmet und schläft. Die großen blaugrauen Kulleraugen, die meine Brust beim Stillen anstarren und die beim Baden starr die Umgebung sondieren bis der warme Föhn angeht. Sein Geplapper wenn er gut gelaunt mit mir auf dem Sofa liegt. Und das ungeduldige, hastige Atmen wenn er Hunger bekommt und Mami die Brust nicht schnell genug auspackt. Nicht zuletzt das hoch zufriedene Gesichtchen, wenn er in seiner Schaukel hin und her gewiegt wird.

Als er noch im Bauch war, konnte ich mir nicht vorstellen wie das Leben nach der Geburt sein würde. Jetzt kann ich mir ein Leben ohne meinen Mini-Wichtel nicht mehr vorstellen. Ich liebe Dich!

5 Comments

  1. Sabrina sagt:

    Ich liebe Deinen Blog weil Du mir in so vielen Dingen aus der Seele sprichst <3 da fühlt man sich gleich nicht mehr alleine!! Danke <3 Liebste Grüße von Sabrina F. mit klein J. (5 Wochen)

  2. Annika sagt:

    Ich liebe es deinen Blog zu lesen. Du schreibst so offen und ehrlich. So einen Blog hätte ich mir vor 6 Jahren gewünscht. Du bist einfach klasse 😀.
    Ganz Liebe Grüße Annika

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