Die 1. Woche

Mit Geburt von Nikolai hat für uns ein neues Leben begonnen- vor allem für mich als stillende Mama. Da die Geburt mit einem Not-Kaiserschnitt endete, waren wir länger als erwartet im Krankenhaus, ganze 6 Tage. Ich möchte gern meine Erfahrungen dieser 1. Woche mit euch teilen. Für alle, denen die Geburt noch bevorsteht: Jede Heilung, jeder Mensch ist individuell. Aber da es mir geholfen hätte, etwas weniger romantisch eingestellt gewesen zu sein, möchte ich euch hier die Möglichkeit geben einen Einblick ins Geschehen zu gewinnen.

1. Baby Euphorie

Natürlich beherrscht die Anwesenheit des Babys das gesamte Denken. Man ist überglücklich und kann nicht fassen, dass dieses winzige Wesen wirklich das eigene Kind ist. Man schaut „Was hat es von mir? Was hat es von dir?“ Wir hatten ein Familienzimmer, was toll war. Man hat den Papa immer da und lernt sich ganz in Ruhe kennen. Wir schliefen jede Nacht mit einem kleinen Licht, weil wir ständig nach dem Baby schauten; Atmet das Baby? Liegt das Baby bequem? Ich habe Nikolai in keiner Nacht zum Schlafen auf Station gegeben. Da er ebenfalls von der Geburt total erschöpft war, schlief er nachts 5 Stunden am Stück und auch tagsüber die meiste Zeit (das ändert sich!). Mein Freund ging jeden Abend mit dem Kleinen zum Messen und Wiegen, und ich konnte es keine Minute ertragen Nikolai weinen zu hören. Außerdem überkamen mich die Hormone, was zu einer tagelangen Trauerphase über den Verlust meines Babybauchs führte. Man hat das Baby 10 Monate beschützt herumgetragen, und nun ist es der Welt ausgesetzt. Das muss sich im Kopf erst umstellen. Ich muss sagen, in dieser Lage half mir die Gemeinschaft in unserer Instagram-Mamirunde sehr. Besuch strengt noch an, aber auf diese virtuelle Weise erhält man vom Krankenbett aus Rat, Trost und Ablenkung. Klingt womöglich verrückt, aber in dieser Situation war ich glücklich im digitalen Zeitalter zu leben.

2. Kaiserschnitt Blues

Für mich war der Moment, meinen Sohn kennenzulernen, nach 21 Stunden Wehen dann rasch gekommen als ein Kaiserschnitt notwendig wurde. Ich hätte mir keinen gewünscht, wir hatten keinen geplant. Aber Nikolais Herztöne sackten zu diesem Zeitpunkt nach jeder Wehe auf 80 ab, und so war die Entscheidung gefällt. Natürlich ist es irgendwo „angenehm“ das Baby nicht durch einen augenscheinlich viel zu engen Kanal zu pressen. Aber die Tage danach und auch der 1. Monat waren für mich eine echte Geduldsprobe. Vielleicht lag es daran dass ich schon vorher so angestrengt durch die Wehen war, denn eine andere Mami mit geplantem Kaiserschnitt war beim Frühstück viel fitter als ich. Wie sehen die Tage danach aus? Man hat einen Blasenkatheter. Den merkt man nicht, und er ist auch nötig, da das Aufstehen- zumindest für mich- zunächst ein Riesenakt ist. Man erhält standardmäßig 3 Ibuprofen über den Tag verteilt, welche am 3. Tag weggelassen werden sollen. Ich habe gelacht, da mir schon die 3 vorher nicht gereicht hatten. Zu den Schmerzen der Narbe kommen nämlich wunde Brustwarzen vom Stillen und die Nachwehen, welche das Saugen des Babys auslöst. Ich habe also auf Anfrage weiterhin meine Tabletten erhalten. Das Aufstehen war sehr schwierig. Man klammert sich an den Griff über dem Bett und wird von der Schwester auf die Füße gehievt. Das ist wichtig für den Kreislauf. Beim Stehen fühlte sich die Wunde an, als würde sie gleichzeitig brennen und aufreißen. Ich kroch im Schneckentempo zum Bad und wechselte mithilfe der Schwester die riesige Einlage in meinem Netz-Höschen. Der Katheter wurde geleert, und blieb auch die nächsten 2 Tage drin. Danach muss man dann selbst zur Toilette gehen und wirklich sehr geduldig mit sich sein (keine meiner Tugenden!). Ich konnte mich nur mühsam mithilfe des Griffs aufsetzen, mein Baby weder selbst wickeln noch hochheben. Eines Abends brachte mein Freund mich zum Lachen, was höllisch wehtat. Ich begann darüber so zu weinen, dass ich ihn auf den Gang schickte und die Nachtschwester aufgebracht ins Zimmer stürzte. „Was ist passiert?“, rief sie erschrocken. „Mein Freund hat mich zum Lachen gebracht!“, schluchzte ich. Man gab mir ein wenig Novalgin (wesentlich hilfreicher als Paracetamol!) und ich krabbelte vom Wickeltisch zurück ins Bett. An den letzten beiden Tagen schaffte ich es, mein Frühstück am Buffet zu mir zu nehmen statt es von S (meinem Freund) holen zu lassen. Auch wenn man es in den ersten 48 Stunden nach der OP nicht glauben kann- das Aufstehen wird tatsächlich mit jedem Mal besser. Nach einem Monat kann ich jetzt wieder fast schmerzfrei alle Bauchmuskeln anspannen und sogar den Maxicosi mit Baby die Treppe rauf und runter tragen. Die Devise lautet Geduld, und die Schmerzen nicht heldenhaft zu ertragen, sondern etwas dagegen einzunehmen.


3. Mit gutem Willen stillen

Das Stillen war mir von Anfang an sehr wichtig. Es ist das gesündeste für das Baby und man hat seine Nahrung jederzeit steril und perfekt temperiert dabei. Da ich 2 Jahre mit dem Zwerg zuhause bleiben werde, habe ich die Zeit und, wie ich jetzt weiß, auch genug Milch für ihn. Es gibt natürlich verständliche Gründe, sich gegen das Stillen zu entscheiden: zu wenig Milch, eine rasche Rückkehr in den Beruf, chronische Erkrankungen der Mutter etc. Ich aber stille den Kleinen solange es geht. Es sei erwähnt, dass die 1. Woche dadurch keineswegs leichter wird. In den ersten zwei Tagen kam nur die Vormilch. Auch wenn das nur ein paar Tropfen sind, die reichen dem Baby. Es muss natürlich fest saugen um an die Milch zu gelangen, und da muss man sich dran gewöhnen! Meine Brustwarzen waren rasch so wund, dass ich bei jedem Anlegen die Zähne zusammenbiss. Die dadurch ausgelösten Nachwehen fühlen sich an wie starke Regelschmerzen. Und als der Milcheinschuss einsetzte, war ich kurz davor alles hinzuschmeißen. Wie gelesen hatte, beginnt der Milchfluss tatsächlich an dem Tag, an dem die Frau so richtig weinerlich wird. Gleichzeitig freute ich mich und war geplagt von spannenden, heißen Brüsten die ich am liebsten leer gepumpt hätte. Gut, dass die Schwester dies nicht zuließ! Denn je mehr man abpumpt, desto mehr wird nachproduziert.  Auch hier muss man Geduld haben. Der Körper stellt sich schon bald auf die vom Baby geforderte Menge ein. Gegen die Schmerzen legte ich so oft wie möglich Multi Mam Kompressen auf, und nach dem Stillen kühlte ich die Brust mit speziellen Kühlakkus. Und das winzige Gesicht an meiner Brust entschädigt für all die unangenehmen Empfindungen! Die kleine Hand unter der Brust streichelt meine Rippen während er trinkt, und der Blick aus weit aufgerissenen, tiefblauen Äuglein wandert hin und her. Es gibt für mich nichts schöneres, als meinen kleinen Sohn an der Brust zu haben. Nach dem Verlust unserer Schwangerschafts-Zweisamkeit sind das Momente, die wieder nur uns beiden gehören.

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